Nürnberg - Schnee, Schnee und noch mehr Schnee - das ist das aktuelle Motto in der Region. Was schön aussieht und Kindern eine spaßige Zeit beschert, sorgt bei Erwachsenen für viel Arbeit und birgt zahlreiche Gefahren.

Am Sonntagabend wirkte Nürnberg wie ein Winter-Wonderland. Leise rieselte der Schnee - Bäume, Straßen, Bänke und Autos waren vollständig in edles Weiß gehüllt. Doch in der Nacht und auch am Montag hörte es nicht auf zu schneien. Als dann zahlreiche Menschen sich auf den Weg zur Arbeit machten, wurde das Chaos spürbar. Die Straßenbahnen fielen komplett aus, Busse fuhren nur mit Einschränkungen. In Teilen Frankens fiel der Unterricht aus. Auf Autobahnen und Bundesstraßen kam es zu zahlreichen Unfällen und Staus.

Für den Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) in Nürnberg bedeutet die aktuelle Wetterlage eine hohe Auslastung. Die Räumungsarbeiten laufen aktuell fast rund um die Uhr, erklärt André Winkel, Pressesprecher des SÖR, auf Anfrage der Redaktion.

SÖR arbeitet in mehreren Schichten - Wie werden die Straßen in Nürnberg geräumt?

Begonnen haben die Räumungsarbeiten mit dem einsetzenden Schneefall am Sonntagabend, die Straßen seien zum Teil schon gesalzen worden, mehrere Großfahrzeuge seien im Einsatz gewesen.

Am Montag seien 390 Mitarbeiter, 40 große Räumfahrzeuge und 160 kleinere Fahrzeuge unterwegs. Normalerweise gäbe es laut Winkel zwei Schichten. In der aktuellen Lage sei aber der sogenannte „geteilte Dienst“ zum Einsatz gekommen. Die Schichten werden verkürzt, damit Mitarbeiter Zeit haben, sich auszuruhen. Stattdessen werden dann mehr Schichten gefahren. So geht beispielsweise um 16 Uhr eine Schicht zu Ende, die nächste beginnt dann um 17 Uhr und endet um 22 Uhr, kurz darauf soll die nächste Schicht wieder beginnen. Dieses System ermögliche dem Winterdienst, fast rund um die Uhr im Einsatz zu sein.

Die großen Räumfahrzeuge kümmern sich um die Hauptstraßen, die kleineren Fahrzeuge sind auf Nebenstraßen und Geh- und Fahrradwegen unterwegs. Mitarbeiter im Handdienst kümmern sich um Fußgängerüberwege. Einen solchen Schneefall habe es zwar schon lange nicht mehr in Nürnberg gegeben, Winkel erklärt aber, dass es auch hierzulande immer mal wieder passieren könne, damit müsse man rechnen. „Die Routinearbeit ist eingespielt und funktioniert ganz gut“, erklärt der Sprecher.

Kommt es jedoch zu größeren Unfällen, kommt es zu Beeinträchtigungen. Blockiert ein LKW beispielsweise die Fahrbahn, kommen auch Räumfahrzeuge nicht durch. Solche Straßen- oder Autobahnabschnitte können dann erst bei dem nächsten Durchgang geräumt werden.

Dachlawinen, einstürzende Carports und Äste: Welche Gefahren birgt der Schnee in Nürnberg?

Vor allem wenn Schnee nass und schwer wird, besteht Einsturzgefahr. So warnt die Feuerwehr Nürnberg in einer Pressemeldung der Stadt vor steigenden Gefahren durch Astbruch und Dachlawinen. Bei anhaltendem Schneefall und anschließend leichtem Tauwetter kann Schnee von Dächern abrutschen. Auch Carportdächer können unter dem Gewicht einstürzen, bestätigt Winkel auf Nachfrage. Bäume, Baumkronen und Äste können unter der Last nachgeben und abbrechen.

In der Pressemeldung empfiehlt die Feuerwehr daher, Parkanlagen und Wälder zu meiden. Feuerwehren im Leitstellengebiet seien aktuell damit beschäftigt, abgebrochene Äste von Straßen und Wegen zu entfernen sowie Bäume zurückzuschneiden, wenn diese drohen, umzufallen. Dies sei auch der Grund, warum der SÖR Bäume regelmäßig zurückschneiden muss, so der Pressesprecher. Im Falle von Dächern und Carports seien die Eigentümer gefragt, diese müssten dafür sorgen, die Schneemassen zu beseitigen.

Nicht endender Schneefall in Nürnberg - droht auch noch Hochwasser?

Bei so großen Schneemengen kann die Sorge vor Hochwasser entstehen. Michael Müller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg (WWA), ordnet die aktuelle Lage ein. Bis Ende der Woche seien Temperaturen um den Gefrierpunkt zu erwarten, also etwas tiefer oder etwas höher als Null. Am Donnerstag könnte es etwas wärmer werden, auch eine geringe Regenmenge sei möglich. Tritt dieses Szenario ein, könnte dies zum Abfluss führen, der Schnee könnte also langsam anfangen, zu schmelzen. Müller betont jedoch, dass die voraussichtliche Menge weit unterhalb der Meldestufe liegen würde, vorausgesetzt, der Schnee schmilzt überhaupt.

Hinzu komme, dass Gewässer aktuell deutlich unter den Mittelwasserständen liegen. Die Gewässerbetten seien daher noch wasseraufnahmefähig. Eine Hochwassergefahr bestehe daher aktuell nicht. Das WWA bewerte die Lage jedoch täglich. Besonders am Freitag würde man genauer hinsehen, um gegebenenfalls den Hochwasserdienst rechtzeitig zu informieren und Warnungen auszuschreiben. Bürgerinnen und Bürger würden im Falle einer Gefahr somit rechtzeitig gewarnt werden.

Bei anhaltendem Schneefall sei nicht nur die Menge wichtig, erklärt Müller. Stattdessen müsse darauf geachtet werden, wie schnell die Schneemassen schmelzen. Passiert das langsam und über die Zeit verteilt, besteht keine Gefahr. Gibt es jedoch einen drastischen Temperatursprung und der Schnee beginnt schlagartig zu schmelzen, ändert sich die Situation. Aus diesem Grund beobachtet das WWA die Lage, um im Fall der Fälle rechtzeitig einzugreifen.