
Der Circus Krone ist nach eigenen Angaben der größte Zirkus der Welt. Er wurde im Jahr 1905 von Carl Krone im Harz unter dem Namen „Circus Charles als Tierschau“ gegründet. Auch wenn sich der Name inzwischen verkürzt hat, die Tierschau ist nach wie vor fester Bestandteil des Unterhaltungsprogramms bei Circus Krone, was bei Tierschützern für viel Kritik sorgt. Circus Krone gastiert noch bis Mitte November in Nürnberg. Aktivisten nehmen das zum Anlass, am Freitagabend gegen Tiershows bei Krone zu protestieren. Der Zirkus selbst hält die Kritik in ihrem Fall für unangebracht und weist alle Vorwürfe zurück.
PETA wirft Zirkus Ausbeutung und Tierleid vor
„Das Geschäftsmodell des Zirkus basiert auf der Ausbeutung, Erniedrigung und Freiheitsberaubung von Lebewesen zu Profitzwecken“, lautet der konkrete Vorwurf seitens der Tierschutzorganisation PETA. Sie argumentieren das unter anderem mit qualvoller Dressur, andauerndem Platz- und Bewegungsmangel und damit verbundenen Verhaltensstörungen.
Und auch Belege können die Tierschutzaktivisten laut eigener Aussage dafür vorweisen. In einer Pressemitteilung an unserer Redaktion findet sich Videomaterial. In diesem sieht man unter anderem Löwen, die aggressiv auf ihren Dompteur in der Zirkusmanege reagieren, scheuend umherlaufende Pferde und der Einsatz von Peitschen und Stöcken gegen die Tiere. Whistleblower-Aufnahmen von der „Krone-Farm“ im bayerischen Weßling dokumentieren die Dressur von Großkatzen, welche laut den Tierschützern sichtbare Anzeichen von Angst und Stress zeigen. Ein weiteres durch PETA veröffentlichtes Video von der Tour-Premiere in 2025 auf der Münchner Theresienwiese zeigt unter anderem Großkatzen, die mit lautem Peitschenknallen „eingeschüchtert“ werden.
Neben der Dressur ist ein weiterer Kritikpunkt an Circus Krone die Tierhaltung: In der Regel seien die Löwen und Tiger in einem kleinen Hinterhof des Münchner Winterquartiers untergebracht, so PETA. Auch während der Tournee seien die Tiere meist auf engstem Raum eingesperrt.
Über viele Jahre hinweg gab es diverse wechselseitige Anzeigen, Unterlassungsklagen und Gerichtsverfahren, unter anderem bezüglich Undercover-Aufnahmen, Meinungsäußerungen wie „Circus Krone quält Tiere“ oder behördlichen Kontrollen des Stammquartiers in München. Ältere Ermittlungsverfahren gegen den Zirkus wurden teils eingestellt, weil man keine Verstöße gegen das geltende Tierschutzgesetz feststellen konnte. Dieses müsse laut Tierschutzaktivisten eine Haltung von Wildtieren zu Profitzwecken jedoch gänzlich ausschließen.
Wildtier-Verbot in Zirkussen europaweit verbreitet
Genau deshalb fordern Tierschutzaktivisten eine Anpassung des Tierschutzgesetzes in Hinblick auf Zirkusse und wünschen sich, dass Deutschland sich ein Beispiel an vielen europäischen Nachbarn nimmt: Über 25 europäische Länder, darunter Frankreich, Österreich, die Niederlande, Belgien und Großbritannien, haben die Haltung und das Mitführen von Wildtieren in Zirkussen bereits ganz oder teilweise gesetzlich verboten. In Frankreich greift das vollständige Verbot für wandernde Wildtiere schrittweise bis 2028.
„Tiere gehören zur Familie“: Circus Krone weist Tierleid-Vorwürfe zurück
Der Zirkus weist die Vorwürfe seit Jahren entschieden zurück und betont, dass die Tiere gut versorgt würden und er die gesetzlichen Mindeststandards für die Wildtierhaltung in Zirkusbetrieben teils übertreffe. Begründet wird dies laut eigener Aussage mit der „optimalen Ausgestaltung der Gehege“. Konkret werden erhöhte Liegeflächen, Rückzugsmöglichkeiten und deutlich mehr Platz pro Tier als gesetzlich vorgegeben. Beim Transport setze man auf luftgefederte Fahrzeuge. Zudem beruft sich Circus Krone darauf, dass diese Umstände durch die örtlichen Behörden regelmäßig kontrolliert würden. Der Circus Krone hält derzeit fünf Elefanten, 30 Löwen und Tiger, einen Esel, ein Flusspferd, fünf Lamas, vier Kamele, drei Zebras, ein Wildschwein, fünf Ponys und 37 Pferde.
Man sei der einzige Zirkus, der zum Wohle der Tiere mit doppelter Stallung auf Tournee gehe. Das sorge dafür, dass die Behausung am neuen Spielort schon aufgebaut werden kann, während die Tiere noch unterwegs sind und diese sofort nach Ankunft dort einziehen können, ohne vor Ort noch auf den Aufbau zu warten. Auch der Kritikpunkt Platzmangel wird in der Online-Broschüre zurückgewiesen: Die Tiere würden in freier Wildbahn nur deshalb viele Kilometer zurücklegen, um genügend Nahrung zu bekommen. Da die Großkatzen im Zirkus gefüttert werden, sei dies nicht notwendig und sie würden, entsprechend ihres natürlichen Verhaltens, ohnehin 18 bis 20 Stunden schlafen.
„Unsere Tiere gehören zur Familie“, sagt Direktorin Jana Mandana Lacey-Krone in einem Flyer zum Thema auf der Webseite ihres Zirkusses. Man sehe kein Problem in der Haltung von Wildtieren für Shows in Zirkussen und hoffe, dass man mit seiner Art der Wildtierhaltung auch anderen Zirkussen ein Vorbild sein könne.
Kritik an der Haltung von Wildtieren für Zirkussen aus der Bevölkerung würden aus „Fehlern stammen, die in der Vergangenheit gemacht wurden“. Als Beispiel dafür wird der Einsatz von wildgefangenen Elefanten im Zirkus genannt. Dieser ist seit langem verboten.
Protestaktion in Nürnberg geplant
Tierschutzaktivisten sehen eine artgerechte Haltung der Wildtiere im Rahmen eines Zirkusprogramms trotz aller Bemühungen als nicht vereinbar mit dem Tierwohl. Deshalb wird es eine Protestaktion in Nürnberg geben.
Am Freitagabend (30. Oktober 2026) treffen sich die Demonstranten ab 18.50 Uhr vor dem Circus Krone am Volksfestplatz am Dutzendteich.
„Mit unserer Aktion appellieren wir an Circus Krone, die Tiere endlich an Lebenshöfe, zoologische Einrichtungen oder geeignete Auffangstationen abzugeben und sie nicht länger quer durchs Land zu karren. Mit einem tierfreien Programm könnte ihnen ein sicheres und artgerechtes Leben ermöglicht werden“, heißt es in der Ankündigung.
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