
Der Zuschuss ist vorerst vom Tisch, die Debatte nicht. Nachdem der Stadtrat auf Antrag der Linken den geplanten 40.000-Euro-Zuschuss fürs Altstadtfest von der Tagesordnung genommen hat, erklärt Christian Wagner, wie es aus seiner Sicht dazu kam. Wagner ist Wirtesprecher, Kuhstall-Wirt und Teil des Altstadtfest-Vereins. Er ordnet zeitlich ein, rechnet vor und warnt vor den Folgen für das Fest.
Wie berichtet, hatte die Verwaltung dem Altstadtfest Nürnberg e.V. für das 54. Altstadtfest einen freiwilligen Zuschuss von 40.000 Euro vorgeschlagen. Die Stadtratsfraktion Die Linke kritisierte das mitten in der Haushaltssperre scharf. Stadträtin Kathrin Flach Gomez sprach von einer „bemerkenswerten Vorstellung von Prioritäten“, sie pointiert: „Vereinfacht gesagt: Die Wirte sollen nicht mehr zahlen, die Stadt dafür 40.000 Euro.“ Der Punkt zum Zuschuss wurde für die Sitzung am 30. September abgesetzt. Auch Wirtesprecher Wagners persönlicher Einsatz für den Zuschuss spielte in der Kritik der Linken eine Rolle.
Altstadtfest-Wirte und -Verein: Natürlich haben wir auf den Zuschuss gehofft“
„Natürlich haben wir auf den Zuschuss gehofft“, sagt Christian Wagner. „Wichtig ist mir dabei aber die zeitliche Einordnung.“ Die ersten Gespräche mit der Stadtspitze über die wirtschaftliche Lage des Altstadtfestes seien bereits im Januar und Februar geführt worden. Damals sei es um einen möglichen einmaligen Zuschuss von höchstens 40.000 Euro gegangen. „Zu diesem Zeitpunkt war die spätere Haushaltssperre noch kein Thema. Erst Monate später verschärfte sich die Haushaltslage der Stadt entsprechend“, unterstreicht Wagner.
Die Stadt hatte die Haushaltssperre Ende Juli verhängt. Wagner betont außerdem: Die 40.000 Euro seien „immer als Maximalbetrag und nicht als dauerhafte Förderung gedacht“ gewesen. Wie hoch der tatsächliche Bedarf nach der vollständigen Abrechnung des Altstadtfestes 2026 ausfalle, könne „durchaus niedriger“ sein.
Wohin das Geld der Wirte auf dem Altstadtfest Nürnberg fließt
Die Linke hatte auf die Einnahmen des Vereins verwiesen, darunter 197.000 Euro Hüttenentgelte von acht Gastronomiebetrieben, sowie 17.500 Euro Sponsoring-Einnahmen. Wagner nimmt diese Summe auf: „Da kann verständlicherweise die Frage entstehen: Wofür benötigt ein ehrenamtlich geführter Verein knapp 200.000 Euro von seinen Wirten?“
Seine Antwort: Das Geld finanziere „ganz überwiegend nicht den Verein, sondern die Durchführung des Altstadtfestes“. Die operativen Festkosten beziffert er für 2026 auf rund 254.000 Euro:
- Rund 180.000 Euro für Infrastruktur wie Strom, Wasser, Sanitäranlagen, Zäune, Rampen, Platzmiete und Entsorgung
- Knapp 43.000 Euro für Security und Sanitätsdienst
- Knapp 20.000 Euro für das Kultur- und Veranstaltungsprogramm
- Dazu kommen unter anderem Reinigung, Marketing und Genehmigungen
Bei den Vereinskosten sei dagegen „sehr konsequent“ angesetzt worden. Der Verein gibt das Altstadtfestbüro auf und spart an weiteren Stellen. Die jährlichen Fixkosten sollen so von rund 22.000 Euro auf etwa 4.250 Euro sinken, also um rund 81 Prozent, detailliert Wagner.
„Das ist keine gefühlte Entwicklung“
„Man muss auch die wirtschaftliche Situation der Wirte betrachten“, sagt Christian Wagner. „Das ist keine gefühlte Entwicklung.“ Er beruft sich auf den DEHOGA Bayern (Hotel- und Gaststättenverband) . Demnach lag der reale Umsatz des Gastgewerbes im ersten Quartal 2026 um 5,1 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Der Verband berichte zudem von deutlich gestiegenen Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten und von Gästen, die stärker auf den Preis achten. Im zweiten Quartal 2026 lagen die Arbeitskosten im Gastgewerbe laut einer aktuellen DEHOGA-Veröffentlichung mehr als 53 Prozent über dem Niveau des ersten Quartals 2022.
