Nürnberg - Ein einsames, seltsames Haus in den Bergen, seltsame Vorfälle, ein gestohlenes Bild und ungeklärte Mordfälle: Agatha Christie? Nein, Yukito Ayatsuji!

2026 jährte sich der Todestag der legendären Krimiautorin Agatha Christie zum 50. Mal. Mit ihren Ermittlerfiguren Hercule Poirot und Miss Marple hat sie die Kriminalliteratur nachhaltig geprägt. Und das weit über die Grenzen westlicher Literatur hinaus.

Wenn man denn überhaupt eine solche Unterscheidung in westliche und östliche Literatur vornehmen möchte, denn damit schert man schon diverse Kulturkreise über einen Kamm. Jedenfalls haben Bücher aus Fernost einen ganz eigenen Flair.

Und dieser Flair trifft in den Büchern von Yukito Ayatsuji auf den klassischen Detektivroman à la Agatha Christie. „Die Toten in der Wassermühle“ ist der zweite Band der „Bizarren Häuser“-Reihe und in Japan bereits absoluter Kult.

„Die Toten aus der Wassermühle“ von Yukito Ayatsuji

Das Mühlenhaus liegt sehr abgelegen, den Hausherren als exzentrisch zu bezeichnen, wären eine Untertreibung. Nach dem Tod seines Vaters, einem gefeierten Künstler, hat Fujinuma Ki‘ichi das beträchtliche Familienvermögen benutzt, um das Mühlenhaus zu bauen und sämtliche Werke seines Vaters zurückzukaufen.

Seit einem Unfall verbirgt Ki‘ichi sein Gesicht hinter einer Maske. Nicht einmal seine Ehefrau, die viel jünger ist als er und zuvor als Mündel im Haushalt gelebt hatte, bekommt sein wahres Gesicht zu sehen. Auch die Werke seines Vaters hält Ki‘ichi weitestgehend unter Verschluss. Nur einmal im Jahr lädt er eine ausgewählte Gruppe ein, um die Galerie zu präsentieren.

Zu einer dieser Gelegenheiten überschlagen sich die Ereignisse: An nur einem Tag stürzt die Haushälterin vom Balkon und später wird Ki‘ichis einziger Freund von einem seiner Gäste ermordet, der daraufhin spurlos verschwindet.

Ein Jahr später würde Ki‘ichi am liebsten den Besuch absagen, keiner der Bewohner des Mühlenhauses hat die Ereignisse wirklich verarbeitet. Doch nicht nur die verbliebene Gruppe kommt wie jedes Jahr zusammen, auch Shimada Kiyoshi kommt unerwartet zum Mühlenhaus.

Er glaubt nicht an die offizielle Version der Geschehnisse aus dem Vorjahr. Der verschwundene, vermeintliche Täter war ein Freund aus seiner Kindheit. Und seltsame Mordfälle sind spätestens nach den „Morden im Dekagonhaus“ (Band 1 der Reihe) seine Spezialität.

„Die Toten in der Wassermühle“

von Yukito Ayatsuji

  • übersetzt von Sabrina Wägerle
  • 336 Seiten
  • Limes
  • ISBN: 978-3-8090-2800-0
  • 22 Euro

„Die Toten in der Wassermühle“: Ein Krimi in bester Agatha-Christie-Manier

„Eine Verbeugung vor Agatha Christie“ schrieb die New York Times über das Buch von Yukito Ayatsuji. Viel besser hätte man es nicht treffen können. Schon, wenn man dieses Buch aufschlägt und einem der genaue Grundriss des Mühlenhauses präsentiert wird, dürften sich Fans des Genres an „Das fehlende Glied in der Kette“ erinnert fühlen. In diesem Buch, welches gleichermaßen das Debüt von Agatha Christie und ihrem Ermittler Hercule Poirot darstellt, steht der Lageplan zwar nicht ganz am Anfang, ist aber dennoch ein wichtiger Teil Poirots Ermittlungsmethode.

Generell springen einem die Parallelen nur so entgegen. Das ganze Setting, ein abgelegenes Haus in den Bergen, ein exzentrischer Hausherr, die junge Ehefrau, die abseits jeglicher Zivilisation aufwuchs, der Butler und die Gäste - das alles könnte genauso gut von Agatha Christie stammen.

Was wiederum nicht bedeutet, dass Yukito Ayatsuji nicht mit unerwarteten Wendung spielen kann. Vielmehr spielt er mit dem Genre selbst. Und selbst wenn man noch so viele Detektivromane gelesen hat: Der Ausgang dieser Geschichte ist dennoch eine Überraschung.

Ein unbedingter Buchtipp für alle Fans des klassischen Detektivromans.