
OP-Kosten können schnell in die Tausende gehen. Wie viel Geld medizinische Behandlungen kosten, verliert man als Zweibeiner in Deutschland dank der Abdeckung durch Versicherungen schnell aus den Augen. Tierhalterinnen und Tierhalter werden anhand ihrer Tierarztrechnungen allerdings immer wieder daran erinnert. Insbesondere im Notfall können sehr hohe Behandlungskosten auf Frauchen und Herrchen zukommen. Eine Tierkrankenversicherung kann davor schützen. Bei der Auswahl gibt es jedoch einiges zu beachten.
Seit November 2022 gilt die neue Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT). Diese wurde erstmalig seit 1999 umfassend geändert, um zu gewährleisten, dass sich neuere medizinische Verfahren in der GOT finden und ein wirtschaftlicher Betrieb einer Tierarztpraxis möglich ist. Was für die Veterinäre von Vorteil ist, kann Tierbesitzer schnell an ihre finanziellen Grenzen bringen. Die Kosten für Tierarztbesuche sind seit der Neufassung der GOT laut Angaben der Bundestierärztekammer durchschnittlich um etwa 20 bis 33 Prozent gestiegen. Daher kann eine gute Tierkrankenversicherung wichtig und entlastend sein.
Doch wie bei vielen anderen Versicherungen auch, bieten die verschiedenen Anbieter auch unterschiedlichen Versicherungsschutz. Oftmals gibt es diverse Ausschlüsse und Leistungseinschränkungen, die man genau überprüfen sollte. Das Zentrum für Tiermedizin in Kelheim gibt auf seiner Webseite einige Tipps für den optimalen Versicherungsschutz des Vierbeiners, die wir im Folgenden zusammengefasst haben.
OP-Versicherung und Krankenvollversicherung
Grundsätzlich wird meist zwischen zwei Versicherungsformen unterschieden. Während die OP-Versicherung ausschließlich Operationskosten deckt, beinhaltet eine Krankenvollversicherung sowohl Behandlungskosten als auch Operationskosten.
Der aus dem TV bekannte Hundetrainer, Moderator und Buchautor Martin Rütter empfiehlt auf seiner Homepage mindestens die Abdeckung von OP-Kosten, chronischen Krankheiten, rassespezifischen Erkrankungen und Zahnbehandlungen, um die kostspieligsten Gesundheitsbehandlungen abgedeckt zu wissen.
Beitragshöhe
Der Versicherungsbeitrag ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren, wie zum Beispiel dem Alter des Tieres, Rasse, Gewicht und Vorerkrankungen. Dabei gilt oft ein Mindest- als auch ein Höchstalter zum Abschluss einer Versicherung. Um dies zu prüfen, fordern die Versicherungen meist die Krankenakte des Tieres an. Dafür muss man den behandelnden Veterinärmediziner gegenüber der Versicherung von seiner Schweigepflicht entbinden. Bei manchen Policen steigen die Beiträge mit steigendem Alter des Tiers.
Wartezeit
Damit Versicherungen nicht erst im Krankheitsfall abgeschlossen werden, gilt meist eine Wartezeit von ein bis sechs Monaten, bis der Versicherungsschutz greift.
Medizinische Notwendigkeit
Einige Versicherungen decken ausschließlich medizinisch notwendige Behandlungen und Operationen ab. Die Kosten einer Kastration ohne medizinische Notwendigkeit werden beispielsweise von der Versicherung teilweise nicht übernommen. Hier ist es - je nach Alter und Gesundheitszustand des Tieres - wichtig zu prüfen, ob nur notwendige Behandlungen abgedeckt werden.
Es gibt jedoch auch Policen, die nicht nur Akutbehandlungen, sondern auch Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen, Entwurmungen und regelmäßige Tierarztbesuche umfassen. Das kann auf lange Sicht sogar günstiger sein und fördert die Gesundheit des Tieres, da man schwereren Erkrankungen vorbeugen kann. Einige Versicherungen enthalten für Vorsorgebehandlungen eine Pauschale. So können im Rahmen eines gewissen Betrags, beispielsweise 100 Euro, Prophylaxe-Behandlungen durchgeführt werden. Alles darüber hinaus muss der Halter selbst zahlen.
