
Nach dem plötzlichen Tod ihres Parteivorsitzenden Hubert Aiwanger wollen die Freien Wähler aus Bund und Land an diesem Wochenende gemeinsam Abschied nehmen. Bei einem Treffen in München wolle man gemeinsam trauern, das sei der Wunsch von so vielen, sagte der Generalsekretär der Freien Wähler Bayern, Hans Martin Grötsch, der Deutschen Presse-Agentur. Auch Landtagsabgeordnete und Landräte sollten dabei sein.
Personaldebatten oder gar -entscheidungen solle es aber bei dem Treffen nicht geben, stellte der Generalsekretär klar und betonte: „Wir werden jetzt keine solche Debatte führen.“ Das wäre jetzt zu früh und der „völlig falsche Zeitpunkt“. Auch ein Sprecher der Freien Wähler auf Bundesebene erklärte, es gehe höchstens um organisatorische Fragen oder mögliche Zeitachsen.
Ministerium will nach Aiwangers Tod „bruchlos“ weitermachen
Im bayerischen Wirtschaftsministerium soll es nach dem Tod von Aiwanger eine „bruchlose Übergabe“ geben. „Wir werden unsere Arbeit fortsetzen. Ich glaube auch, dass das genau das ist, was Hubert von uns erwartet hätte“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler) bei einer Pressekonferenz in München. Gotthardt wird zunächst die Amtsgeschäfte und das Ministerium leiten, bis formal ein Nachfolger für Aiwanger bestimmt ist.
„Ich merke am Feedback der Mitarbeiter: Es fehlt nicht bloß der Chef, es fehlt ein großer Mensch“, sagte Gotthardt sichtlich erschüttert und mit den Tränen kämpfend. Amtschefin Sabine Jarothe sagte: „Es ist eine Riesenlücke, die wir noch nicht fassen können.“
Gotthardt erfuhr in Singapur von Aiwangers Tod
Zum Zeitpunkt der Todesnachricht war Gotthardt noch in Singapur auf einer Delegationsreise. Er habe dann umgehend beschlossen, zurückzukehren, und den nächstmöglichen Flug genommen. Um halb sieben in der Früh sei er angekommen und „dann direkt ins Ministerium“. Dort habe er zahllose Gespräche geführt. Jarothe sagte: „Wir wissen auch, das hätte auch unser Minister so gewollt, es muss weitergehen.“ Gotthardt genieße das volle Vertrauen der ganzen Belegschaft. „Wir unterstützen ihn vollumfänglich in der Arbeit, die jetzt fortgesetzt werden muss.“
Fünf Punkte für die Wirtschaft ganz im Sinne Hubert Aiwangers
Weitergehen soll es im Wirtschaftsministerium erst einmal ganz in der Linie des verstorbenen Ministers. Ziel sei es, Verantwortung zu übernehmen und der bayerischen Wirtschaft weiterhin Verlässlichkeit zu garantieren, sagte Gotthardt. „Es wird nichts, was begonnen wurde, irgendwo stoppen oder sich verzögern.“ Und man werde unvermindert die starke Stimme Bayerns auf Berliner und Brüsseler Ebene sein. „Wir werden da starkes Sprachrohr für die bayerische Wirtschaft sein“, sagte der Wirtschaftsstaatssekretär.
Aiwanger war am Mittwoch leblos in einem Hotelzimmer in Berlin gefunden worden. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion starb der 55-Jährige ohne Fremdverschulden, wie die Staatsanwaltschaft in Berlin mitteilte. Es stünden allerdings noch weitere gerichtsmedizinische Untersuchungen an.