
Der Kontrast könnte kaum größer sein: Miroslav Klose verdiente sein Geld in einem früheren Leben als Weltklasse-Stürmer, trug das Trikot des FC Bayern und Lazio Rom und kürte sich bei der WM 2014 nicht nur zum Weltmeister, sondern auch zum damaligen WM-Rekordtorschützen. Maximilian Senft hingegen verdiente sich seine Brötchen einst an den Pokertischen dieser Welt. Zwischen 2011 und 2015 soll der Österreicher bei Live-Turnieren, unter anderem bei den World Series in der Wüstenmetropole, insgesamt fast eine Million US-Dollar erspielt haben. Was sie gemeinsam haben: Beide haben diese Kapitel ihrer Vergangenheit – sprich die aktive Zeit als Fußballer respektive die Poker-Karriere – abgeschlossen und sind derzeit als Cheftrainer in der 2. Bundesliga angestellt. Am Samstag kommt es zum Duell - dem zweiten Aufeinandertreffen der beiden Trainer, die sich bereits 2023 in der österreichischen Bundesliga duelliert haben.
Das Saisonziel
Beide Teams visieren nach Jahren im Niemandsland der 2. Bundesliga das obere Tabellendrittel an und hegen langfristig Aufstiegsambitionen. Karlsruhes Sport-Geschäftsführer Mario Eggimann strebt danach, es mit dem Sportclub „in den nächsten vier Jahren in die Top 20 des deutschen Profifußballs“ zu schaffen. Eine zentrale Rolle soll dabei Maximilian Senft spielen, der im Sommer in die Fußstapfen des langjährigen Trainers Christian Eichner getreten ist.
Der Transfersommer
Die Verpflichtung des Österreichers, der zuletzt dem SV Ried zum Bundesliga-Aufstieg verholfen und den Verein anschließend in der höchsten Spielklasse etabliert hat, löste bei den Blau-Weißen reichlich Euphorie aus. Zunächst muss der 37-Jährige aber einen erheblichen Umbruch bewältigen. 33 Kaderbewegungen wurden im Sommer registriert, wobei insbesondere etablierte Zweitliga-Kräfte abgegeben und junge Talente dazu geholt wurden.
Besonders schwer wiegt bisher der Abgang eines Altbekannten: Fabian Schleusener, seinerzeit Relegationsheld beim 1. FC Nürnberg, erzielte pro Saison beim Karlsruher SC im Durchschnitt 8,8 Tore – ein grundsolider und über die fünf Jahre hinweg sehr verlässlicher Wert. Sein Nachfolger hört auf den Namen Moritz Broschinski, gilt aber nicht als Torgarant: Der 25-Jährige erzielte bislang in keiner Profisaison mehr als drei Ligatore. Und: Der Mittelstürmer fällt vorerst - ebenso wie Routinier Sebastian Jung - aus, eine Sprunggelenksverletzung mitsamt einer Operation setzen ihn außer Gefecht. Zu dem also ohnehin im Vergleich zum Vorjahr geschwächten Kader kommen beim Karlsruher SC nun auch Verletzungssorgen, die insbesondere erfahrene und zweikampfstarke Spieler betreffen.
Der Saisonstart
Entsprechend verlief der Saisonstart wenig berauschend und (zumindest im Hinblick auf die Ergebnisse) ganz nach dem Motto „Stark angefangen, stark nachgelassen“. Zum Auftakt feierte man dank eines Broschinski-Doppelpacks einen 2:1-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld, danach folgten zwei Remis gegen Lautern und Hannover sowie zwei Niederlagen gegen Wolfsburg und Cottbus. Mit elf Gegentoren, davon fünf aus dem Spiel gegen die Wölfe, stellt der Karlsruher SC die viertschlechteste Defensive der Liga. Das liegt zum Teil an nachlässigem Verteidigungsverhalten, zum Teil an der späten Ankunft zweier Defensivneuzugänge, die bisher noch nicht für die Startelf infrage kamen, und zum Teil an einer veränderten Spielidee: Neu-Coach Senft verfolgt einen deutlich aggressiveren Ansatz im Spiel gegen den Ball, der eine radikale Umstellung im Vergleich zu Eichners etabliertem Mittelfeldpressing darstellt.
Die Spielweise
Maximilian Senft möchte nach eigenen Angaben einen „hochintensiven Spielstil mit sehr vielen Sprintmetern“ implementieren, was nicht zuletzt auf hohem Angriffspressing fußen soll. Abwehrspieler Franke erklärte: „Wir versuchen, den Gegner früh anzulaufen, aggressiv zu attackieren und die Bälle möglichst weit vorn zu erobern.“ Dieses Vorwärtsverteidigen erfordert aber zugleich auch gute Absicherung, gute Tiefensicherung und gute Abstimmung im Defensivverbund – allesamt Faktoren, an denen es mitunter noch hapert. Angesichts der offensiven Ausrichtung der beiden talentierten Außenverteidiger ist eine Umstellung auf Dreierkette möglich, setzt aber voraus, dass einer der beiden neuen Innenverteidiger gegen den 1. FC Nürnberg schon bereit für die Startelf ist.
Im eigenen Ballbesitz sucht Karlsruhe den spielerischen Weg, präsentierte sich aber unter anderem bei der 0:3-Niederlage gegen Cottbus durchaus fehleranfällig und erlaubte sich einige Ballverluste im ersten Drittel. Insgesamt aber schaffen es die Badener immer wieder, vors Tor zu kommen: Karlsruhe gab ligaweit die meisten Torschüsse ab, provozierte die zweitmeisten Ecken und hatte die zweitmeisten Ballberührungen im gegnerischen Strafraum. Dennoch mangelt es mitunter an Torgefahr, nur 7,7 Expected Goals (13. Platz) sprechen für Probleme bei der Kreation von aussichtsreichen Chancen. Viel lastet dabei auf den Schultern von Marvin Wanitzek, dem Kreativkopf und Unterschiedsspieler in der Karlsruher Offensive.
Die Aussicht
Die Vorzeichen stehen zugunsten des 1. FC Nürnberg, den Senft als „Mannschaft der Stunde“ bezeichnet. Dennoch ist der Gastgeber nicht zu unterschätzen, spiegeln die bisherigen Ergebnisse doch nicht immer die gezeigten Leistungen wider. Auf der Pressekonferenz betonte Senft, bis zum Cottbus-Spiel von Woche zu Woche eine Steigerung beobachtet zu haben. Die Ergebnisse müssten auch im Kontext der Entwicklung und der Kadersituation betrachtet werden. Gegen Cottbus habe man zwar stellenweise „nicht gut verteidigt“, hätte dennoch aber „auf beiden Seiten Tore schießen können“.
Senfts Fazit: „Entwicklung passiert eben nicht in einer geraden Linie nach oben, sondern man hat immer wieder Dellen drin.“ Eine Erfahrung, die auch der 1. FC Nürnberg bestens kennt. Schließlich steht der Trainer dort mittlerweile in seinem dritten Jahr an der Seitenlinie – und hat mit seiner Mannschaft ebenfalls schon die eine oder andere, teils deutlich größere Delle überwinden müssen, ehe die Linie derzeit stark nach oben zeigen konnte.

