Berlin/Nürnberg - Am Donnerstag beginnt die neuerliche Streikwelle im ÖPNV. Zahlreiche Städte in Bayern sind betroffen. Was derzeit über die Einschränkungen in Franken bekannt ist - und was vorerst offen bleibt.

Die Gewerkschaft Verdi hat ab Donnerstag in mehreren Bundesländern erneut zu Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr aufgerufen. Betroffen sind Fahrgäste in Bayern, dem Saarland, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg sowie möglicherweise in Hessen und in Bremen, wie die Gewerkschaft mitteilte.

Bayernweit sei vor allem am Donnerstag mit Streiks im Nahverkehr zu rechnen, „die leider auch wieder viele Fahrgäste treffen werden“, teilte Verdi mit. Darüber hinaus will Verdi in mehreren Städten auch an weiteren Tagen zum Streik aufrufen.

In einer ersten Information von Verdi hieß es, dass bislang neun Städte von den angekündigten Streiks betroffen sein sollen. Auch Städte aus der Region stehen erneut auf der Streikliste. Neben dem Ballungsraum Nürnberg wird auch erneut in Bayreuth, Bamberg und Regensburg gestreikt. Auch Augsburg, Passau, Landshut, München und Dachau sind betroffen. An anderen Tagen in dieser Woche könnten laut Gewerkschaft auch in weiteren Kommunen Aktionen stattfinden - darüber solle jeweils frühzeitig informiert werden. Am Dienstag steht nun fest, dass auch die Städte Fürth und Schwabach vom Streik betroffen sein werden, wie Manfred Rupp, Sprecher vom Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) erklärt.

Streiks in mehreren Städten in Franken: Das sind die Auswirkungen für die Region

In Fürth ruft die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten der Infra Fürth Verkehr Service GmbH von Donnerstag, 19. März, 4 Uhr, bis Samstag, 21. März, 4 Uhr, zum Ausstand auf. Auch in Schwabach steht der ÖPNV von Donnerstag, 19. März, 0 Uhr, bis Freitag, 20. März, 0 Uhr, still.

In Nürnberg starten die Streikmaßnahmen bereits am Mittwochabend, 18. März. Wie Elisabeth Seitzinger, Pressesprecherin der VAG Nürnberg, erklärt, machen die Beschäftigten in der Buswerkstatt den Auftakt. Der Streik soll am Sonntag, 22. März, mit Betriebsbeginn enden. Intern laufen derzeit noch Abstimmungen, welche Auswirkungen der Streikaufruf konkret auf den Fahrbetrieb haben wird.

Am Donnerstag werde es zunächst, so teilt es die VAG mit, keine Auswirkungen auf den Fahrgastbetrieb geben. Das Fahrpersonal streikt nicht, deswegen verkehren U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse im Normalfahrplan.

Für Freitag, 20. März, und Samstag, 21. März, hingegen rechnet die VAG mit stärkeren Auswirkungen. Wie bei den vergangenen Arbeitsniederlegungen soll es wieder einen Streikfahrplan auf Grundlage des NightLiner-Netzes geben.

Für Freitag und Samstag ist folgender Notfahrplan von Seiten der VAG geplant:

  • NightLiner-Linien N1 bis N15 und N61 jeweils stündlich
  • NightLiner-Linien N1, N7, N9 und N15: bis circa 21 Uhr zusätzliche Verstärkerfahrten, sodass ein 30-Minuten-Takt besteht
  • Buslinien 82 und 83: nach Regelfahrplan. Es entfallen die zusätzlichen Schulverstärkerfahrten um 7.19 und 7.39 Uhr ab Koppenhof.

Die regulären NightLiner-Linien in der Nacht von Freitag auf Samstag sowie in der Nacht von Samstag auf Sonntag entfallen. Gleiches gilt für alle Straßenbahnen und U-Bahnen an beiden Streik-Tagen. Ausgenommen von dem Streik im ÖPNV bleiben die Züge der Deutschen Bahn. Die VAG rechnet damit, am Sonntag wieder zum Normalbetrieb zurückkehren zu können.

