
Matt Dinniman hat sich von einem Kerl, der von der Pandemie hart getroffen wurde, zu jemandem entwickelt, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, alberne Geschichten über eine sprechende Katze zu schreiben. So beschreibt er sich zumindest selbst in den Danksagungen am Ende von Band 1 der Erfolgs-Reihe„Dungeon Crawler Carl“. Und verkauft sich damit enorm unter Wert.
Die Reihe hat international eine riesige Fangemeinde gewonnen, im englischsprachigen Original kam 2026 schon der achte Band heraus. Die deutschen Übersetzungen hinken etwas hinterher. Am 24. Juni 2026 erst kam Band 2 in die Buchläden, der Platz auf der kommenden Bestsellerliste ist schon reserviert.
Aber kann der zweite Band mit dem Auftakt der Reihe mithalten? Worum geht es in „Carl‘s Doomsday Scenario“?
„Carl‘s Doomsday Scenario“: Der rasante zweite Band
Carl und Donut haben einen wichtigen Zwischenschritt gemeistert: Sie haben die Trainingsphase überstanden und die dritte Ebene des Dungeons erreicht. Dafür gibt es ein paar Achievements, etwas Loot und die Möglichkeit, eine neue Ethnie und Klasse zu wählen, mit diversen einhergehenden Vorteilen, ganz wie im Computer-Rollenspiel. Was nicht etwa heißt, dass es jetzt einfacher für die beiden wird.
Noch immer kämpfen sie um ihr Überleben, noch immer muss sich Carl ohne Hosen durch den Dungeon schlagen, noch immer wurde er von der Spiele-KI Prinzessin Donut unterstellt, einer sprechenden Perserkatze, die mit ihren Augen Laser schießen kann. Zur Hilfe steht ihnen immer noch ihr Mentor Mordecai, der bald zu ihrem Manager wird, in seiner neuen Gestalt aber nicht ansatzweise so viel verträgt, wie sein Durst hergibt.
Natürlich werden die gegnerischen Mobs, denen die beiden begegnen, immer tödlicher und mächtiger. Neu auf der neuen Ebene ist aber, dass die beiden nun Quests annehmen können. Wodurch sie sich bald mit einem Zirkus voller Untertoter anlegen und ein Rätsel um tote Prostituierte, arrogante Himmelsvögel, fliegende Gehirne mit baumelnden Eingeweiden und einen abgedrehten Elfenkult lösen. Der ganz normale Wahnsinn also, der wohl jetzt den Alltag für Carl und Donut darstellt.
„Carl‘s Doomsday Scenario“
von Matt Dinniman
- übersetzt von Ruggero Leo
- 448 Seiten
- FISCHER Tor
- ISBN: 978-3-596-71249-6
- 18 Euro
Was kann Band 2 von „Dungeon Crawler Carl“?
„Carl‘s Doomsday Scenario“ ist eine rundum gelungene Fortsetzung des ersten Teils. Matt Dinniman stellt sein Licht deutlich unter den Scheffel mit seiner eingangs erwähnten Aussage, denn die Reihe ist weit mehr als alberne Geschichten über eine sprechende Katze. Also, nicht falsch verstehen: Es gibt natürlich diverse Albernheiten um die sprechende Katze, keine Sorge also an dieser Stelle.
Aber wie schon „Dungeon Crawler Carl“ hält auch der zweite Band uns einen Spiegel vor und ist nicht nur ein actiongeladenes LitRPG, sondern auch eine Gesellschafts- und Mediensatire. In diesem Kontext bietet „Carl‘s Doomsday Scenario“ zwar nichts Neues im Vergleich zu Band 1, führt die Thematik aber gelungen fort.
Gleichzeitig geht das Buch im Hinblick auf die Fantasy-Handlung den nächsten logischen Schritt und wird damit dem Status eines LitRPGs, also eines Computer-Rollenspiels in Buchform, absolut gerecht.
Alles in allem ist „Carl‘s Doomsday Scenario“ noch ein Stück weit rasanter als Band 1. Wir erfahren zwar wieder einiges Neues über den Hintergrund und wie das Spiel, in das Carl und Donut da geraten sind, funktioniert, müssen uns in dieser Welt aber nicht komplett neu zurechtfinden. Was Platz lässt für großartige Action und Spannung.
Was jetzt schon klar wird: Die Bücher der Reihe bauen aufeinander auf. „Carl‘s Doomsday Scenario“ macht wesentlich mehr Spaß, wenn man Band 1 der Reihe zuvor gelesen hat. Wer das also bis jetzt versäumt hat: Ran an die Seiten, der Dungeon erwartet euch! Denn wer auf Fantasy steht, darf sich diese Reihe nicht entgehen lassen.


