Nürnberg - In seinem neuen Krimi lässt Autor Johannes Wilkes seinen Kommissar Mütze in einem Todesfall im Knoblauchsland zwischen Erlangen, Fürth und Nürnberg ermitteln.

Regionale Krimis verbinden das übliche Rätselraten um einen Fall, das Krimi-Fans an ihrem Lieblingsgenre so begeistert, mit dem jeweiligen Lokalkolorit. Johannes Wilkes hat hier eine Buchreihe geschaffen, die sich von vergleichbaren in einer Sache abhebt.

Denn Kommissar Mütze, der aus dem Ruhrpott stammt, ermittelt wahlweise auf der Nordseeinsel Spiekeroog oder eben im fränkischen Erlangen. Sein neuester Fall dreht sich um ein Opfer, dessen Leiche im Zentrum der Metropolregion liegt: genau auf dem Dreistädteeck, wo Nürnberg, Fürth und Erlangen aufeinandertreffen, ganz nahe am fiktiven Ort Lurchenreuth.

„Mord im Knoblauchsland“ - Anwohner vs. Flughafenchef

Nahe an diesem imaginären Ort Lurchenreuth, auf einem Feldweg zwischen Salatfeldern, von den Bewässerungsanlagen völlig durchnässt, liegt das Opfer, dessen Ableben Kommissar Mütze aufklären soll. An Feinden mangelte es dem Mann nicht gerade, denn als Flughafenchef hatte er nicht nur beliebte Entscheidungen getroffen.

An dieser Stelle gilt es zu erwähnen, dass sich Autor Johannes Wilkes zwar der realen Orte Knoblauchsland, Erlangen, Nürnberg und Fürth sowie der hiesigen Gegebenheiten bedient, wie etwa des nicht direkt anwohnerfreundlichen Flughafens. Der wiederum bekommt, genauso wie sein Chef und örtliche Politiker, fiktive Namen, sodass „Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sowie mit offenen und geschlossenen Flughäfen [...] rein zufällig“ sind.

Ein abwesender Mangel an Feinden ergibt in der logischen Schlussfolgerung eine ordentliche Anzahl an Verdächtigen. Wer steckt hinter dem vorzeitigen Ableben von Oliver Baccano? War es die etwas kühl wirkende Witwe? Steckt die Sekretärin dahinter, die sich gegen die übergriffigen Avancen des Vorgesetzten erwehren musste? Oder ihr Verlobter? Kam es zum Streit mit der Sex-Arbeiterin, die er noch kurz vor seinem Ableben besucht hatte? Oder ist ein verzweifelter und wütender Anwohner für die Tat verantwortlich, der unter den Nachtflügen am Flughafen leidet und den Lärm für den Tod seiner Frau verantwortlich macht?

„Mord im Knoblauchsland“

von Johannes Wilkes

  • 184 Seiten
  • ars vivendi
  • ISBN: 978-3-7472-0755-0
  • 15 Euro

„Mord im Knoblauchsland“: Was taugt der Frankenkrimi?

Johannes Wilkes gibt in seinem Krimi einen interessanten Abriss über einen schon länger schwelenden Konflikt rund ums Knoblauchland und den angrenzenden Flughafen. Sehr treffend beschreibt er fränkische Mentalität und die Lokalrivalitäten zwischen Erlangen, Fürth und Nürnberg. Der Fall ist in sich schlüssig und vermutlich, einschließlich seines Ausgangs, realitätsnäher als so manch großer Krimi.

Doch es gibt einiges, was stutzig macht an diesem Kriminalroman. Angefangen dabei, dass er mit seinen 184 Seiten, die als Gimmick auch einige Kochrezepte von Kommissar Mützes Lebensgefährten Karl-Dieter umfassen, alles andere als lang ist. Und dennoch gibt es mehr als eine Textpassage, die mit der Handlung so gar nichts zu tun haben will.

Es gibt den Grundsatz, in einer Geschichte alles zu streichen, was die Handlung nicht voranbringt. Diesen Grundsatz konsequent zu verfolgen, ist sicherlich nicht zu empfehlen, gerade in den Nebenpassagen hat man als Autorin oder Autor die beste Gelegenheit, den Figuren mehr Tiefe zu geben und eine Bindung zwischen Leserin beziehungsweise Leser und Hauptcharakter aufzubauen.

Doch in „Mord im Knoblauchsland“ fehlt die Balance. Karl-Dieter ist ausgiebig damit beschäftigt, sich um Lotte zu kümmern, die er und Mütze adoptiert haben. Nebenbei kocht er. In diesen Textpassagen fragt man sich beim Lesen doch, wo das Ganze eigentlich hinführen soll. Am Ende bekommt Karl-Dieter natürlich noch eine ganz wichtige Rolle in der Lösung des Falls, doch zuvor wird ihm unverhältnismäßig viel Platz eingeräumt, schließlich ziert das Cover des Buchs der Begriff „Kriminalroman“.

Auch die Beziehung zwischen Mütze und Karl-Dieter war für jemanden, der zum ersten Mal ein Buch der Reihe liest, mehr als irritierend. Lange ist nicht ganz klar, ob die beiden eine Beziehung führen oder eine Art alternatives Familienkonzept leben. Im Laufe der Handlung wird dann durchaus deutlich, dass die beiden ein Paar sind, sie haben Kosenamen füreinander und tauschen Zärtlichkeiten aus. Da verwirrt es nur, dass der Autor die beiden an verschiedenen Gelegenheiten im Buch als „die beiden Freunde“ benennt.

Auch schaffen es die beiden, trotz einer gleichgeschlechtlichen Beziehung gefühlt jedes Klischee einer traditionellen, wenn nicht sogar gestrigen Beziehungsdynamik zu erfüllen. Das beißt sich etwas mit vielen eigentlich fortschrittlichen Ansichten, die die beiden immer wieder äußern. Möglicherweise steht hier der Versuch, Figuren zu schaffen, die nicht zu perfekt sind, um sympathisch zu sein, beim Lesen hat es sich aber eher so angefühlt, als würde man den Partnern in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung die Stempel „Frau“ und „Mann“ aufdrücken.