Nürnberg - In den Sozialen Medien rühmen sich gerade einige Amerikaner damit, einen neuen Trend für die Gesundheit und ein gutes Raumklima gefunden zu haben: das Stoßlüften. Gerade unter den Deutschen ist die Verwunderung groß.

Wenn man die Frage stellt, wofür die Deutschen weltweit bekannt sind, dann lauten die Antworten wohl am ehesten für Brot, Pünktlichkeit und vielleicht weniger schmeichelhaft für Spießigkeit. Doch nun erobert eine weitere deutsche Sitte die USA und vor allem das Netz.

Unter dem Stichwort „house burping“ (zu deutsch etwa „Haus-Rülpsen“) reißen gerade viele Menschen in den USA ihre Fenster auf. Sie teilen Videos vom Lüften in den Sozialen Medien, beschreiben es als neuen Trend, der Krankheiten fern hält. Sogar Nachrichtensender berichten über die Gewohnheit für ein gesundes Zuhause. Influencer und Moderatoren mühen sich an der Aussprache des Wortes „Lüften“ ab.

Die Erfahrungsberichte sind voll des Lobes. Die frische Luft tue gut. In machen Videos wird es gar als „mom hack“ gehandelt, also als besonderes verlässlicher Ratschlag. Ein gewisser Grad der Verwunderung scheint vor allem darüber zu bestehen, dass die Fenster auch bei eisigen Temperaturen für einige Minuten geöffnet werden.

In einem Video auf TikTok von nbcNews erklärt ein sogenannter Experte für Innenraumluftqualität, die Praxis hätte echte Vorteile, ließe sich so doch Schimmel vermeiden und Co2 in der Luft reduzieren. In Deutschland kann man darüber nur müde schmunzeln, immerhin weiß das jedes Kind. Sogar des Bundesministerium für Gesundheit gibt auf der Webseite Tipps, wie es mit der frischen Luft in den vier Wänden am besten klappt. Im Sommer empfiehlt das Ministerium 20 bis 30 Minuten Stoßlüften, im Winter fünf bis zehn Minuten. Durchgeführt werden sollte das Ganze am besten mehrmals täglich und bei abgedrehten Heizkörpern.

@agoeman Also called Stoßlüften - lmk if you practice this! #winter #Stoßlüften ♬ original sound - Aimee Goeman

Lüften spielt in Deutschland eine besondere Rolle. In Mietwohnungen ist es sogar Pflicht, denn die Mieter haben eine Obhutspflicht und diese umfasst eben auch richtiges Heizen und Lüften - selbst und vor allem im Winter. Während der Corona-Pandemie sagte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel sogar, Lüften sei die billigste und wirksamste Maßnahme zur Bekämpfung des Virus.

Entsprechung groß ist die Verwunderungen in den Kommentaren bei Social Media, dass die Amerikaner das Lüften jetzt erst für sich zu entdecken scheinen. Jemand fragt: „Was taten die Amerikaner zuvor mit ihren Fenstern?“ Andere schreiben: „Ich dachte, es wäre eine ganz normale Sache.“ Ein User postet ein Foto eines geöffneten Dachfensters und schreibt dazu: „Auf keinen Fall kann das nicht normal sein in den USA. Wie lüftet ihr eure Häuser? Wie riechen eure Häuser?“ Nicht ganz ernst gemeint schlägt eine Userin vor: „Lasst uns Wasser trinken zum nächsten Trend machen.“

Es ist nicht da erste Mal, dass deutsche Gewohnheiten in den USA Beliebtheit erlangen. Auch der Verdauungsspaziergang nach dem Essen und die kalte Brotzeiten schafften es schon zum Social Media Hype und in amerikanische Haushalte.