
Nach rund einem halben Jahrhundert sind vierzig Kilogramm Sand nach Is Arutas auf Sardinien (Italien) zurückgekehrt: Es war ein Versprechen von Silivia Ferrari an ihre Mutter, diesen eines Tages an seinen Ursprungsort zurückzubringen. „Ich war etwa 15 Jahre alt, als wir während eines Urlaubs im Wohnwagen Is Arutas entdeckten und davon begeistert waren“, sagt Ferrari gegenüber Südtirol News. In den 1970er Jahren entdeckte die Familie dem Bericht zufolge den berühmten Strand Is Arutas an der Westküste Sardiniens.
Fasziniert von den Quarzkörnern, die vom Meer rundgeschliffen sind, hätten Ferraris Eltern beschlossen, gleich mehrere Eimer davon als Erinnerung mit nach Hause, nach Norditalien, zu nehmen. Zu dieser Zeit gab es weder ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein noch die heutigen strengen Schutzvorschriften, wie Südtirol News berichtet. Und so wurde der Sand Teil des Gartens der Familie und blieb es jahrzehntelang.
Doch irgendwann habe die Mutter der Familie, Valerie, erfahren, dass die Entnahme verboten ist und dem Küstenökosystem schadet. Seitdem wünschte sie sich, den Sand zurück zum Strand Is Arutas zu bringen. Doch sie selbst sollte nicht mehr dazu kommen: „Bevor sie starb, hatte sie mich mehrmals gebeten, nach Sardinien zurückzukehren, um das zurückzugeben, was sie mitgenommen hatte“, erzählte Silvia Ferrari gegenüber Südtirol News.
Nun hat sie ihrer Mutter diesen Wunsch erfüllen können: In Begleitung von Massimo Marras, Leiter des Meeresschutzgebiets Sinis, setzte sie das Vorhaben um. Für die sardische Gemeinde Cabras, zu der der Strand Is Arutas gehört, hat diese Rückgabe eine besondere Bedeutung, eine, die über die reine Wiederbeschaffung des Sands hinausgeht: „Im Namen der Gemeindeverwaltung und unserer Bürgerinnen und Bürger möchte ich Frau Silvia Ferrari dafür danken, dass sie den Wert dieser Geste erkannt hat“, sagte Umweltdezernent Carlo Carta Südtirol News zufolge. „Den Sand zurückzugeben, auch nach so vielen Jahren, bedeutet anzuerkennen, dass das Naturerbe allen gehört und dass jeder die Verantwortung hat, es zu schützen.“
Sand als Andenken mitnehmen? Auf Sardinien verboten - hohe Strafen drohen
In den vergangenen Jahren haben Urlauberinnen und Urlauber demnach immer wieder tonnenweise Sand und Steine als „Souvenir“ von den Stränden Sardiniens mit nach Haus genommen - trotz Verboten und hohen Strafen. Doch das schadet den Stränden und der marinen Ökologie schwer. „Jede Rückgabe ist ein wichtiges Zeichen für das wachsende kollektive Umweltbewusstsein. Wir hoffen, dass diese Geschichte auch denen als Vorbild dienen kann, die noch Sand oder andere natürliche Elemente aus unseren Stränden aufbewahren. Was Silvia Ferrari getan hat, war einerseits die Erfüllung eines Versprechens gegenüber ihrer Mutter, andererseits aber auch eine schöne Geste des Respekts gegenüber einem einzigartigen Ort mit starkem symbolischem Wert, der dazu beiträgt, die Kultur des Umweltschutzes zu verbreiten“, so Umweltreferent Carta dem Bericht zufolge weiter.
Ganz so einfach wie in den 1970er-Jahren ist das Sammeln von Sand auf Sardinien heute aber ohnehin nicht mehr. Etwa an Flughäfen und an den beliebten Stränden kontrollieren Behörden regelmäßig das Gepäck von Urlauberinnen und Urlaubern. Wer sich nicht an die Regeln hält und erwischt wird, muss zahlen. Die Mitnahme von Sand kann auf Sardinien teuer werden: Das Regionalgesetz sieht Bußgelder zwischen 500 und 3000 Euro vor. Wer größere Mengen entnimmt, muss sogar mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.