
Immer mehr Deutsche stecken sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten an. Laut einer Recherche von Liebesleben haben sich die Syphilis-Fälle seit 2001 vervierfacht. Die Folgen einer Ansteckung können dabei schwer und teilweise lebensgefährlich sein, obwohl man diese leicht verhindern könnte. Besonders die mittlere Altersgruppe ist schwer von ihnen betroffen.
Bei einer Syphilis-Feststellung sind die Patienten im Median 41 Jahre alt, bei HIV etwas jünger mit 39. Ein weiterer Peak lässt sich dann noch einmal zwischen 50 und 55 Jahren feststellen. Heterosexuelle Paare haben da oft schon keine Angst mehr vor ungewollten Schwangerschaften und denken daher seltener an Verhütungsmaßnahmen wie Kondome. Zudem meinen viele in dieser Altersgruppe relativ sicher vor Geschlechtskrankheiten zu sein, sagt Norbert Hermann Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) im einem Gespräch mit watson.
Homosexuelle lassen sich früher testen
Viele der Infektionen werden in den 30ern festgestellt, haben aber schon Jahre zuvor stattgefunden. Laut watson sind knapp 50 Prozent aller HIV-Diagnosen Spätdiagnosen. Da weisen meistens Schädigungen der Immunfunktion auf eine frührere Infektion hin. Bei homosexuelle Patienten wird die Infektion in den meisten Fällen früher diagnostiziert. Knapp 30 Prozent der HIV-Diagnosen sind da Spätdiagnosen.
Die geburtenschwächere Gen Z und die Anzahl der Boomer-Generation verändern die Statistiken. Das Risiko für eine Ansteckung ist in den jungen Jahren noch immer am höchsten, weshalb die Prävention und Aufklärung schon früh beginnen und auch immer erneuert werden muss, so Mediziner-Brockmeyer. „Da haben wir endlich einmal eine Impfung gegen Krebs, etwas, was sich viele Menschen herbei gewünscht haben – und dann wird sie sehr wenig genutzt. Die Impfung kann weitgehend vor den durch HPV ausgelösten Erkrankungen schützen: Gebärmutterhalskrebs, Kehlkopfkrebs, Penis- und Analkarzinome“, sagt der Mediziner.
Deutschland hinkt bei den Impfungen hinterher. Nur knapp mehr als die Hälfte der Mädchen haben die HPV-Impfung, bei den Jungen sind es noch weniger mit 30 Prozent, laut watson. In Australien seien es laut Brockemeyer bereits 80 bis 90 Prozent de Teenager, die geimpft sind.
Tripper auf dem Vormarsch
Bei Gonorrhoe, umgangssprachlich Tripper genannt, herrsche noch großer Aufklärungsbedarf. „Hier gehen Schätzungen von 20.000 bis 25.000 Infektionen im Jahr aus“, sagt Brockmeyer. Es ist also wichtig, sich als Gesellschaft mit sexuell übertragbaren Krankheiten auseinanderzusetzen, da jede Neuinfektion das Risiko, sich selbst anzustecken erhöht.

