Nürnberg - Bleibt Miroslav Klose über den Sommer hinaus Trainer beim FCN? Was lange mehr oder minder beschlossene Sache schien, wirkt zunehmend ungewiss. Für zusätzlichen Wirbel sorgte der Weltmeister nun höchstpersönlich.

Es war keine ungewöhnliche Frage, die Miroslav Klose da auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel in Paderborn gestellt wurde. Ob er einen Kader habe, mit dem er langfristig arbeiten könne und wolle, wollte ein Journalist vom 47-Jährigen wissen. Umso mehr verblüffte dessen bewusst knapp gewählte Antwort darauf: „Langfristig ist, wenn man beim Club arbeitet, immer so eine Frage.“

Was steckt hinter der Klose-Aussage?

Damit liegt Klose im engeren Sinne erst einmal ganz richtig. Die Franken verstehen sich in diesen Tagen primär als Ausbildungsverein, dessen Geschäftsmodell daraus besteht, die eigenen hochveranlagten Spieler früher oder später zu Geld zu machen. Unzählige Transferbewegungen in den vergangenen Jahren bestätigen dieses Bild und spülten dringend benötigtes Kapital in die noch immer klammen Kassen des Altmeisters. Insbesondere in Zeiten, in denen der sportliche Erfolg zu wünschen übrig lässt, ist der Nürnberger Weg wohl nahezu alternativlos, wenn er auch seine Tücken birgt.

Durchaus möglich, dass Klose lediglich auf diese hinweisen wollte. Nicht auszuschließen, dass der Aussage vielerorts zu viel Wert beigemessen wird. Andererseits kennt der langjährige Nationalspieler das Geschäft wie kein Zweiter und weiß um die Aufmerksamkeit, die ihm nicht nur in Nürnberg zuteil wird. Gerade vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen und Monate drängt sich daher eine andere Lesart auf. Denn auch die langfristige Zukunft des Ex-Torjägers selbst wirkt derzeit ähnlich unsicher wie die seiner begabtesten Schützlinge. Was als nach außen hin kommunizierte Formsache begann, gleicht mittlerweile mehr und mehr einem Zickzackkurs, dessen Ausgang völlig offen scheint.

Zündstoff im Netz: Fans zwischen Verlängerung und Entlassung

Nicht wenige Club-Fans meinen deshalb, dass sich Klose derzeit ganz bewusst in Stellung bringen könnte, um den Druck auf Sportvorstand Joti Chatzialexiou zu erhöhen. Dieser zeigte sich jüngst zufrieden mit der abgelaufenen Winter-Transferphase - eine Einschätzung, die Klose nur bedingt teilt. Chatzialexiou solle ihm Zugeständnisse machen, was die Kaderzusammenstellung und den Erhalt einiger Leistungsträger angeht, oder Klose würde das Weite suchen - so zumindest eine mögliche Interpretationsweise.

Das Vorgehen jedenfalls kommt nicht überall gut an. Im Netz wird nicht erst seit gestern kontrovers diskutiert, ob der FCN eine weitere Zusammenarbeit mit dem Coach eingehen sollte. Unter einem Post, der dessen kryptische Antwort noch einmal zeigt, tummeln sich zahlreiche Fans mit verschiedensten Meinungen. Einige User sind der Auffassung, dass Klose durchaus Recht habe. „Eine legitime Aussage“, findet ein Nutzer und kommt auf die zahlreichen Transferbewegungen in den letzten Jahren zu sprechen. „Er beschreibt die Realität“, bläst ein weiterer User ins gleiche Horn.

Andererseits fällt auch die Kritik an den Worten des ehemaligen Angreifers beträchtlich aus. Nicht wenige Nutzer fordern die sofortige Trennung von Klose, halten ihn für „nicht mehr tragbar“. Mitunter wird dies als besonders alternativlos empfunden: „Bitte handeln. Das ist ja irre, wenn man mit ihm nur ein weiteres Spiel bestreitet.“ Anzeichen, dass der Club dieser Forderung alsbald nachkommt, lassen sich jedoch nicht ausmachen. Dennoch: das Tischtuch zwischen Miroslav Klose und allen voran Joti Chatzialexiou könnte dieser Tage erste, womöglich bereits größere Flecken erfahren - Ausgang ungewiss.

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