Nürnberg - Wer kennt es nicht: Auf der Karte stehen zig leckere Speisen und man will sich nicht entscheiden. Das geht bei die Kugel ohne Probleme - solange man genug Begleitung hat und gewillt ist, zu teilen.

Gastronom Philip Ezel, der seit einigen Jahren die Westbar in Johannis betreibt, und seine Partnerin Sina Degirmenci begrüßen mich in einem der Lagerräume in der Wiesentalstraße zwischen ihrem neuen Restaurant Die Kugel und der Westbar.

Die Hausnummer 1 beherbergt Die Kugel mit österreichisch-deutscher Küche, eine Tür weiter eröffnet Degirmenci eine Eisdiele - namentlich die Eiskugel - und auch für ihren gemeinsamen Lagerraum haben die beiden Gastronomen natürlich einen passenden Namen: Kugellager.

Ezel muss sich noch kurz um das Altglas kümmern, deshalb zeigt mir die 34-Jährige, die eigentlich im Marketing arbeitet, ihre „Schnapsidee“. Sie habe schon in so gut wie jedem Bereich gearbeitet, „außer in einer Eisdiele“, gibt die studierte Psychologin lachend zu.

Ihr Anspruch für die kleine Fläche ist hoch. Die Qualität ihres Eises ist ihr wichtig, daher will sie auch erst nächstes Jahr vielleicht damit anfangen, selbst Eis herzustellen - dieses Jahr setzt sie auf eingekauftes Bio-Bauern-Eis.

Langweilig wird es deshalb aber keineswegs: Neben den Klassikern plant Degirmenci auch mit „Aperol-Eis“ und „Lambrusco-Slush“ - Eissorten für Erwachsene.

Philip Ezel liebt Wien. Das gibt er auch offen zu. Gemeinsam mit seinem Schwager aus Wien entwickelte er daher das Konzept hinter die Kugel: eine Mischung aus Abendbrot, Klassikern und der Wiener Ausgeh-Kultur.

Sein Fokus liegt hierbei wie auch bei seinen bisherigen Projekten, namentlich der Westbar und der K&U Weinhalle, auf hochwertigen Produkten. Er möchte „Johannis so gestalten, wie es einem selbst gefällt“.

Apropos wie es einem selbst gefällt - „Dieses mein Teller, dein Teller muss weg“, findet der 31-jährige, „dann kommt man auch viel besser ins Gespräch“. Diese Einstellung ist maßgeblich für das Erlebnis in seinem neuen Restaurant: Die Kugel hat ein Sharing-Konzept - heißt, man bestellt mehrere kleine Teller und teilt die Speisen.

Insgesamt funktioniere das auch einwandfrei, nur bei „etwa 20 Prozent kommt das Konzept noch nicht so ganz an“, führt der Gastronom weiter aus. Doch auch davon lässt sich Ezel nicht beirren. Er hält fest an der Idee eines „Abendbrots zum Teilen“, weil es schön sei, alles probieren zu können und - „weil man das in Wien auch so macht“.

Und dennoch kann man die Kugel auch besuchen, wenn man keine Lust aufs Teilen hat: Mittags gibt es Einzelportionen, auch wenn Ezel das Teilen für „eine viel schönere Esskultur“ hält, von der man sich in Deutschland ein wenig mehr abschauen könne.

Die Öffnungszeiten sind aktuell donnerstags bis montags, je mittags 11.30 Uhr bis 14 Uhr und abends 17.30 Uhr bis 22 Uhr. Ezel erklärt, er führe nebenbei die Westbar und ein weiteres Restaurant sei überhaupt nur durch die räumliche Nähe möglich gewesen.

Daher seien auch neue Projekte erstmal unwahrscheinlich - es sei denn, sie finden ein neues Wortspiel mit „Kugel“ - doch bis dahin „sind mir meine Dienstage heilig“, so der Gastronom. Es sei ihm gegönnt, auch er muss mal eine ruhige Kugel schieben können.