Nürnberg - Der geplante Vollumbau des Max-Morlock-Stadions hat spätestens seit der Haushaltssperre der Stadt Nürnberg eine neue Dynamik bekommen. Ein Überblick über letzten Entwicklungen und die Folgen.

Seit Jahren träumen die Fans und der 1. FC Nürnberg von einer erneuerten sportlichen Heimstätte. Der Traum wurde spätestens am 22. Juli 2026 erstmals wirklich greifbar, als der Nürnberger Stadtrat einstimmig beschlossen hat, die ausgearbeitete Vorzugsvariante für den Vollumbau weiterzuverfolgen. Bis Ende 2026 soll diese weiter ausgearbeitet werden. Parallel wird ein Businessplan entstehen.

Anschließend ist die europaweite Vergabe der weiteren Planungs- und Bauleistungen angedacht. Soweit die Theorie, denn: Stadt, FCN und der Freistaat Bayern wollen und müssen noch ein entscheidendes Detail entwickeln - ein tragfähiges Finanzierungskonzept. Der erwartete Kostenrahmen liegt laut Schätzung immerhin zwischen 260 und 280 Millionen Euro.

Das Problem: die Stadt verhängte ausgerechnet wenige Tage nach dem verheißungsvollen Stadtratsbeschluss eine Haushaltssperreund begründete den Schritt unter anderem mit geringeren Gewerbesteuereinnahmen und steigenden Ausgaben. Die angespannte Finanzlage Nürnbergs bringt den ursprünglichen Zeitplan ins Wanken. Oberbürgermeister Marcus König erklärte Mitte September in einem aufsehenerregenden Sommerinterview mit „Franken Fernsehen“, es werde eine „Zeitverschiebung geben müssen, weil wir es uns im Moment auch nicht leisten können.“

Es müsse unter anderem sichergestellt sein, dass Zinsen und Tilgung der Finanzierung durch die künftigen Einnahmen des Stadions getragen werden können. Damit ist klar: der frühere Zeitplan mit einem möglichen Baubeginn ab 2028 und einer Fertigstellung zur Saison 2031/32 ist wohl nicht zu halten. Zusätzlich sehe man auch noch nicht, dass „der Club die 30 Millionen aufbringen kann“, so König weiter.

„Da waren wir alle ein bisschen überrascht. Am Ende kennen wir auch unsere Mittel und da haben wir unsere Hausaufgaben definitiv gemacht“, reagierte Joti Chatzialexiou gegenüber „Sky“. Der Kämmerer der Stadt Nürnberg, Thorsten Brehm, sprach im BR-Interview dagegen von einer „harten Nuss“, die noch zu knacken sei. Zur Wahrheit gehöre auch, „das Projekt wird nur dann kommen, wenn die Stadt Nürnberg auch eine Haushaltsgenehmigung für das nächste Jahr bekommt.“

Ultras Nürnberg mit offenem Brief

Das wiederum rief die Nordkurve Nürnberg auf den Plan. Am 25. September richtete die organisierte Fanszene in einem offenen Brief einen klaren Appell an die Stadtpolitik. „Stadt NBG: Bekenne dich zu deinem größten Botschafter, dem FCN! Liebe Stadträte, lieber Marcus König, lieber Andreas Krieglstein, es ist nun an der Zeit, Farbe zu bekennen“, schreiben die Ultras und fordern Verbindlichkeit im Handeln, „auch über eine Legislaturperiode hinweg.“

Die schwierige Haushaltssituation sei den Fans bewusst, man sei aber der Überzeugung, dass Zukunftskosten im Bestand und verpasste Chancen schwerer wiegen. Der Club habe in den letzten Jahren gezeigt, dass er ein verlässlicher Partner sei. „Die Stadt Nürnberg hat das selbstverständlich auch immer für sich beansprucht.“ Abschließend fordern sie „dass nur der 1. FC Nürnberg der Betreiber sein kann! Als Tagesmieter in einer fremden Wohnung fällt es einfach schwer, sich zu Hause zu fühlen.“

Olympia-Teilhabe und Verstimmungen um Betreiberrolle

Und dann verleiht nur einen Tag später die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes, München als deutschen Kandidaten für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 ins internationale Rennen zu schicken, dem Tauziehen neue Dynamik. Für Nürnberg ist die Entscheidung unmittelbar relevant, da das Bewerbungskonzept auch das Max-Morlock-Stadion als Spielort für die olympischen Fußballturniere vorsieht. Mit einem möglichen Zuschlag für München durch das IOC bei der finalen Vergabe im Jahr 2029 könnten dem Freistaat weitere Fördergelder winken.

Vor wenigen Wochen folgt dann die nächste Wende: wie die „BILD“ aus Kreisen des Stadtrats erfahren haben will, hat die Stadt dem 1. FC Nürnberg vor kurzem offenbar mitgeteilt, dass sie ihm nicht - wie zuvor geplant - die lukrative Betreibergesellschaft für das Stadion überlässt. Der FCN wollte als künftiger Stadionbetreiber eine Genossenschaft gründen und durch viele Anleger mindestens zehn Millionen Euro für den Stadion-Neubau einsammeln. Diese Finanzierungidee wäre obsolet, wenn der Club bei der Vermarktung des Stadions gar nicht beteiligt ist.

Und so bleibt der Traum vom erneuerten Max-Morlock-Stadion für den Club und seine Fans vorerst zwar weiter greifbar, aber dennoch ein entfernter. Ein Wegweiser könnte die Stadtratssitzung im November sein. Dann soll auch das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vorliegen.

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