
Oberhalb des Bergdorfs Kandersteg im Berner Oberland liegt der Oeschinensee auf rund 1575 Metern Höhe. Umgeben von den Gipfeln der Blüemlisalp und eingebettet in das UNESCO-Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch, lockt der Bergsee mit seinem intensiv türkisfarbenen Wasser jeden Tag zahlreiche Naturfans an. Auch in den sozialen Netzwerken schwirren zahlreiche Bilder und Videos des malerischen Sees herum. Sie machen ihn weit über die Schweiz hinaus bekannt, bringen aber auch immer mehr eine Schattenseite hervor. Wie der Reisereporter berichtet, sind an Spitzentagen mehr als 7000 Menschen am See unterwegs. Besonders der Zustrom von Tagesgästen stellt die Gemeinde vor Herausforderungen. Wanderwege, Toilettenanlagen und weitere Infrastruktur müssen gepflegt und instand gehalten werden. Auch Ranger verursachen Kosten.
Nach Angaben von René Maeder, dem Gemeindepräsidenten von Kandersteg, tragen viele Tagesgäste vergleichsweise wenig zur lokalen Wertschöpfung bei, obwohl sie die vorhandene Infrastruktur nutzen. Die Gemeinde sucht deshalb nach Möglichkeiten, den Besucherstrom besser zu steuern und die Kosten gerechter zu verteilen.
Eintritt für Wanderer an beliebtem Oeschinensee in der Schweiz: Was ist geplant?
Wie das Schweizer Portal Plattform J berichtet, wird derzeit geprüft, ob der Zugang zum Oeschinensee künftig kostenpflichtig werden könnte. Im Gespräch sind ein Drehkreuz oder ein digitales Bezahlsystem, bei dem Besucherinnen und Besucher beispielsweise per App oder QR-Code bezahlen. Betroffen wären vor allem Menschen, die den See zu Fuß erreichen. Denn, Schätzungen zufolge legen etwa 60 bis 70 Prozent der Gäste den Weg selbstständig zurück.
Allerdings ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Als möglicher Zeitpunkt für die Einführung gilt der Sommer 2027. Bis dahin müssen zunächst rechtliche Fragen und Zuständigkeiten geklärt werden. Denn der Wanderweg gehört nicht der Gemeinde und das Schweizer Recht schützt grundsätzlich das freie Betreten von Wald und Weide. Ob und unter welchen Bedingungen eine Eintrittsregelung zulässig wäre, ist daher noch offen. Auch die Höhe einer möglichen Gebühr steht bislang nicht fest.
Zahlreiche Tagesgäste: Gondelbahn schon heute mit Reservierung
Wer den Aufstieg vermeiden möchte, kann von Kandersteg aus mit der Gondelbahn in Richtung Oeschinensee fahren. Für diese gibt es bereits jetzt ein System zur Besucherlenkung: In der Sommersaison benötigen Gäste neben einem gültigen Ticket nämlich eine Reservierung für ein bestimmtes Zeitfenster. Zusätzlich will Kandersteg den Autoverkehr stärker steuern. Ein Reservierungssystem für Parkplätze soll dazu beitragen, den Ansturm besser zu organisieren.
Overtourism: Wenn Naturidylle zum Besuchermagneten wird
Der Oeschinensee steht mit diesem Problem nicht allein da. Immer mehr bekannte Reiseziele kämpfen mit den Folgen des Overtourism. Häufig sorgen spektakuläre Bilder in sozialen Netzwerken dafür, dass selbst abgelegene Orte innerhalb kurzer Zeit zu internationalen Besuchermagneten werden.
An den Drei Zinnen in den Dolomiten sorgen Menschenmassen für überfüllte Wege und lange Warteschlangen. Auch Hallstatt in Österreich kämpft mit den Auswirkungen des Massentourismus, wie unser Beitrag zeigt.


