München/Berlin - Hubert Aiwanger war das Gesicht der Freien Wähler in Bayern und bundesweit. Für die CSU war er ein meist verlässlicher Koalitionspartner - abseits seiner Partei aber auch umstritten. Nun ist er tot.

Bayerns Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ist tot. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus hochrangigen Regierungskreisen in Bayern. Zuvor hatte die „Bild“ berichtet.

Aiwanger wurde nach dpa-Informationen tot in einem Berliner Hotelzimmer entdeckt. Am Nachmittag hätte er bei der Eröffnung eines Hauptstadtbüros der Freien Wähler, deren Bundes- und Landesvorsitzender er ist, eine Rede halten sollen. Er habe sich aber aus gesundheitlichen Gründen abgemeldet und vertreten lassen, hieß es. Später sei er dann nicht mehr erreichbar gewesen und sei schließlich leblos in seinem Zimmer entdeckt worden. Wie der Tagesspiegel berichtet, soll es derzeit keine Hinweise auf Fremdverschulden geben.

Aiwanger wurde 55 Jahre alt. Der Niederbayer hatte zwei Kinder und lebte mit der Freie-Wähler-Landrätin Tanja Schweiger zusammen. Mit ihm verlieren die Freien Wähler ihren markantesten und sicher auch streitbarsten Kopf.

Geboren wurde Hubert Aiwanger am 26. Januar 1971. Er wuchs als Sohn eines Landwirts in Rahstorf bei Rottenburg an der Laaber auf, mit einem ein Jahr älteren Bruder und einer zehn Jahre jüngeren Schwester. Nach dem Abitur 1990 am Burkhart-Gymnasium in Mallersdorf-Pfaffenberg und dem Grundwehrdienst studierte er von 1991 bis 1995 in Weihenstephan Landwirtschaft und schloss als Diplom-Agraringenieur (FH) ab.

Große Siege gefeiert

Seine politische Laufbahn begann 2001, als er sich den Freien Wählern anschloss. Bei der Kommunalwahl 2002 scheiterte seine Kandidatur für den Stadtrat von Rottenburg zunächst, im März 2006 wählten ihn die Freien Wähler dann aber zum Landesvorsitzenden. 2008 zog Aiwanger mit den Freien Wählern erstmals in den bayerischen Landtag ein und wurde deren Fraktionschef. Zehn Jahre später, 2018, schmiedeten CSU und Freie Wähler eine Koalition. Aiwanger wurde Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident.

Erst bei den bayerischen Kommunalwahlen im Frühjahr hatten die Freien Wähler unter Aiwangers Führung noch große Siege gefeiert und der CSU viele Landrats-Posten abgejagt. Im Gegensatz zu seinen politischen Erfolgen in Bayern blieb Aiwanger aber ein großes politisches Ziel verwehrt: der Einzug seiner Partei in den Bundestag.