
Im Sommer zieht es die Deutschen in Scharen an den Gardasee. Dabei gibt es in Norditalien einen See, der vieles bietet, was den großen Nachbarn so beliebt macht – nur eine Nummer kleiner und deutlich entspannter: den Iseosee in der Lombardei.
Wir waren Mitte August, also mitten in der Ferienzeit, selbst dort und haben schnell gemerkt: Wer gerne Rad fährt, wandert, badet und zwischendurch einfach in einem italienischen Ort am Wasser sitzen möchte, ist hier richtig. Vor allem aber lässt sich hier im Urlaub „il Dolce far niente“, also das süße Nichtstun, noch ohne den großen Touristentrubel zelebrieren.
Im Strandbad in Sassabanek direkt bei Iseo bot sich uns hier noch das authentische, italienische Leben. Abends sitzen Einheimische mit ihrem mitgebrachten Essen am Seeufer, mehrere ältere Herren und Damen treffen sich direkt am Wasser zum Kartenspielen und irgendwo fällt ein lautes „Francesco!“, während sich daneben angeregt auf Italienisch unterhalten wird. Hier fühlten wir uns auf Anhieb wohl.
Kleine Orte und eine große Insel
Der Iseosee liegt zwischen Bergamo und Brescia. Rund um das Ufer verteilen sich Orte wie Iseo, Lovere, Pisogne und Sarnico. Dazu kommt die große Attraktion mitten im See: Monte Isola. Die Insel ist autofrei und lässt sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. (Die Mitnahme von Fahrrädern ist in der Hochsaison allerdings nicht immer möglich, weitere Infos finden sich hier.) Eine rund 9,4 Kilometer lange Route führt einmal um Monte Isola. Wer mehr Kondition mitbringt, kann auch zum Heiligtum Madonna della Ceriola hinaufsteigen. Von oben bietet sich ein weiter Blick über den See.
Iseosee entpuppt sich als Paradies für Radfahrer: Ein Highlight ist diese Uferstraße
Besonders gut lässt sich die Region mit dem Fahrrad entdecken. Rund um den See gibt es zwar durchaus anspruchsvolle Abschnitte, weil die Berge teilweise direkt bis ans Ufer reichen. Dafür warten auch einige wunderbar entspannte Strecken.
Ein Highlight ist die alte Uferstraße zwischen Vello und Toline. Die ehemalige Straße ist heute für Radfahrer und Fußgänger geöffnet und führt über mehrere Kilometer direkt am Wasser entlang. Mehr Details finden sich auf der Tourismuswebsite Visit Brescia. Die Route ist weitgehend flach und verläuft teilweise durch kurze Tunnel. Autos bleiben draußen.
Auch einmal den kompletten Iseosee mit dem Radl zu umrunden, ist problemlos möglich. Hin und wieder muss man sich auf den insgesamt 65 Kilometern die Straße aber mit den Autos teilen.
Wer gerne länger unterwegs ist, kann außerdem auf größere Radrouten der Region ausweichen. Die Ciclovia dell‘Oglio führt über rund 280 Kilometer von den Bergen bis in die Ebene und passiert dabei auch den Iseosee und die Franciacorta.
Wandern mit Blick auf den Iseosee: zahlreiche Möglichkeiten
Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, findet ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten. Rund um den See führen Wege in die Berge, von denen sich immer wieder Blicke auf das Wasser öffnen.
Ein besonderes Ziel sind die Pyramiden von Zone oberhalb des östlichen Seeufers. Dabei handelt es sich um ungewöhnliche, durch Erosion entstandene Fels- und Erdformationen. Ein Rundweg führt laut Visit Brescia durch das entsprechende Naturschutzgebiet. Auch Monte Isola, die bewohnte Insel mitten im Iseosee, lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden, so Visit Monte Isola.
Und natürlich: italienisches Dolce Vita
Auch wer nach einem aktiven Tag lieber langsam macht, findet rund um den See zahlreiche Möglichkeiten. Die Örtchen Iseo, Lovere, Pisogne oder Sarnico liegen direkt am Wasser und laden dazu ein, einfach ein bisschen herumzuschlendern oder sich ein leckeres Eis oder gute Pasta zu gönnen.
Am südlichen Ende des Sees liegt zudem die Franciacorta, eine bekannte Weinregion. Ebenfalls dort befinden sich die Torbiere del Sebino, ein geschütztes Feuchtgebiet mit zahlreichen Vogelarten.
Fazit: Warum also nicht einmal Iseosee?
Mein persönlicher Eindruck: Der Iseosee muss sich hinter seinem berühmten Nachbarn keineswegs verstecken. Er ist kleiner und bietet natürlich nicht die gleiche touristische Infrastruktur wie der Gardasee. Wer große Ausflugsziele, Freizeitparks oder ein besonders umfangreiches Wassersportangebot sucht, ist am Gardasee wahrscheinlich besser aufgehoben. Wer aber Seenurlaub in Italien mit Radfahren und Wandern verbinden möchte und dabei etwas mehr Ruhe und italienisches Lebensgefühl sucht, sollte den Iseosee auf jeden Fall auf die Reiseliste setzen.