Gebührensätze - besonders relevant im Notfall
Laut der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) bemisst sich die Gebührenhöhe „[…] nach dem Einfachen bis Dreifachen des Gebührensatzes. Die Gebühr ist innerhalb dieses Rahmens nach billigem Ermessen und unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalles zu bestimmen, insbesondere unter Berücksichtigung der 1. Schwierigkeit der Leistungen, 2. des Zeitaufwandes, 3. des Zeitpunktes des Erbringens der Leistungen, 4. des Wertes des Tieres und 5. der örtlichen Verhältnisse“ (GOT 2022)
Einige Tierkrankenversicherungen decken Leistungen bis zu einem bestimmten Gebührensatz ab. Wenn der Tierarzt beispielsweise den dreifachen Satz abrechnet, die Versicherung allerdings die Kosten nur bis zum zweifachen Satz übernimmt, muss die Differenz selbst getragen werden. Besonders in oft eh schon kostspieligen Notfällen - zum Beispiel bei Tierklinikbesuchen an Wochenenden oder Feiertagen - fällt oft ein höherer Gebührensatz an. Deshalb lohnt es sich bei der Auswahl der Tierkrankenversicherung genau hinzuschauen, welcher Gebührensatz abgedeckt wird, sodass in schweren Notfällen ein Großteil der Kosten auch tatsächlich übernommen wird.
Selbstbeteiligung, Maximalsumme und Ausschlussbehandlungen
Bei vielen Tierkrankenversicherungen ist eine Selbstbeteiligung üblich. Diese kann entweder eine feste Summe oder ein prozentualer Anteil sein. Einige Versicherungen decken jährlich nur eine Maximalsumme ab - alles was darüber hinaus geht, muss der Tierbesitzer selbst zahlen. Wichtig, insbesondere für Halterinnen und Halter von Rassetieren: Hier sollte unbedingt das Kleingedruckte gelesen werden, denn manche Policen decken rassetypische Erkrankungen, beispielsweise Hüftprobleme bei Schäferhunden oder Bandscheibenprobleme beim Dackel, nicht ab. Für Rassetierhalter ist es daher wichtig bei der Auswahl einer Tierkrankenversicherung darauf zu achten, dass keine Ausschlussbedingungen gelten.
Fazit - das sollte man beim Abschluss einer Tierkrankenversicherung beachten und so finde ich die beste Versicherung
Beim Abschluss einer Versicherung sind grundsätzlich folgende Punkte dringend zu beachten:
- Übernahme von kostspieligen Leistungen wie Operationen und Zahnbehandlungen
- Übernahme bis zum vierfachen Gebührensatz für Notfälle
- bestenfalls keine Ausschlussbedingungen
- Vorsorgeuntersuchungen (wenn auch mit Jahreslimit) sind eingeschlossen
- Wartezeit beachten, je kürzer desto besser
Auf der Suche nach einer Tierkrankenversicherung? Die Eisbaumtabelle kann helfen
In Zusammenarbeit mit Tierärzten und Tierkliniken wurde die Eisbaumtabelle entwickelt. Das Testverfahren ermittelt die aktuell leistungsstärksten Tierkrankenversicherungen auf Basis einer realen Behandlungshistorie innerhalb von fünf Jahren. Berücksichtigt werden sowohl die Erstattungsprozentsätze für die wichtigsten Tiermedizinischen Leistungsbereiche, als auch tarifliche Begrenzungen. Der Eisbaumindex ermöglicht es Hunde- und Katzenbesitzern so, das größte reale Leistungspotential von Tierkrankenversicherungen unabhängig zu vergleichen und die richtige Krankenversicherung für den Vierbeiner zu auszuwählen.


