Nürnberg - Elementarmagie, eine geheimnisvolle Akademie und Rebellen in furchteinflößenden Masken - Die „Die Bücher der Macht“-Reihe hat alle Zutaten für eine gelungene High Fantasy-Reihe. Wie geht es in Band 3 weiter?

Manche Autorinnen und Autoren haben eine starke Präsenz auf den sozialen Medien, die #BookTok und #Bookstagram fallen einem wohl als erstes ein. Doch auch auf Twitch gibt es Content über Bücher. Hier ist Liza Grimm ganz vorne mit dabei.

Natürlich spricht sie in ihren Streams nicht ausschließlich über Bücher, aber als Lektorin und Autorin führt natürlich kein Weg am Thema vorbei. Mit ihren Fantasy-Büchern ist die Streamerin auch keine Unbekannte in der Szene, ihr Werk umfasst die Urban-Fantasy-Reihe „Talus“, nordische Fantasy und moderne Märchenadaptionen.

Und eben die „Die Bücher der Macht“-Reihe. Die klassische High Fantasy-Serie geht mit „Steingladiole“ in die dritte Runde.

„Die Bücher der Macht“ von Liza Grimm: Worum geht‘s?

Bis jetzt waren Nara und Katso gemeinsam an der Akademie der Elementgesandten auf Lort gewesen. Wie alle anderen Bewerber hatten sie das gleiche Ziel, das sie zu Konkurrenten machte: Die Auswahl gewinnen, am Ritual des Lichts teilnehmen und am Ende die mächtigen Buchbinder in ihre jeweilige Heimat bringen. Trotz dieser Konkurrenzsituation wurden die beiden zu Freunden und konnten weitere Verbündete gewinnen.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht, denn irgendetwas Seltsames scheint auf der Insel Lort und der Akademie vor sich zu gehen.

Und am Ende von Band 2, „Feuerlilie“, wurden die beiden auch noch getrennt. Nara wurde von den Bronzemasken entführt und Katso blieb auf Lort zurück. Was er nicht weiß: Am Ende ging Nara freiwillig mit ihren Entführerin, denn diese entpuppte sich als niemand anderes als ihre lange verschollene Mutter.

„Steingladiole“ von Liza Grimm - Buchtipp

In Band 3 erfahren wir abwechselnd, wie die Geschichten von Nara und Katso weitergehen. Katso versucht immer noch, die Auswahl zu gewinnen und das Ritual des Lichts zu erreichen. Doch ein Schock um sein Seelenbuch wirft ihn ordentlich aus der Bahn, und dass er sich nicht der Suche nach Nara widmen kann, geht ihm gehörig gegen den Strich. Gleichzeitig passieren nach wie vor seltsame Dinge an der Akademie. Nichts scheint hier so zu sein, wie es angeblich ist.

Währenddessen findet sich Nara zwar wieder mit ihrer Mutter vereint, aber dennoch in Gefangenschaft. Nara muss sich in dieser neuen Gemeinschaft erst beweisen, und dabei will sie doch eigentlich nach Lort zurück. Als Beschützerin ist es ihre oberste Aufgabe, das Ritual des Lichts zu meistern und mit den Buchbindern ihre Heimat zu retten. Doch hier erfährt sie mehr über die Akademie, als sie es auf Lort je würde, und das traurige Schicksal der Buchbinder lässt sie nicht los.

Beide, Nara und Katso, befinden sich in einem Zwiespalt: Wem sollen sie folgen? Ihrem Pflichtgefühl oder ihrer Suche nach der Wahrheit?

„Die Bücher der Macht“: High Fantasy oder billige Kopie?

Dem geneigten Fantasy-Fan wird schnell auffallen, wo sich Liza Grimm, die mit bürgerlichem Namen übrigens Jennifer Jäger heißt, ihre Inspiration für „Die Bücher der Macht“ geholt hat. Die Menschen in dieser Welt sind in vier Völker aufgeteilt, die jeweils eine eigene Insel (beziehungsweise Inselgruppe) bewohnen. Jede Insel ist einem eigenen Element gewidmet, auf der die Menschen ihr Element mit Magie beherrschen können.

