Berlin - Mehr als zwölf Millionen Menschen besuchen jedes Jahr Berlin. Einer, der immer dort sein darf, ist NN-Hauptstadtkorrespondent Harald Baumer. In dieser Kolumne führt er Sie an seine ganz persönlichen Lieblingsorte.

Es war ein genialer Coup, das muss man Wilhelm Voigt zugestehen. Auch wenn er damit eine Straftat begangen hat. Am 16. Oktober 1906 zog sich der arbeitslose Schuster eine Hauptmannsuniform an, deren Einzelteile er gebraucht gekauft hatte, stelle einige Soldaten unter seinen Befehl, die ihm zufällig über den Weg liefen und schnappte sich „auf Befehl des Kaisers“ im Rathaus von Köpenick die Stadtkasse mit 3558 Mark. Er ließ sogar eine Empfangsquittung zurück.

Die Geschichte des Hauptmanns von Köpenick ging um die Welt, wurde Roman- und Filmstoff. Heute erinnert unmittelbar am Tatort, also im Rathaus von Köpenick, eine kleine Ausstellung an das legendäre Verbrechen. Seit einem Jahr sind in einigen Räumen im Erdgeschoss der originale Tresor aus der Kaiserzeit, ein Muster seiner Uniform und viele Dokumente zu besichtigen.

Tresor Rathaus Köpenick
<p>Ein Blick in den originalen Tresor des Köpenicker Rathauses aus der Zeit des Hauptmanns. Er ist heute so leer wie damals, als Wilhelm Voigt abmarschiert war.</p> © Harald Baumer, VNP

Das prächtige Rathaus im Stil der Backsteingotik ist einen Blick wert. Wer schon mal hier ist, der sollte unbedingt auch am Fluss Dahme entlang spazieren, der die historische Altstadt einrahmt.

Wie komme ich hin: Mit der S-Bahn-Linie 3 bis zur Station Köpenick. Von dort führen die Buslinien 164 und 27 zum Rathaus. Oder man geht die eineinhalb Kilometer zu Fuß und lernt dabei die Stadt ein wenig kennen.