Nürnberg - Schrittweise will der VGN seine Tickets digitalisieren. Angebote wie Streifenkarten fallen dann weg. Die Fraktion von Grünen und Volt im Nürnberger Stadtrat kritisiert das und warnt vor Folgen für Grundschulkinder.

Weg von Papiertickets, Bargeld und Ticketautomaten hin zu einem rein digitalen Ticketangebot - das ist der Plan des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN). Dahinter steckt eine große Reform beim VGN. Das hat Auswirkungen für Menschen, die weder Smartphone noch Geldkarte besitzen - unter anderem Grundschulkinder.

Für diese entsteht „eine praktische Lücke“, schreibt die Fraktion aus Grünen und Volt im Nürnberger Stadtrat in einem Antrag. Streifenkarten, 4er-Karten und Entwerter sollen ab dem kommenden Jahr wegfallen. Damit werde es für Kinder deutlich schwieriger, Bus und Bahn selbstständig zu nutzen - etwa auf dem Weg zum Schwimmunterricht, zum Sportverein, zu Freundinnen und Freunden oder zu anderen Freizeitangeboten. „Die Tarifreform darf nicht dazu führen, dass ihre eigenständige Mobilität eingeschränkt wird“, so die Fraktion.

Der VGN betont, dass Mehrfahrtenkarten auch im kommenden Jahr zunächst erhalten bleiben. Wann genau 4er-Tickets und Streifenkarten verschwinden, steht laut einer Sprecherin des Verkehrsverbunds noch nicht fest. In einer Pressemitteilung kündigt der VGN zwar eine Verschlankung des Ticketangebots im Laufe des Jahres 2027 an, ein konkreter Zeitpunkt für die Abschaffung der Mehrfahrtenkarten sei bislang aber „nicht bekannt und beschlossen“, so die Pressesprecherin.

Auch nach deren Wegfall sollen Fahrgäste zunächst weiterhin Einzelfahrscheine und Tagestickets an Automaten sowie bei Busfahrerinnen und Busfahrern kaufen können. Wann der Verkauf von Papiertickets komplett eingestellt wird, ist ebenfalls noch offen. Fest steht jedoch: Sobald der Vertrieb vollständig digitalisiert ist, wird ein Ticketkauf mit Bargeld nicht mehr möglich sein.

Der Umbau des Vertriebssystems soll nach Angaben des VGN schrittweise über mehrere Jahre erfolgen. Bis 2030 wolle der Verkehrsverbund „entscheidende Schritte“ auf dem Weg zu einem vollständig digitalen Ticketangebot umgesetzt haben.

Maßgebliche Triebkraft dieser Entwicklung ist laut VGN das veränderte Mobilitätsverhalten - zum einen durch die Corona-Pandemie und zum anderen durch die Einführung des Deutschlandtickets. Der Verkauf von 4er-Tickets hat sich seit 2019 halbiert, bei den 10er-Streifenkarten beträgt der Rückgang sogar 75 Prozent, so die Pressesprecherin des VGN. Die Mehrfahrtenkarten machen nur knapp drei Prozent der gesamten Fahrgeldeinnahmen aus.

Gerade die 4er-Tickets und Streifenkarten würden jedoch hohe Vertriebskosten verursachen. In Fahrzeugen und an Haltestellen gibt es rund 3400 Entwerter-Geräte, die betrieben, gewartet und zum Teil erneuert werden müssen.

Alternative Ticket-Lösungen werden intern diskutiert

Dennoch: Auch der VGN sieht das Problem, dass der Wegfall von Mehrfahrtenkarten Veränderungen für bestimmte Gruppen - etwa Grundschulkinder - mit sich bringt: „Selbstverständlich arbeiten wir an Lösungen, die Ticketerwerbs- und Bezahlmöglichkeiten für alle Kundengruppen - auch jene ohne Smartphone und Geldkarte - bieten“, schreibt die Pressesprecherin. Wie diese konkret aussehen werden, könne der VGN heute jedoch noch nicht beschreiben.

Auch die Stadt Nürnberg betont, dass bei der Tarifreform „alle mitgenommen“ werden müssen. Grundsätzlich unterstütze die Stadt aber die Ideen des VGN zu den Anpassungen im Ticketsystem. Möglichkeiten für eine alternative Ticket-Lösung werden laut einer Pressesprecherin der Stadt momentan intern diskutiert.

Die Fraktion aus Grünen und Volt im Stadtrat schlägt in ihrem Antrag vor, Grundschulkinder im Nürnberger Stadtgebiet kostenfrei zu befördern. Die Stadt Nürnberg übernimmt bereits Kosten der Beförderung unter bestimmten Bedingungen: für Grundschulkinder beispielsweise, wenn der „einfache Fußweg zur nächstgelegenen zuständigen Schule mehr als zwei Kilometer beträgt“, so die Stadt gegenüber unserer Redaktion.

Auch junge Menschen, die bislang keinen Anspruch auf eine Kostenübernahme für den Schulweg haben, sollen eigentlich künftig in Nürnberg kostenlos Bus und Bahn fahren können. In der Kooperationsvereinbarung von CSU und SPD in Nürnberg ist die Einführung eines kostenlosen Schülertickets für alle Schülerinnen und Schüler bis einschließlich der 10. Jahrgangsstufe vorgesehen. Konkret geworden ist das Vorhaben bislang allerdings nicht. Nach Angaben der Stadt fehlen sowohl ein tragfähiges Finanzierungskonzept als auch vertiefte Gespräche mit der VAG. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage sei deshalb derzeit nicht mit einer zeitnahen Einführung zu rechnen.