Nürnberg - Die gelangweilte Katze einfach vor den Fernseher setzen? Glaubt man zahlreichen Videos in den Sozialen Medien geht das mit der Netflix-Serie Sealook. Steckt dahinter wirklich ein Programm, gemacht für Katzen?

Mein Instagram-Feed ist voll mit Katzenvideos aller Art. Katzen die witzige Laute von sich geben, Katzen die sich mit Engelsgeduld von Kleinkindern malträtieren lassen oder Katzen „high“ auf Katzenminze. Neuerdings sind allerdings auch fernsehschauende Katzen dazu gekommen. In den Clips sieht man, wie die Haustiere wie gebannt vor dem Fernseher sitzen und die Netflix-Serie „Sealook“ schauen. Viele Besitzer behaupten, ihre Tiere seien „süchtig“ danach und dass die Animationsserie extra in Farben gestaltet worden sei, die Katzen besonders gut sehen können. Zumindest letzteres stimmt so nicht - die südkoreanische Serie wurde ursprünglich für Kinder gemacht, was ja nicht heißen muss, dass sie für Katzen deshalb nicht auch interessant sein kann. Der aktuelle Forschungsstand über das Sehvermögen der Stubentiger legt das zumindest nahe.

Lange ging man davon aus, dass Katzen die Welt in schwarz-weiß sehen. Doch das ist inzwischen widerlegt. Die neuesten Forschungserkenntnisse legen nahe, dass Katzen Rottöne nicht wie Menschen wahrnehmen, sondern eher in Graustufen. Blau und gelb hingegen erkennen Katzen offenbar gut, erklären Experten beispielsweise auf dem Ratgeberportal des Fachhändlers für Tierbedarf „Fressnapf“. Laut einiger Wissenschaftler sei ihr Sehvermögen vergleichbar mit einer menschlichen Rot-Grün-Schwäche. Da sich grüne Schattierungen, aus Blau und Gelb zusammensetzen, liegt die Vermutung nahe, dass sie Grüntöne im Gegensatz zu Rot wahrnehmen können. Weil die südkoreanische Animationsserie von Robben im Eis handelt, gibt es dort permanent jede Menge Blautöne zu sehen.

Das Sealook-Selbstexperiment

Ich habe eine inzwischen 16-jährige Katzendame, mit der ich den Trend ausprobiert habe. Das Fazit ist eher ernüchternd. Dazu sei gesagt: Sie hat durchaus schon Interesse am TV-Programm gezeigt, meistens aber dann, wenn echte Tiere zu sehen waren - und Alf (kein Scherz - offenbar weiß sie nicht, was Alfs Lieblingsspeise ist). Dokus, in denen Vögel, Hühner oder Fische und Frösche vorkommen, wurden bereits aufmerksam verfolgt. Doch die Kinderserie mit animierten wortlosen Robben im Eis wurde rund fünf Sekunden argwöhnisch beäugt, dann wurde entschieden, die Katzentoilette zu besuchen. Vielleicht war es dringend, dachte ich mir, also folgte ein weiterer Versuch, dieses Mal auf dem Laptop, direkt vor ihrer Nase. Experiment Nummer Zwei endete wie das Erste, nur ohne Klogang.

Ida
<p>Idas Begeisterung über die erzwungene Screentime hält sich in Grenzen.</p> © Saskia Muhs

Was - zumindest kurz - ihre Aufmerksamkeit erregt hat, waren die schnellen 3D-Animationen der Robben und die quietschenden Geräusche, die diese von sich gaben. Wenn etwas von links nach rechts durchs Bild flog oder eine Robbe eine zappelnden Fisch hielt, wurde kurz mal geschaut. Vermutlich, weil die hohen Kontraste vor dem arktischen Hintergrund die Bewegungen gut sichtbar gemacht haben und der natürliche Jagdinstinkt darauf angesprungen ist. In Bezug auf meine Katze gehe ich davon aus, dass für sie hauptsächlich das Interessant ist, was sie aus ihrem Leben kennt: Vögel kennt sie natürlich, Robben hingegen nicht, weshalb sich da die Begeisterung in Grenzen gehalten hat.

Serienmacher springen auf Trend auf

Doch wie die vielen Videos im Netz zeigen, scheint es auch Katzen zu geben, denen egal ist, ob sie Robben kennen oder nicht und die voll darauf anspringen. Das ist tatsächlich auch den Machern der Serie nicht entgangen: Sie sprangen auf den Katzen-Hype auf und erschufen eine Robbe mit der Nummer #012, die auch als „Kitty Seal“ bekannt ist. Diese verhält sich wie eine Katze: miaut und putzt sich und läuft Dingen hinterher. Der offizielle YouTube-Kanal der Serie hat sogar eine eigene „Sealook for Cats“-Playlist mit extralangen Zusammenschnitten extra für die Tiere veröffentlicht. Wer möchte kann den Trend also mit der eigenen Samtpfote ausprobieren: Schlimmstenfalls ist es ihnen egal - bestenfalls hat man eine kleine neue Beschäftigung für den Stubentiger.