Daraus leitet Wagner ein grundsätzliches Problem ab: „Die bestehenden Wirte können nicht Jahr für Jahr höhere Hüttenentgelte und gleichzeitig steigende Personal-, Waren- und Betriebskosten tragen.“ Die Mehrkosten könne man nicht beliebig an die Gäste weitergeben. „Ein Bier oder ein Essen kann nicht jedes Jahr entsprechend der Kostenentwicklung teurer werden.“
Deshalb müsse man künftig sogar darüber sprechen, die Hüttenentgelte der Bestandswirte wieder auf ein wirtschaftlich tragfähiges Niveau zu senken. In der aktuellen Mehrjahresplanung seien sie zunächst bei insgesamt 197.000 Euro eingefroren. „Auf Dauer wird aber auch das aus meiner Sicht nicht reichen, wenn wir Gastronomen für das Altstadtfest halten und neue gewinnen wollen.“
Der „gefährliche Kreislauf“ für die Wirte auf dem Altstadtfest Nürnberg
Der Wirtesprecher beschreibt einen Teufelskreis: Wird die Belastung für den einzelnen Betrieb zu hoch, springen Wirte ab. Dann verteilen sich die Gesamtkosten auf weniger Betriebe, und der Druck auf die übrigen steigt weiter. Zugleich werde es schwerer, neue Gastronomen zu gewinnen. „Dass bereits Wirte abgesagt haben und aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation keine neuen gewonnen werden konnten, stellt auch die Stadt selbst in ihrer Vorlage fest“, sagt Wagner.
Die Lösung könne deshalb nicht sein, die bestehenden Gastronomen immer stärker zu belasten. „Wir müssen die Kostenstruktur verändern, Sponsoring deutlich ausbauen, zusätzliche Einnahmequellen erschließen und weitere Betriebe gewinnen.“
Zuschuss für das Altstadtfest Nürnberg als „Brücke“
Genau dafür sei der einmalige Zuschuss als Brücke gedacht gewesen, betont Christian Wagner. „Es geht ausdrücklich nicht darum, das Altstadtfest dauerhaft von der Stadt finanzieren zu lassen.“ Die Mehrjahresplanung sehe für 2027 und 2028 keinen städtischen Zuschuss mehr vor. Stattdessen sollen, wie erwähnt, die Fixkosten des Vereins drastisch sinken, das Sponsoring wachsen und ein zusätzlicher Gastronomiebetrieb dazukommen.
Ohne Zuschuss entstehe 2026 nach der derzeitigen Planung ein negatives Ergebnis von rund 48.900 Euro. Mit der vorgesehenen Unterstützung blieben rund 8.900 Euro, die laut Wagner durch vorhandene Mittel und eine Spende ausgeglichen werden sollen. Für 2027 und 2028 sehe das Basisszenario ohne städtischen Zuschuss bereits wieder kleine positive Ergebnisse vor.
Wirtesprecher des Altstadtfests Nürnberg: „Irgendwo muss eingespart werden“
Was ein dauerhaft fehlender Spielraum für die Gäste bedeuten würde? „Irgendwo muss eingespart werden“, sagt Wagner. Das könne Kulturprogramm, Infrastruktur oder gastronomische Vielfalt treffen, „oder die Preise müssten weiter steigen“, führt Wagner an. Im schlechtesten Fall ziehen sich weitere Wirte zurück, „und das Altstadtfest verliert Stück für Stück das, was seinen Charakter ausmacht“. Das Fest sei seit 1970 mehr als eine Ansammlung von Verkaufsstellen, sondern ein Stück Nürnberger Stadtkultur, das ohne Eintritt zu besuchen ist. „Auch die Stadt beschreibt genau diese kulturelle und traditionelle Bedeutung in ihrer eigenen Vorlage.“
Und ob man überbrücken könne, bis es in der Stadtkasse wieder besser aussieht? „Genau das wollen wir nicht“, sagt Wagner.
Das 54. Altstadtfest läuft noch bis zum 4. Oktober. Ob die Verwaltung ihren Vorschlag überarbeitet, ist derzeit offen.