Auch in Bamberg kommt es am Donnerstag zu erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr: Der reguläre Stadtbusverkehr wird an diesem Tag vollständig eingestellt, wie die Stadtwerke auf ihrer Website berichten.

Als Ersatz richten die Stadtwerke zwischen 6 und 20 Uhr einen Notfahrplan ein. Busse verkehren im Stundentakt auf den Linien 935, 936, 937 und 938, sodass ein eingeschränktes Grundangebot bestehen bleibt. Auf der Linie 936 entfallen stadteinwärts die Haltestellen „Gönnerstraße“ und „Marienplatz“. Auch im Schulverkehr der Stadt gibt es Einschränkungen.

In Bayreuth kommt es am Donnerstag, 19. März, ebenfalls zu Einschränkungen durch den Warnstreik. Die Stadtwerke teilen mit, dass nur die Busse von Partnerunternehmen im Einsatz sind. Dadurch kann auf einigen Linien ein eingeschränktes Grundangebot aufrechterhalten werden, Details dazu sind im Streikfahrplan einsehbar. Fahrgäste müssen jedoch mit Verspätungen und einer hohen Auslastung rechnen.

Ein besonderer Fokus der Arbeitsniederlegungen soll diesmal auf Werkstätten liegen. Auswirkungen für Fahrgäste wären dort kaum direkt spürbar. Zudem sollen Notdienstvereinbarungen dafür sorgen, dass etwa bei einem technischen Defekt niemand über längere Zeit in einer U-Bahn feststecken muss, heißt es weiter.

Über Art und Dauer der Warnstreiks entscheiden die örtlichen Verdi-Gremien - was wiederum einen Überblick über die Einschränkungen komplizierter macht. In München plante Verdi etwa schon am Dienstag einen Streik - allerdings nicht bei den fahrenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Am Mittwoch und Donnerstag stehen nach einem Aufruf der Gewerkschaft dann in München aber ebenfalls zahlreiche Busse, Tram- und U-Bahnen still. Besonders brisant ist das in der Landeshauptstadt angesichts des Champions League Spiels am Mittwochabend in der Münchner Allianz Arena. Die Fans bangen um ihre Anreiseoptionen.

Wie lange gestreikt wird, steht noch nicht fest

Vielerorts konnten Verdi-Ansprechpartner zunächst auf Nachfrage noch nichts zu Folgen für Fahrgäste sagen - und verwiesen auf weitere Informationen im Laufe der Woche. Die erneuten Arbeitsniederlegungen sollen in der laufenden Tarifrunde für den bayerischen Nahverkehr den Druck auf die Kommunen erhöhen. Am kommenden Montag (23. März) steht der nächste Verhandlungstermin mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) an, bei den bisherigen drei Gesprächen gab es keine Einigung.

Kommunen weisen Forderungen als unbezahlbar zurück

Die Gewerkschaft Verdi fordert für die etwa 9000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen eine Lohnerhöhung um fast 670 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. Die Kommunen weisen das als unbezahlbar zurück. Nach Berechnung der kommunalen Arbeitgeber würde eine Erfüllung der Verdi-Forderungen die Personalkosten im kommunalen Nahverkehr um 25 Prozent in die Höhe treiben. Viele Kommunen sind ohnehin finanziell in schwieriger Lage, auch die Verluste der Städte und Landkreise im öffentlichen Nahverkehr sind in den vergangenen Jahren deutschlandweit stark gestiegen.

Verdi besteht auf kräftigen Lohnerhöhungen

Verdi hingegen fordert angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten deutliche Verbesserungen sowohl beim Gehalt als auch den Arbeitsbedingungen. Ohne relevante Lohnerhöhungen könnten sich die Beschäftigten im ÖPNV das Leben bald nicht mehr leisten, hieß es in der Mitteilung der Gewerkschaft. Der stellvertretende Landesvorsitzende Sinan Öztürk kritisierte: „Allmählich drängt sich der Eindruck auf, dass sie erwarten, die Kolleginnen und Kollegen sollten den ÖPNV in diesem Jahr, im nächsten Jahr und vielleicht noch die nächsten zehn bis 15 Jahre aus eigener Tasche mitfinanzieren.“

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 18. März um 13.15 Uhr.