Nürnberg - Jenna, Malak und Kees sind drei junge Frauen aus London, beste Freundinnen seit ihrer Kindheit. Doch als sich ihre Wege trennen, geraten sie gefährlich ins Taumeln.

Alles, was wir uns nicht sagen“ ist 2023 auf Deutsch erschienen. Der Originaltitel lautet „These Impossible Things“. Selten waren zwei Titel so unglaublich passend für einen Roman. Denn sie deuten bereits auf zwei wesentliche Inhalte der Geschichte hin: Die scheinbar kaum zu überwindenden Hindernisse für junge Frauen mit Migrationsgeschichte. Der große Spagat zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, familiärer Verbundenheit und Selbstverwirklichung. Gleichzeitig zeigt dieses Buch, in welche Gefahren Frauen in patriarchalen Strukturen geraten können - gerade wenn sie ihren gegenseitigen Halt verlieren.

Autorin Salma El-Wardany stellt ihren Leserinnen und Lesern drei Frauen vor, drei Perspektiven aufs Leben, drei starke Charaktere. Malak, Jenna und Kees sind seit Kindheitstagen beste Freundinnen. Alle drei haben einen muslimischen Hintergrund, sind in der Londoner Gesellschaft aufgewachsen. Die drei sind füreinander da, egal, ob es um Sex, Liebe, Studium, Job, nervige Tanten oder die Erwartungen ihrer Eltern an sie geht.

Nichts kann die drei und ihren Zusammenhalt trennen - so scheint es zumindest. Doch während Kees ihren weißen Freund Harry zwar geheim hält, aber dennoch eisern an der Liebe festhält, geht Malak einen anderen Weg. So kommt es eines Nachts zu einem Streit zwischen ihnen, der alles verändern wird. Ein Streit, der Jenna ihre beiden wichtigsten Stützen in ihrem Leben raubt.

Tiefgreifende Perspektiven, keine Tabus - Ein notwendig ehrlicher Roman

Malak verschwindet daraufhin nach Kairo, um einen Mann zu finden, der ihre Wurzeln endlich versteht, der ihre Traditionen und ihre Religion sowie ihre Kultur teilt. Doch der sichere Hafen in den sie zu schippern versucht, entpuppt sich bald als stürmische See. Vieles bleibt ungesagt, die Frauen, die sich einst Halt und Korrektiv gleichermaßen waren, entfremden sich. Und Malak, die sich selbst finden wollte, verliert sich so sehr, dass sie ihre gesamte Kraft für ihre eigene Rettung braucht.

Währenddessen macht die von Einsamkeit geplagte Jenna eine traumatische Erfahrung im Londoner Datingleben, die ihr gar den Boden unter den Füßen wegreißt. Auf der verzweifelten Suche nach Halt und Sicherheit steht sie kurz davor, eine fatale Lebensentscheidung zu treffen. Können die drei Freundinnen ihre unüberbrückbaren Differenzen überwinden und wieder zusammenfinden?

Selten hat ein Roman die Freundschaft zwischen Frauen in den gegenwärtigen patriarchalen Strukturen so treffend in Szene gesetzt. Es ist ein einfühlsames, teils brutales wie auch herzerwärmendes Buch, das von Zusammenhalt, Trennung und emotionaler Einsamkeit erzählt. Ein Roman aus der New-Adult-Ecke, das über 480 Seiten tiefgreifende Perspektiven junger Frauen mit Migrationsbiografie einnimmt. Perspektiven, die noch immer viel zu selten erzählt werden.

„Alles, was wir uns nicht sagen“

von Salma El-Wardany

  • 480 Seiten
  • Penguin Verlag
  • ISBN: 978-3328602866
  • 18 Euro