
Der Januar ist der Monat der guten Vorsätze. Weniger Alkohol, mehr Sport, gesündere Ernährung, mehr Schlaf: Die Liste der Dinge, mit denen man dem Körper etwas Gutes tun kann, ist lang. Immer mit dabei: der innere Schweinehund, den es zu überwinden gilt. Ebenso beliebt unter den Neujahrsvorsätzen: weniger Zeit am Handy verbringen, weniger scrollen durch die Sozialen Medien, dafür die Zeit bewusster verbringen, vielleicht mal wieder ein Buch lesen. Doch auch das ist gar nicht so einfach, liegt das Smartphone doch meist nur einen Handgriff entfernt, lässt sich doch über die kleinen Video-Clips bei Instagram und TikTok so herrlich lachen – und schwupps ist eine Dreiviertelstunde vergangen.
Einer aktuellen Umfrage zum Start ins Jahr 2026 der FOM Hochschule in Essen zufolge, geben 39 Prozent der Befragten aus der sogenannten Gen Z (18 bis 28 Jahre) an, weniger Zeit in den Sozialen Medien verbringen zu wollen.
Generell liegen gute Vorsätze im Trend – insbesondere bei jungen Menschen. Einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit zufolge, haben sich 63 Prozent der 14- bis 29-Jährigen für das laufende Jahr Ziele gesetzt. Das bedeute einen Anstieg um sieben Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Der DAK-Erhebung zufolge, gibt sogar jeder Zweite unter den 14- bis 29-Jährigen an, weniger online sein zu wollen.
Der Neujahrsvorsatz lässt bereits ein gewisses Problembewusstsein erkennen, denn tatsächlich zeigt eine Studie von YouGov und der Hochschule Makromedia, dass generationsübergreifend 15 Prozent der Befragten typische Anzeichen für eine Social Media Sucht zeigen. Besonders ausgeprägt ist dies bei der Generation Z (18 bis 28 Jahre) und den Millenials (29 bis 44 Jahre) mit 25 beziehungsweise 26 Prozent. Bei der Generation X (45 bis 60 Jahre) zeigen zwölf Prozent problematische Verhaltensmuster, bei den Baby Boomern (61 bis 79 Jahre) sind es fünf Prozent. Wichtig sei, zwischen Sucht und Vielnutzung zu unterscheiden.
Im November 2025 veröffentlichten die Ruhr-Universität Bochum und das Deutsche Zentrum für psychische Gesundheit Zahlen dazu, wie viel Zeit Menschen täglich auf Social Media verbringen, und die lassen aufhorchen: Im Schnitt liegt die Nutzungsdauer zwischen drei und vier Stunden pro Tag. Befragt wurden 22.000 Menschen ab 18 Jahren. Bei den unter 20-Jährigen liegt die tägliche Nutzungsdauer bei vier Stunden. Auch diese Studie bestätigt: Rund ein Drittel der Nutzenden – bei jüngeren Personen sogar die Hälfte – zeigt ausgeprägte suchtartige Symptome. Die derart hohen Stundenzahlen sind insofern nicht weiter verwunderlich, als dass Plattformen wie TikTok und Instagram genau so designt sind, dass sie die Nutzenden möglichst lange halten.
Neujahrsvorsatz Digital Detox: So kann der Verzicht gelingen
Was hilft nun, um das Digital Detox wirklich durchziehen und erfolgreich in den Alltag integrieren zu können? Zunächst heißt es: Bewusstsein schaffen. Dabei kann es helfen, die Bildschirmzeit zu tracken, um sich bewusst zu machen, wie viel Zeit man wirklich mit den Apps verbringt. An vielen Stellen wird dann dazu geraten, bewusst Smartphone-freie Räume oder Zeiten zu definieren. So kann man beispielsweise das Schlafzimmer als handyfreie Zone deklarieren oder das Smartphone die erste Stunde nach dem Aufstehen noch bewusst links liegenlassen.
Auch technische Unterstützung kann helfen. Die Smartphones selbst bieten die Möglichkeit, Zeitlimits für die Nutzung von Apps zu definieren. Endet das abgesteckte Zeitfenster, zeigt sich ein Sperrbildschirm, der allerdings überstimmt werden kann. Auch das Abschalten von Push-Mitteilungen könne helfen.
Der App-Entwickler Frederik Riedel entwickelte mit „One Sec“ eine weitere Kontrollinstanz. Bevor sich die Social-Media-App öffnet, erscheint ein Bildschirm, der zum Durchatmen einlädt. Nach ein paar Sekunden werden die Nutzenden gefragt, ob sie die App wirklich nutzen wollen.
Das sogenannte Digital Detoxing, also das digitale Entgiften, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Trend entwickelt. So teilt beispielsweise Influencer Leon Labu mit seinen knapp 150.000 Followern und Followerinnen bei Instagram, wie er neue Beschäftigungen entdeckt, um weniger Zeit am Handy zu verbringen. Er verschönert seinen Fahrradhelm, schreibt Tagebuch, macht eine Stunde lang gar nichts oder geht fechten. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass er seine Erfahrungen zum Digital Detox gerade in den Sozialen Medien teilt.
