Nürnberg - Ist das die finale Kehrtwende beim 1. FC Nürnberg? Nach deutlicher Kritik an der Transferstrategie steht Miroslav Klose nun vor einer Vertragsverlängerung beim Club. Der aktuelle Stand.

„Wenn auch der Wind sich dreht“, heißt es in der Hymne des 1. FC Nürnberg – eine Zeile, die derzeit treffender kaum sein könnte. Am Valznerweiher weht er bekanntlich schneller und unberechenbarer als an vielen anderen Standorten im deutschen Profifußball. Das jüngste Beispiel: die monatelange Hängepartie um eine Vertragsverlängerung mit Trainer Miroslav Klose – und die nun überraschende Kehrtwende.

Monatelange Spekulationen

Noch im Herbst schien eine Ausdehnung des im Sommer auslaufenden Arbeitspapiers reine Formsache. Doch mit kryptischen, teils kritischen Aussagen befeuerte Klose zuletzt selbst die Zweifel an einer gemeinsamen Zukunft. „Langfristig ist, wenn man beim Club arbeitet, immer so eine Frage“, sagte der 47-Jährige etwa auf einer Pressekonferenz.

Vor allem seine Kritik an der Transferstrategie sorgte für Unruhe. Im Interview bei Pay-TV-Sender Sky monierte Klose zuletzt: „Man kann sich in Nürnberg nicht ein bisschen was aufbauen. Wenn ich jetzt Fan von der Mannschaft bin und mir ein Trikot kaufe, dann ist der Spieler ein halbes Jahr später nicht mehr da.“ Es brauche ein Fundament - zu viele Wechsel verhinderten nachhaltige Entwicklung. Viele Anhänger interpretierten diese Aussagen als einen Abschied.

„Dann bist du in der Tabelle oben dabei“

Nur drei Tage später die nächste Drehung im Wind. Wie die Bild berichtet, strebt Klose nun doch eine Verlängerung bis 2028 an. Nach Monaten des Zögerns und der öffentlichen Kritik sendet der Weltmeister plötzlich positive Signale. „Mir geht es immer um die Spieler und den Verein. Ich bin nicht umsonst hierhergekommen, aber es muss stetig aufwärtsgehen. Das Gefühl hatte ich nicht immer“, erklärte er nach dem Training am Dienstag. Und weiter: „Wenn man Hochzeit hat, kann man nur auf einer sein und nicht auf mehreren. Ich möchte hier langfristig etwas aufbauen. Das hat lange gedauert, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass alle an einem Strang ziehen.“

Die neue Tonlage verdeutlicht: Klose will bleiben – allerdings unter klaren Voraussetzungen. Seine Forderung nach Kontinuität untermauert er mit Verweisen auf Darmstadt und Paderborn. „Wenn die über 80 Prozent der Mannschaft über zwei, drei Jahre halten können, dann bist du in der Tabelle oben dabei.“ Die erhoffte Kontinuität auf der Trainerbank hängt unmittelbar mit Kontinuität im Kader zusammen – eine Aufgabe, die angesichts der zuletzt forcierten Rolle als Ausbildungsverein und der regelmäßigen Umbrüche in jeder Transferphase einem strategischen Umdenken gleichkäme.

Zukunft mit Klose und neuer Strategie?

Eine Vertragsverlängerung mit Miroslav Klose unter den genannten Bedingungen wäre demnach mehr als eine bloße Personalentscheidung. Sie käme nur zustande, wenn der Club bereit ist, den eingeschlagenen Kurs zumindest anzupassen – weg vom reinen Ausbildungs- und Durchgangsmodell, hin zu mehr personeller Kontinuität. Eine Einigung wäre somit nicht nur ein Bekenntnis zum Trainer, sondern der nächste, womöglich entscheidende Schritt hin zu einer nachhaltigeren strategischen Ausrichtung des Vereins.

Sportlich bewegt sich der 1. FC Nürnberg unter Klose im Mittelfeld der 2. Bundesliga. Seit seinem Amtsantritt im Juni 2024 holte er im Schnitt 1,35 Punkte pro Partie – Werte, die denen seiner Vorgänger Markus Weinzierl und Robert Klauß ähneln. In 55 Zweitligaspielen stehen 21 Siege 23 Niederlagen gegenüber, die Tordifferenz ist mit minus drei nahezu ausgeglichen.

Kloses Bilanz in Nürnberg – ein Schnitt von 1,35 Zählern pro Partie – ist weder Absturz noch Aufbruch, sondern Ausdruck des Schwebezustands, in dem sich der Club derzeit befindet. Doch nun dreht sich der Wind wieder einmal. Und diesmal könnte er tatsächlich die Richtung vorgeben.