Nürnberg - Die Nürnberger Food-Meile an der Färberstraße bekommt wieder einmal Zuwachs: Mit Patio eröffnet ein Bagel-Spot mit süßen und salzigen Kringeln und jeder Menge Matcha- und Kaffeekreationen in der Jakobstraße 34.

Wenn man das neue Bagel-Café Patio inderJakobstraße betritt, wähnt man sich kurz in einem Spiegelkabinett. Fünf kleine metallene Tische stehen rechterhand in dem schmalen Gang. Auf der linken Seite spitzt zwischen den verspiegelten Wänden ein Tresen hervor, auf dem in großen weißen Lettern „Choose your Circle wisely“ steht. Der Tresen ist natürlich auch verspiegelt. Daneben geht eine leicht geöffnete Glastür zu einem kleinen rosa Innenhof ab, in dem eine abgerundete Bank steht und an dessen Wand einen das Patio-Logo anstrahlt.

Sie hätten „viele verschiedene Konzepte im Kopf gehabt“, erzählt Inhaber Emre Sari. Der 32-Jährige ist „so in die Gastro hineingerutscht“ und eigentlich Architekt. Daher floss einiges an konzeptioneller und handwerklicher Arbeit in das kleine Café. „Es ist eben ein sehr kleiner Raum“, führt er weiter aus, „da bringen die Spiegel einiges an Licht herein - und“, er pausiert kurz, „obwohl der Tresen an der linken Seite steht, kann man die Kunden, die hereinkommen, direkt sehen“.

Auch der Name des Bagel-Spots geht auf Saris Überlegungen zurück: Ein „Patio“, aus dem Spanischen zu Deutsch etwa „Hof“ oder „Innenhof“, ist ein oft in der südamerikanischen Architektur vorkommender kleiner Innenhof - oder manchmal auch nur Schacht - der als „Grüne Lunge“ für Luftventilation zwischen Innenhof und Fenster oder Tür zur Straße sorgt, erklärt der gelernte Architekt.

Und wahrlich: Trotz der schon recht sommerlichen Temperaturen weht bei leicht geöffneter Tür zum kleinen Hinterhof eine angenehme Brise durch den kleinen Laden in der Jakobstraße 34.

Bagels wie in New York

Da er Familie in New York habe, seien sie - er betreibt das Café gemeinsam mit seiner Partnerin Emilia Supke - recht schnell auf die Idee gekommen, Bagel anzubieten. Und die NYC-Einflüsse sind unverkennbar: Einen klassischer Lox-Bagel findet man auf der Karte, und die Kringel gibt es unter anderem mit dem amerikanischen Everything-Seasoning, also Sesam, Salz, Zwiebel- und Knoblauchflocken und Mohnsamen.

„Nürnberg hat Bagel in dieser Art halt noch nicht gehabt“, beschreibt Sari das „enorme gastronomische Potenzial“ in Nürnberg und seine Beweggründe weiter. Und - auch das muss er zugeben - es habe zeitlich schon sehr gut gepasst, dass die Bäckerei Feihl erst kurz zuvor eine Bagel-Maschine gekauft hatte. Wer „so in die Gastro reinrutscht, eröffnet eben auch ein Café, weil sich die lokale Lieferkette „eben sehr gut ergeben hat“.

Seit der Eröffnung Mitte März „kommen die Bagel wirklich gut an“, beschreibt der Gastronom zufrieden. Er habe die Location schon seit Mitte letzten Jahres angemietet, und sei froh gewesen, jetzt auch mit einem funktionierenden Konzept eröffnen zu können.

Inzwischen bietet das Patio ein Bagel-Catering an, das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf dem täglichen Mittagsgeschäft - wobei ihr Konzept auch bis 20 Uhr trage: Obwohl sie Alkohol vorrätig hätten und über eine Ausschank-Lizenz verfügen, „wollen die Menschen gar keinen Alkohol, sondern Matcha und Bagels bis 22 Uhr“, resümiert der 32-Jährige schmunzelnd über ihre Tests, auch einen Barbetrieb wochenends bis 22 Uhr in ihren Laden zu integrieren.

Die Food-Meile Färberstraße - inzwischen schon bekannt bis nach München

Zu ihrem direkten Umfeld, der Jakob- und Färberstraße, hat Sari eine klare Meinung: Immer wieder kämen Menschen beispielsweise aus München „nur wegen der Färberstraße“. Er findet, die „Food-Meile ist cool“. Inzwischen kennen, seinem Empfinden nach, auch immer mehr Touris und Messe-Besucher - vor allem natürlich über TikTok oder Instagram - das reiche gastronomische Angebot am Rand der Nürnberger Altstadt und kommen extra dafür dorthin.

Und trotz der international inspirierten Karte verfolgt das Patio auch einen klaren lokalen Anspruch: Neben den Bageln der Bäckerei Feihl beziehen sie Kaffee von der Nürnberger Rösterei Bergbrand, Kraftschluck Smoothies und Obst sowie Gemüse aus dem Knoblauchsland. Und nicht nur darauf gibt Sari acht, sondern wichtig ist ihm auch, dass der Bacon halal ist und sie auch glutenfreie Bagels im Angebot führen.

„Noch ist nichts spruchreif“, aber ein wenig Hoffnung macht sich der Gastronom schon, seinen Außenbereich auf der brachliegenden Baulücke neben seinem Café eventuell vergrößern zu können. Er läge perfekt vormittags und abends in der Sonne - den Verlauf kennt der Architekt natürlich genau - und böte neben weiteren Sitzmöglichkeiten auch noch ein wenig Biergartenflair direkt an der Färberstraße. Denn wenn es etwas gibt, das schöner ist als eine kleine Brise im Café, dann vielleicht doch ein Sundowner in einer warmen Sommernacht in einem Liegestuhl.