Nürnberg - Nürnberg will die „Finals“ nach Franken holen. Bayern stellt bis zu fünf Millionen Euro in Aussicht. Doch angesichts der angespannten Haushaltslage sorgt das Millionenprojekt bereits für Diskussionen.

Nürnberg möchte ein großes Stück vom deutschen Spitzensport-Kuchen abbekommen: Die Stadt will die „Finals“ nach Franken holen. Bei dem Multisportevent werden die Deutschen Meisterschaften zahlreicher Sportarten an einem gemeinsamen Austragungsort beziehungsweise in einer Region gebündelt.

Doch die Bewerbung kommt in finanziell schwierigen Zeiten. Rund zehn Millionen Euro soll die Austragung kosten. Unterstützung gibt es vom Freistaat Bayern: Ministerpräsident Markus Söder kündigte an, die Hälfte der Kosten übernehmen zu wollen.

Mega-Sportevent: Nürnberg will die „Finals“ nach Franken holen

Die Bewerbung wurde im Nürnberger Max-Morlock-Stadion vorgestellt. Wann die „Finals“ tatsächlich in Nürnberg stattfinden könnten, steht noch nicht fest. Nach den bisherigen Überlegungen geht es um einen Zeitraum um das Jahr 2030, wie die Deutsche Presse-Agentur vermeldet.

Zunächst muss Nürnberg ein Konzept erarbeiten und bei den Organisatoren einreichen. Die Stadt sieht mit ihren Sportstätten und der großen Vereinslandschaft gute Voraussetzungen für das Großevent. Einzelne Wettbewerbe könnten auch mitten in der Stadt stattfinde, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bei den „Finals“ werden deutsche Meistertitel in zahlreichen Sportarten vergeben. Das Konzept soll auch Disziplinen mehr Aufmerksamkeit verschaffen, die sonst weniger im Mittelpunkt stehen. ARD und ZDF übertragen die Wettbewerbe.

Zehn Millionen Euro für das Großevent anberaumt - Bayern sagt Unterstützung zu

Eine zentrale Frage ist allerdings noch die Finanzierung. Nach Angaben der Stadt wird mit einem Gesamtbudget von rund zehn Millionen Euro gerechnet. Der Freistaat Bayern will sich mit bis zu fünf Millionen Euro beteiligen. Das kündigte Söder bei der Vorstellung der Bewerbung an.

Die Größenordnung ist angesichts der schwierigen Haushaltslage Nürnbergs nicht unumstritten - erst am Donnerstag wurde beispielsweise öffentlich, dass die Stadt nun auch die Brunnen früher abschalten will, um Kosten zu senken. Die Linke im Nürnberger Stadtrat hält die möglichen Millionen-Ausgaben für falsch priorisiert. Das Geld wäre aus ihrer Sicht besser in der Sportinfrastruktur und der direkten Unterstützung gemeinnütziger Sportvereine aufgehoben.

Die Region Hannover beteiligte sich an den „Finals“ 2026 mit 2,75 Millionen Euro. Für Stuttgart, das 2027 Gastgeber sein soll, werden ebenfalls Kosten von mehr als fünf Millionen Euro erwartet, so die dpa.

König sieht in „Finals“ einen „Werbeblock“ für Nürnberg - „Kann nicht alles zusperren“

Oberbürgermeister Marcus König verteidigt das Vorhaben. Auf der Presseveranstaltung bezeichnete er das Großevent als „Werbeblock“ für die Wirtschaft, Gastronomie und Hotellerie.

König räumte laut dpa zugleich die schwierige finanzielle Situation ein. „Auch wenn wir finanzielle Probleme haben, kann ich doch nicht alles zusperren“, sagte er. Die Stadt müsse vielmehr versuchen, „proaktiv“ zu agieren.

Auch Söder verwies auf den möglichen Nutzen der Veranstaltung. „Ich habe da keine Empfehlung abzugeben, wie die Stadt Nürnberg es finanziert“, sagte der Ministerpräsident laut dpa. Gleichzeitig verwies er auf Nürnberg als zweitgrößte Stadt Bayerns und einen der starken Wirtschaftsräume.

Söder wurde noch deutlicher: „Wie man gegen Sport sein kann, habe ich bis heute nicht verstanden.“ Wer schlecht gelaunt sei, solle „einfach mal fünf Runden hier im Stadion laufen“, sagte er. Danach habe man zumindest „keine Puste mehr zu motzen und zu maulen“.

Entscheidung steht noch aus

Ob die „Finals“ tatsächlich nach Nürnberg kommen, ist weiterhin offen. Zunächst muss die Stadt ihre Bewerbung ausarbeiten und bei den zuständigen Organisatoren einreichen.

Nürnberg will mit dem Event sportliche und wirtschaftliche Ziele verbinden. Nach Angaben der Stadt könnten rund 500.000 Zuschauer angelockt werden. Damit könnten auch Hotels, Gastronomie und Handel profitieren, so der Wunsch.