Nürnberg - Vor dem Frankenderby wirft man beim 1. FC Nürnberg natürlich auch einmal den Blick hinter die Stadtgrenze: Wie läuft es bei der SpVgg Greuther Fürth? Kann der Club das Kleeblatt in die 3. Liga schicken? Die Antworten.

Es gibt Trainer, die vor einem Derby betonen, dass auch in diesem Spiel lediglich drei Punkte vergeben werden. Und dann gibt es Heiko Vogel. Der Chefcoach der SpVgg Greuther Fürth gab auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel am Sonntag (Anpfiff um 13.30 Uhr) gegen den 1. FC Nürnberg kund: „Für mich geht es um den Titel. Wenn wir hier im Rückspiel den Derbysieg klarmachen, ist das für mich ein Titel.“ So bedeutsam ein Erfolg im Frankenderby für die Stimmung, das Prestige und die Fans wäre, so wichtig sind aber auch schlichtweg die drei Punkte.

Die Tabellensituation

Das Kleeblatt steckt weiterhin tief im Abstiegskampf. Zwar rangierten die Fürther im Laufe der Rückrunde auch zwischenzeitlich auf einem Nicht-Abstiegs-Platz, durch die jüngste 1:2-Niederlage beim VfL Bochum rutschte das Team aber wieder auf den vorletzten Rang ab.

Das Problem ist zugleich die Chance: Das untere Tabellendrittel ist unglaublich eng beisammen, nur zwei Zähler Unterschied trennen den 12. Platz vom 17. Platz. Ein Spieltag kann zu massiven Veränderungen im Tableau führen. Auch deshalb, das betonte Heiko Vogel auf der Pressekonferenz, lasse man sich intern nicht allzu sehr von Einzelergebnissen leiten: „Uns war bewusst, dass es bis zum letzten Spieltag geht. Wir waren nie zutiefst deprimiert und nie euphorisiert, sondern haben es immer nüchtern betrachtet.“ Sicher ist jedenfalls: Der Club wird nicht der Schicksalsrichter über der Spielvereinigung sein - das Kleeblatt wird an diesem Spieltag nicht sicher absteigen, aber auch nicht den Klassenerhalt eintüten können.

Ein Vorteil für das Kleeblatt: Sowohl am bevorstehenden als auch am darauffolgenden Spieltag ist die Spielvereinigung jeweils erst am Sonntag gefordert und kennt damit zumindest das Gros der Resultate der Konkurrenz. „Es ist ein Vorteil“, konstatierte Vogel zwar, insbesondere mit Blick auf das Derby sagte er aber: „Die Ausgangslage ist eindeutig, wie brauchen die Punkte, wir brauchen den Sieg.“

Das Restprogramm

Verglichen mit dem 1. FC Nürnberg, der noch gegen die Aufstiegsanwärter vom FC Schalke 04 und Hannover 96 antreten muss, hat die SpVgg Greuther Fürth das dankbarere Restprogramm erwischt – zumindest auf den ersten Blick. Am vorletzten Spieltag geht es gegen Hertha BSC im Olympiastadion, am letzten Finale steht der Showdown gegen die ebenfalls abstiegsbedrohte Fortuna Düsseldorf an.

Aber: In der jüngeren Vergangenheit wusste die Spielvereinigung eigentlich eher gegen stärkere Teams zu überzeugen, gewann gegen Darmstadt, Elversberg und Hannover und holte ein Remis gegen Schalke. Eine naheliegende Daumenregel, von wegen man spiele gegen bessere und dominantere Mannschaften besser, möchte sich Cheftrainer Vogel aber nicht andichten lassen: „Ich sehe das alles ein bisschen differenzierter und nehme die Gegner so wie sie kommen.“

Die Spielweise

Unabhängig vom Gegner beschreibt Trainer Vogel die Spielweise seiner Mannschaft insbesondere in Heimspielen und auch vor dem Frankenderby als „auf Krawall gebürstet“. Gemeint ist dabei aber nicht übermotiviertes Einsteigen, denn „wenn ich Foul spiele, habe ich den Zweikampf verloren“, sondern eine gesunde Vehemenz in den Zweikämpfen einzubringen, den Club früh unter Druck zu setzen und Dominanz über Ballbesitz auszuspielen.

Dabei darf der 1. FC Nürnberg die nissigen Fürther nicht unterschätzen. So attestierte etwa Uwe Rösler, Trainer des VfL Bochum, der Spielvereinigung, sie sei „sehr schwer zu bespielen“ und „in keinster Weise mit der Mannschaft zu vergleichen, gegen die wir im Herbst gespielt haben“.

Der Trainer

Großen Anteil an dieser Entwicklung hat der Cheftrainer. Seit Anfang Dezember leitet Heiko Vogel die Geschicke beim Kleeblatt und startete mit einem 2:2-Remis beim 1. FC Nürnberg in seine Amtszeit. Der 50-Jährige schaffte es insbesondere die desolate Defensive zu stabilisieren: Vor seiner Übernahme kassierten die Fürther etwa 2,6 Gegentreffer pro Partie, inzwischen sind es (nur noch) 1,6 Gegentore.

Die Form

Der Druck ist vor dem Frankenderby sehr einseitig verteilt, die Stimmungslage könnte unterschiedlicher nicht sein: Während der Club nach elf Punkten aus den letzten sechs Spielen jüngst die 40-Punkte-Marke überschritten hat und entsprechend mit breiter Brust nach Fürth reist, steht das Kleeblatt bekanntlich auf einem direkten Abstiegsplatz. Blickt man aber auf die Rückrunden-Tabelle, schnitt Fürth nur minimal schlechter ab als der Lokalrivale und holte nur einen einzigen Zähler weniger.

Das Derby

Unabhängig von sämtlichen Vorzeichen stellt Vogel klar: „Das Derby hat andere Gesetze. Unabhängig von der Tabellensituation sind das zwei besondere Spiele.“ Demnach gehe man „mit voller Vorfreude und mit voller Wucht“ in das Duell, das „genau zur rechten Zeit kommt“. Denn: In keinem Spiel, das stellte Vogel klar, fällt es wohl „leichter, die Tabellensituation auszublenden“.