Spätestens jetzt dürfte es bei allen klingeln, die schon einmal etwas von „Avatar - Der Herr der Elemente“ gehört haben. Auch, dass es nun eine zentrale Insel gibt, auf der der Frieden gewahrt werden soll, erinnert an den „Avatar“-Kosmos, diesmal an „Die Legende von Korra“.

Die Hauptfiguren weisen ebenso Parallelen zur Serie um Avatar Aang auf. Ein junger Heißsporn, der Feuer kontrollieren kann und dessen Mission es ist, seine Ehre wieder herzustellen, nachdem sein Vater ihm diese verweigert hat. Eine etwas naive, aber gutmütige und charakterstarke junge Frau, die mit Magie Wasser beherrschen kann, deren Heimat aus Eis außerdem in Gefahr ist, die ohne ihre Eltern aufwachsen musste und schon in jungem Alter gemeinsam mit ihrem Bruder Verantwortung für ihre Gemeinschaft übernehmen musste.

Diese Charakterbeschreibungen passen genauso auf Katso und Nara in „Die Bücher der Macht“ wie auch auf Zuko und Katara in „Avatar“.

Sind also „Die Bücher der Macht“ nur ein billiger Abklatsch? Diese Aussage wäre maßlos übertrieben. Auch wenn die Inspiration klar erkennbar ist, unterscheiden sich Ausgangssituation, Handlungsverlauf und die Ziele der Figuren deutlich.

Und seien wir mal ehrlich: Welcher High Fantasy-Epos holt sich nicht seine Inspiration bei den großen Vorbildern ab? Wie viele Fantasy-Bücher könnten beispielsweise in ihrem Setting nicht in Tolkiens Mittelerde spielen?

Sobald Orks und Elfen auftauchen, gehen die Gedanken klar zu „Der Herr der Ringe“. Und Elementarmagie wird in der Fantasy-Szene wohl immer untrennbar mit „Avatar - Der Herr der Elemente“ verbunden sein.

Ist „Steingladiole“ also ein Buchtipp?

Es gibt Fantasy-Reihen, bei denen man einzelne Bände unabhängig voneinander lesen kann, wie etwa „Die Chroniken von Narnia“ von C. S. Lewis. Andere bauen aufeinander auf und verfolgen einen zentralen Handlungsstrang, der sich zwar aufspalten kann, aber dennoch auf ein großes Ziel hinausläuft, wie „Der Herr der Ringe“ von Tolkien, um hier nur zwei ganz große Beispiele der Fantasy-Literatur zu bemühen.

„Die Bücher der Macht“ fällt in die zweite Kategorie. Gerade jüngere Fantasy-Reihen bauen sehr engmaschig aufeinander auf, sodass man der Handlung nur dann wirklich folgen kann, wenn man ganz am Anfang beginnt.

Ganz so streng ist es mit „Steingladiole“ nicht. Durch zahlreiche Querverweise auf die Vorgänger kann man die vorherige Handlung gut nachvollziehen. Auch ohne das Vorwissen über Band 1 und 2 kann man absehen, dass Liza Grimm hier eine großartige High Fantasy abliefert, deren Ausgang noch nicht absehbar ist. Auch ohne Vorwissen ist die Handlung greifbar, und vor allem das Ende lässt einen mit hohen Erwartungen für den nächsten Band zurück.

Dennoch wäre wohl die Bindung, die man beim Lesen mit den Hauptfiguren aufbaut, stärker, wäre man von Anfang an dabei gewesen. Die Buchempfehlung fällt in diesem Fall also etwas ungewöhnlich aus, denn obwohl ich „Eislotus“, den Auftakt der Reihe nicht gelesen habe, empfehle ich an dieser Stelle dieses Buch anstelle von „Steingladiole“ und so den eigentlich naheliegenden Weg in die Welt von „Die Bücher der Macht“ zu wählen.

„Steingladiole“: 4 von 5 Sterne auf der Bewertungsskala

Abschließend vergebe ich eine Kritikerbewertung von 4 von 5 Sternen an „Steingladiole“. Es ist ein spannender Fantasy-Band, der zielstrebig auf den nächsten Teil der Reihe hinführt und Lust auf mehr macht. Einen Stern Abzug gibt es, weil die Hauptfiguren vielleicht nicht ganz originell in ihrer Ausprägung sind und die Handlung in Band 3 eher in langsamen Tempo läuft. Man merkt eben, dass das große Finale erst noch bevorsteht.