
Erst vor wenigen Tagen kündigte die Deutsche Bahn (DB) an, das internationale Streckennetz ausbauen zu wollen. Europäische Metropolen, wie Prag oder Paris, und auch das Meer sollen für Reisende so regelmäßiger erreichbar sein.
Nun kündigt sich eine weitere Veränderung für Bahnreisende an. Immer wieder wird kritisiert, dass die Deutsche Bahn insbesondere im Fernverkehr de facto keine Konkurrenz hat. Damit fehlt mitunter ein Anreiz zur Qualitätssteigerung, da sich der Staatskonzern kaum gegen direkte Mitbewerber durchsetzen muss. Doch das könnte sich nun ändern.
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wollen gleich zwei Unternehmen die DB unter Druck setzen. Schon jetzt sind auf den Schienen in Deutschland neben den Zügen der Deutschen Bahn Fahrzeuge von Flix in ihrem ikonischen Grün zu sehen. Das Münchner Unternehmen fokussiert sich derzeit vor allem auf die Verbindungen zwischen großen Städten, darunter Strecken zwischen Leipzig und Berlin oder zwischen Köln und Hamburg. Insgesamt ist das Angebot aber bisher wenig flächendeckend, sodass häufig die Deutsche Bahn die einzige Beförderungsoption darstellt. Aber das soll sich ändern.
Wie unter anderem der Spiegel berichtet, plant Flix kurzfristig eine Verdopplung des Angebots. So sollen 2027 beispielsweise Züge im Zwei-Stunden-Takt zwischen Berlin und Hamburg verkehren. Ab dem Sommer 2028 sollen neue Züge für eine weitere Verdichtung im Netz sorgen. Profitieren soll dann laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) auch der Freistaat Bayern. Die grünen Flix-Züge sind dort bisher eine Seltenheit. Künftig soll es aber Verbindungen von und nach München geben. Über konkrete Strecken ist noch nichts bekannt.
Deutsche Bahn soll Konkurrenz bekommen: Droht dann der Kollaps auf der Schiene?
Und damit nicht genug. Weitere Konkurrenz soll die Deutsche Bahn aus dem Nachbarland Italien bekommen. Der Anbieter Italo will 30 neue Züge auf 56 täglichen Verbindungen einsetzen, darunter auch auf der Strecke München-Berlin-Hamburg. Doch die Deutsche Bahn will das offenbar nicht kampflos hinnehmen. Italo fordert Berichten unter anderem von der Frankfurter Allgemeinen und des RND zufolge mehrjährige Garantien für die Nutzung wichtiger Trassen. Die DB InfraGo sieht darin allerdings eine strukturelle Bevorzugung eines neuen Marktteilnehmers. Zudem warnt die DB, dass es im ohnehin überlasteten Schienennetz mit weiteren Anbietern noch enger werden könnte. Schon jetzt kommt es aufgrund des überlasteten Netzes und wegen Baustellen zu zahlreichen Verspätungen.
Seit 2017 vergibt die DB InfraGo keine langfristigen Rahmenverträge mehr. Stattdessen werden die Trassen über jährlich konzipierte Regelfahrpläne vergeben. Die DB InfraGo erteilt hierfür die Genehmigungen. Die Bundesnetzagentur muss nun eine Entscheidung treffen, ob Italo langfristige Zusagen gewährt werden sollen. Mitte Juni könnte ein Entschluss hierzu fallen. Spätestens ab dem Jahr 2031 muss die DB InfraGo gemäß einer EU-Verordnung in jedem Fall Trassen über mehrere Jahre vergeben.
Bahnreisende könnten künftig also mehr Auswahl bei ihrer Buchung haben. Die verstärkte Konkurrenz könnte sich bei den Ticketpreisen bemerkbar machen. Ob es auch in Sachen Pünktlichkeit zu einer positiven Veränderung kommen wird oder es gar noch mehr Verspätungen gibt, bleibt aber vorerst offen.
Bereits geeinigt hat sich die Deutsche Bahn unterdessen mit dem italienischen Betreiber Trenitalia. Ab 2027 soll es Verbindungen von München nach Mailand und Rom geben.


