Mainz - Das ZDF hat eine Doku über die Bahn ausgestrahlt - und die ist gar nicht begeistert. Nach zwei erzwungenen Korrekturen will der Konzern den Film jetzt komplett aus der Mediathek löschen lassen. Der Sender sagt: Nein.

Dunja Hayali fährt mit dem ICE, spricht mit Lokführern, mit Politikern, mit der Bahnchefin persönlich - und kommt dabei zu einem wenig schmeichelhaften Befund: Die Deutsche Bahn ist unpünktlich, technisch veraltet und an manchen Stellen womöglich sogar gefährlich. So zumindest das Bild, das die ZDF-Dokumentation „Am Puls mit Dunja Hayali - Unsere Bahn: geliebt, verflucht - gefährlich?“ zeichnet, die am 21. Juli zur Primetime ausgestrahlt wurde.

Der Konzern sieht das nicht nur anders, sondern geht auch juristisch gegen den Sender vor: Bereits am Tag der Ausstrahlung verschickte die Deutsche Bahn laut FAZ eine Abmahnung. Das ZDF gab daraufhin eine Unterlassungserklärung ab und korrigierte zwei Grafiken in der Doku: In einer war die Zahl der digitalen Stellwerke fälschlicherweise mit null angegeben worden, richtig seien drei. In einer zweiten Grafik zum Pünktlichkeitsvergleich mit Belgien wurde das Wort „Fernverkehr“ in „Personenverkehr“ geändert, weil sich die Passage auf das gesamte belgische Streckennetz bezog, nicht nur auf den Fernverkehr. Die Bahn hatte dem ZDF vorgeworfen, damit „Kirschen mit Kürbissen“ zu vergleichen, wie es in einem Blogbeitrag des Konzerns hieß. Doch damit ist die Sache nicht erledigt.

Wie die FAZ berichtet, hat der Konzern das ZDF inzwischen aufgefordert, die Dokumentation entweder vollständig offline zu nehmen oder in weiteren Teilen umfangreich zu überarbeiten, denn - so der Vorwurf - entlastende Fakten sollen „nahezu vollständig verschwiegen“ worden sein. So werde etwa nicht erwähnt, dass allein 2025 laut Bahn 64 Stellwerke digitalisiert worden seien, mehr als zehn Milliarden Euro für den weiteren Ausbau bereitstünden und bis Ende 2026 ein verbindlicher Rollout-Plan für die digitale Zugsteuerung im gesamten Schienennetz vorliegen solle. Ein Bahn-Sprecher betonte gegenüber der Bild, man habe „eine Unterlassungsverpflichtungserklärung erwirkt“ und weitere Punkte angegriffen, in denen die Berichterstattung „unvollständig war, sodass dem Zuschauer ein falscher Eindruck vermittelt wurde“.

Zur Untermauerung der Löschforderung beruft sich die Bahn auf aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs: Demnach kann auch eine unvollständige Berichterstattung rechtswidrig sein, wenn wesentliche Fakten weggelassen wurden und dadurch ein Zerrbild der Wirklichkeit entsteht.

„Keine inhaltlichen Mängel“

Das ZDF weist die Forderung zurück. Die Dokumentation sei „journalistisch sorgfältig recherchiert“ und bilde „verschiedene Perspektiven umfassend ab“, teilte eine Sendersprecherin mit. Auch Bahnchefin Evelyn Palla habe „ausführlich Gelegenheit zur Stellungnahme“ gehabt. Die aktuell in der Mediathek abrufbare Fassung weise „keine inhaltlichen Mängel auf“. Für weitere Anpassungen sehe man „keinen Anlass“.

Zum Vorwurf, die Stellwerke-Zahl sei falsch gewesen, hat das ZDF laut FAZ eine eigene Erklärung: Doku-Autor Sebastian Bellwinkel habe sich bei der Bahn eigens nach der Zahl der digitalen Stellwerke erkundigt und sei dabei auf eine Statistik verwiesen worden, in der keine digitalen Stellwerke vermerkt gewesen seien.

Wie der Streit ausgeht, ist offen. Einigen sich Bahn und ZDF nicht, könnte am Ende ein Gericht entscheiden, ob die Hayali-Doku in der Mediathek bleibt oder nicht.