
Nürnberg will neue Unternehmen und Marken für seine Innenstadt gewinnen. Dabei soll künftig eine neue Standortbroschüre helfen, die der Stab Innenstadt im Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat nun vorgelegt hat. Unter dem Titel „Innenstadt Nürnberg: Der Erfolgsstandort für Handel & Gastronomie“ bündelt die Publikation wichtige Kennzahlen, Standortvorteile und Informationen zu den einzelnen Einkaufsstraßen. Denn: Während die Karolinenstraße als „High Street mit maximaler Sichtbarkeit inklusive Ludwigsplatz“ beworben wird, gilt die Breite Gasse als „jung-urbane Lifestyle-Meile“ (in deren Verschönerung viel Zeit und Kosten investiert werden), die Königstraße firmiert als „Knotenpunkt für Alltag und touristische Attraktionen“ und die Kaiserstraße ist „die Adresse für Qualität und Genuss“.
Die Broschüre richtet sich vor allem an nationale und internationale Handels- und Gastronomiemarken sowie an Unternehmen, Investoren und Expansionsverantwortliche, wie Wirtschaftsreferentin Andrea Heilmaier auf dem Vorstellungstermin betont. Sie soll in Gesprächen über mögliche Ansiedlungen eingesetzt werden und einen schnellen Überblick über den Standort geben.
Nürnberg ist jung, urban, flexibel und ausgehfreudig
Nach Angaben des Wirtschaftsreferats gehört Nürnberg zu den leistungsfähigsten Handelsstandorten Deutschlands. Rund 29.800 Euro Kaufkraft entfallen demnach auf jeden Einwohner oder jede Einwohnerin - zudem seien 42,3 Prozent der Nürnberger Teil der kaufkräftigen Zielgruppe zwischen 30 und 59 Jahren: Die sogenannte Einwohnerstruktur ist „urban, flexibel, ausgehfreudig“, das Durchschnittsalter in Nürnberg liegt bei 42,8 Jahren. Der jährliche Einzelhandelsumsatz liegt bei etwa 3,6 Milliarden Euro, außerdem kommen rund 40 Millionen Besucher pro Jahr in die Stadt. Mit einer mehr als sieben Kilometer langen Fußgängerzone verfügt Nürnberg zudem über eine der größten zusammenhängenden Einkaufsmeilen Europas.
Stadt Nürnberg freut sich: Die Leerstands-Quote sinkt
In Sachen Leerstand sieht die Stadt eine positive Entwicklung. Die Quote sei seit Anfang 2024 von 7,1 auf inzwischen 4,7 Prozent gesunken. Bis August dieses Jahres habe es mehr als 50 Neueröffnungen gegeben, führt die Wirtschaftsreferentin an. Darüber hinaus lägen dem Stab Innenstadt derzeit rund 70 konkrete Ansiedlungsgesuche vor, also Unternehmen, die über einen Zuzug in die Innenstadt Nürnbergs konkret nachdenken. Das Spektrum reicht laut Stadt von kleineren Konzepten und Pop-up-Läden bis hin zu größeren Handels- und Gastronomiebetrieben.„Die Zahlen zeigen, dass sich unser aktives Ansiedlungsmanagement auszahlt“, sagt Andrea Heilmaier.
Gleichzeitig sei eine passende Ansiedlung nicht immer kurzfristig möglich. Unternehmenskonzept und Immobilie müssten zusammenpassen - Andrea Heilmaier nennt das „einen Flaschenhals“, wegendessen zum Beispiel einige Ansiedlungen noch nicht umgesetzt werden konnten. Entscheidend seien unter anderem die Größe und der Zuschnitt der Fläche, die Deckenhöhe, Schaufenster, Zugänge und die baulichen Voraussetzungen. Auch die Wirtschaftlichkeit, der Investitionsbedarf und die laufenden Kosten spielten eine wichtige Rolle. Gerade in historischen Gebäuden gebe es häufig besondere Grundrisse. Moderne Handelskonzepte benötigten dagegen oft größere, zusammenhängende Flächen mit ausreichend Schaufensterfront.
Neue Nutzungskonzepte ins Spiel bringen
Zudem befinden sich die meisten Gewerbeimmobilien nicht im Eigentum der Stadt. Über eine Vermietung und die Konditionen entscheiden deshalb die jeweiligen Eigentümer.Der Stab Innenstadt will in diesem Prozess vermitteln, steht nach eigenen Angaben mit Unternehmen, Eigentümern und Maklern im Austausch, kennt verfügbare Flächen und versucht, passende Partner zusammenzubringen. Über einen digitalen Ansiedlungs- und Gesuchsmelder können sowohl freie Ladenlokale als auch konkrete Wünsche von Unternehmen gemeldet werden.
An der neuen Broschüre, die die wichtigsten Informationen bei einem Ansiedlungsgesuch bündelt, hat auch die Handels-Zukunftsforscherin Theresa Schleicher mitgewirkt. Nürnberg verbindet „wirtschaftliche Stabilität, eine hohe Aufenthaltsqualität und eine „außergewöhnlich starke Handelsstruktur“, sagt sie. Der Mix aus Handel, Gastronomie, Kultur und Freizeit biete gute Voraussetzungen für eine lebendige Innenstadt. Die hohe Zahl an Neueröffnungen zeige zudem, dass Nürnberg offen für neue Konzepte sei und „Unternehmen hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten bietet“.
Die angedachten Nutzungskonzepte sind vielfältig: Auch Shop-in-Shop-Vermittlungen zwischen beispielsweise Breuniger und einem kleinen Start-up begleitet der Stab Innenstadt, parallel dazu entstehen Ideen wie die des S‘Fachl in der Brunnengasse zwischen Breiter Gasse und Karolinenstraße, in dem Kreative sich ein Fach für das Anbieten ihrer Waren mieten.
Stadt Nürnberg arbeitet mit einer Hit-Liste der Wünsche ihrer Bürgerinnen und Bürger
Die Stadt will bei der Ansiedlung auch Anregungen aus der Bevölkerung berücksichtigen -dafür gibt es im Wirtschaftsreferat eine Hitliste der Firmen, die sich die Bürgerinnen und Bürger am meisten in Nürnberg wünschen: Wie Primark, Uniqlo, White Tiger oder Bershka. Mit Marken und Unternehmen, die auf dieser Hit-Liste für die Innenstadt stehen, sei man bereits im Gespräch. Eine Garantie für konkrete Namen oder Eröffnungen gibt es allerdings nicht. Erst wenn Standort, Immobilie und Unternehmenskonzept zusammenpassen, kann aus einem Ansiedlungsgesuch tatsächlich ein neuer Laden oder Gastronomiebetrieb werden. Auch der Stab Innenstadt und damit das Wirtschaftsreferat haben generell Wünsche, welche großen Unternehmen sich in Nürnbergs Innenstadt ansiedeln sollen - darunter Untermarken von H&M, das Ausstattungsunternehmen Manufactum oder auch White Tiger. Gerade mit Manufactum sei man in Kontakt, doch fehle es aktuell an einem passenden Objekt. Auch die Schwarz-Gruppe um Lidl und Kaufland wäre ein ausgespähter Mieter zur weiteren Nahversorgung in der Innenstadt. „Wir machen aber ja die Innenstadt nicht für uns, sondern für die Bürger“, betont Andrea Heilmaier.
Die neue Standortbroschüre steht auf der Internetseite des Stabs Innenstadt zum Download bereit, außerdem wird sie in gedruckter Form ausgehändigt. Auf der Webseite können Unternehmen und Immobilieneigentümer auch den digitalen Ansiedlungs- und Gesuchsmelder nutzen.
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