
Mit dem Grundsatz „Summer bodies are made in winter“ animieren Fitness-Influencer ihre Followerschaft, bereits in der kalten Jahreszeit durch konsequentes Training und gesunde Ernährung Muskeln aufzubauen und Fett abzubauen, um die Grundlage für den Sommer zu legen.
Was hat das mit dem 1. FC Nürnberg zu tun? In erster Linie nur so viel: Auch der Club setzte im Winter auf eine Form der Entschlackung.
Abgänge
Mit Kapitän Robin Knoche (Arminia Bielefeld), Pape Demba Diop (Racing Straßburg, vorzeitiges Leihende), Artem Stepanov (Bayer 04 Leverkusen, vorzeitiges Leihende) und Tim Drexler (TSG Hoffenheim, vorzeitiges Leihende) gab der FCN gleich vier Spieler ab, die in der Hinrunde jeweils auf mindestens zehn Einsätze in der 2. Bundesliga gekommen waren.
In die Liste der Abgänge reihen sich zudem Ondrej Karafiat (Mlada Boleslav), noch vor wenigen Monaten eine feste Größe in der Nürnberger Defensive, Michal Kukucka (FC Koper, Leihe) sowie Samir Telalovic (Arminia Bielefeld, Leihe) ein. Die beiden Talente Winners Osawe und Dustin Forkel, der zuvor bereits an Jahn Regensburg verliehen war, wechseln auf Leihbasis zum 1. FC Schweinfurt 05. Einnahmen generierte der Club damit – zumindest im Winter – nicht.
„Wir haben den Kader etwas verkleinert, weil es dafür Marktchancen gab“, erklärte Sportvorstand Joti Chatzialexiou in einer Medienrunde. „Im Sommer haben wir uns früh darum bemüht, junge Talente zu verpflichten – Transfers mit Perspektive. Nach einem halben Jahr Arbeit mit unserem Trainerteam haben viele bereits Schritte nach vorne gemacht und klopfen jetzt oben an. Deshalb war die Anzahl der Abgänge im Winter überhaupt möglich.“
Neuzugänge
Styopa Mkrtchyan (NK Osijek) soll nach Einschätzung von Chatzialexiou „eine gute Lösung“ für die Innenverteidigung sein. Der 22-Jährige ist neben Fabio Gruber und Luka Lochoshvili nun der einzige zentrale Verteidiger im Nürnberger Kader mit nennenswerter Profierfahrung.
Als „Wunschlösung“ bezeichnete der Sportvorstand Rabby Nzingoula. Der polyvalente Franzose ist zwar primär als Eins-zu-Eins-Ersatz für Pape Demba Diop eingeplant, kann aber auch als Rechtsverteidiger eine Alternative zu Tim Janisch und dem zuletzt verletzten Henri Koudossou darstellen.
Komplettiert wird das Trio durch ein Leihgeschäft mit dem FC Bayern, das unter FCN-Fans für Kritik sorgte. „Mit Javier Fernandez haben wir einen sehr spielintelligenten und talentierten Spieler dazubekommen, der unsere Optionen im Mittelfeld erweitert“, lobte der 49-Jährige den jungen Spanier. Zweifelsohne hochveranlagt, kam der 19-Jährigein den vergangenen anderthalb Jahren jedoch nur auf sieben Einsätze für die Nachwuchsteams des FC Bayern – geplagt von hartnäckigen Sprunggelenks- und Meniskusverletzungen.
Die Verletzungsanfälligkeit, die nur halbjährige Leihe – in der er nach seiner jüngsten Verletzung zunächst wieder Spielpraxis sammeln, den Zweitliga-Fußball und die Nürnberger Spielidee kennenlernen muss – sowie die fehlende Erfahrung auf Profiniveau werden kritisch gesehen. Zudem besteht die Sorge, einen Spieler für den FC Bayern auszubilden. Chatzialexiou entgegnete der Kritik: „Er wird noch etwas Anlaufzeit brauchen. Die Leute werden vielleicht im Sommer verstehen, warum wir ihn geholt haben.“
Zusätzlich zu den externen Neuzugängen nannte der Sportvorstand Piet Scobel und Marko Soldic, die sich „seit der Wintervorbereitung sehr hervorgetan haben“ und nun gezielt weiter gestärkt werden sollen.
Insgesamt fällt sein Fazit ordentlich aus: „Sicherlich ist nicht alles aufgegangen, was wir uns vorgestellt haben, aber insgesamt war es eine gute Transferphase.“
„Nicht alles aufgegangen“
Konkret bezieht sich Chatzialexiou dabei auf zwei beziehungsweise nicht erfolgte Transfers – und auf den bislang ausgebliebenen Verkauf zweier Abgangskandidaten.
Immanuel Pherai stand Medienberichten zufolge am Deadline Day unmittelbar vor einem Leihwechsel nach Nürnberg. Am Ende verlieh der Hamburger SV den kreativen Offensivspieler jedoch zur SV Elversberg, um im Gegenzug Stürmer Otto Stange zu erhalten. „Wir hatten einen Kandidaten, mit dem wir sehr weit waren, aber es hat schlussendlich nicht geklappt. Im Transfergeschäft sind viele Parteien involviert, es ist sehr dynamisch. Von anderen Kandidaten waren wir am Ende nicht vollumfänglich überzeugt“, kommentierte Chatzialexiou.
Auch für die Stürmerposition – wohl die größte Nürnberger Problemzone, um im Bild der Entschlackungskur zu bleiben – blieb ein Neuzugang aus. „Viele Vereine suchen einen guten Angreifer. Es gab tatsächlich einen Stürmer, mit dem wir uns sehr intensiv befasst haben, aber am Ende keine Einigung erzielt haben. Er wäre ein Vorgriff gewesen“, so Chatzialexiou. Nun setze man auf Piet Scobel.
Gerne hätte der Club dem Vernehmen nach zudem Benjamin Goller und Danilo Soares abgegeben. „Bislang gab es nichts, aber vielleicht ergibt sich noch etwas“, berichtete der Sportvorstand. Allerdings sind einige Transferfenster – etwa in der Türkei, in Österreich oder den Vereinigten Arabischen Emiraten – noch für wenige Tage geöffnet.
Mehr Fokus auf Charakter und Mentalität
Und ohnehin gilt: Nach dem Wintertransferfenster ist vor dem Sommertransferfenster. Chatzialexiou, der sich einen erneuten Anlauf bei Immanuel Pherai auch im Sommer vorstellen kann, wagt einen Ausblick: „Ich glaube, wir haben noch Potenziale, künftig noch gezielter auf die Charakter- und Mentalitätsebene bei der Spielerauswahl zu schauen. Mein Wunsch ist es, im Sommer einen gewissen Stamm zusammenzuhalten.“
Unterstützung bei der Vorbereitung bietet Jamestown Analytics. „Die Zusammenarbeit ermöglicht es uns, viel globaler zu arbeiten. Wir haben beispielsweise keine Scouts in Argentinien, bekommen aber durch Jamestown direkt eine passende Einschätzung auf Datenbasis“, schwärmte Chatzialexiou. So könne eine größere Anzahl an Spielern gescannt werden. Dennoch sei der Prozess noch nicht abgeschlossen: „Auch Jamestown muss den deutschen Markt erst noch kennenlernen. Wir sind da also noch lange nicht am Ende.“


