Nürnberg - Der FCN muss den Verlust mehrerer Leistungsträger hinnehmen und verliert sein erstes Saisonspiel. Beginnt jetzt der Rückfall ins Mittelmaß? Nicht unbedingt: Warum sich die Fans noch keine (großen) Sorgen machen müssen.

Die erste schlechte Nachricht erfasste die Club-Community Ende September, als der Verein mitteilte, dass sich Ballverteiler Finn Becker in der Länderspielpause einer Meniskus-Operation unterziehen würde. Für ihn dürfte das Jahr 2026 auf dem Platz beendet sein, denn er droht wohl länger auszufallen, als ursprünglich gehofft. Schon ging es einem unweigerlich durch den Kopf: Ist der Siegeszug des 1. FC Nürnberg beendet, hängt die Offensive ohne ihren Regisseur? Die Antwort gab der Club eindrucksvoll beim wilden 4:4 gegen Wolfsburg - keineswegs.

Kreativität und Durchschlagskraft generiert die Klose-Truppe auch ohne ihre Mittelfeld-Schaltzentrale. Dann am 16. Oktober beim Gastspiel in Cottbus der nächste Schock: Top-Torjäger Mohamed Ali Zoma muss verletzt raus. Die ausgekugelte Schulter wird operiert, auch für ihn ist die Hinrunde wohl beendet. Wieder die Frage, wird der FCN diesen herben Verlust verkraften? Und wieder verblüfft die Mannschaft alle kritischen Beobachter: Beim folgenden Flutlicht-Highlight gegen Kaiserslautern zählen die Statistiker eindeutige Werte. 65 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, elf Ecken und insgesamt 27 Torschüsse.

Der Club kann auch ohne Zoma gefährlich werden. Doch am Ende steht diesmal die erste Saisonniederlage. Spielerisch kann man der Klose-Elf kaum Vorwürfe machen - abseits der Chancenverwertung und der Unaufmerksamkeit beim entscheidenden Gegentreffer. „Allein ich muss ein oder zwei Tore machen, ich ärgere mich natürlich“, sagte ein enttäuschter Piet Scobel nach dem Spiel. Dazu kommt der Ausfall der dritten wichtigen Säule im Nürnberger Spiel: Innenverteidiger Fynn Otto war in Durchgang eins so unglücklich gestürzt, dass er kurz darauf mit großen Schmerzen am Knie vom Platz musste.

Ist die erste Pleite seit rund sechseinhalb Monaten und saisonübergreifend 13 Ligaspielen sowie einem Pokalauftritt also der Auftakt zur Rückkehr ins Mittelmaß? Julian Justvan kontert: „Aktuell sehe ich die Gefahr eines Rückfalls nicht“. Auch sein Trainer will davon noch nicht sprechen: „Wir wissen, dass Fußball ein Ergebnissport ist, aber für mich geht es auch darum, wie die Jungs Fußball spielen.“ Für die These von beiden spricht nicht nur die Frühform, sondern der weiterhin ausgeprägte Offensivdrang des FCN. Piet Scobel hat zudem schon bewiesen, dass er auch eiskalt vor dem Tor sein kann, steht immerhin schon bei fünf Saisontoren. Mut dürfte auch machen, dass Klose noch am Abend „ein bisschen Entwarnung“ im Fall Otto geben konnte. Am Sonntag absolvierte der Abwehrspieler ein individuelles Programm. Ein längerer Ausfall soll nicht drohen.

Am Mittwoch darf sich der Club in der zweiten DFB-Pokalrunde bei Bayer Leverkusen präsentieren. Ob Otto zum Anpfiff um 20.30 Uhr schon wieder auf dem Platz stehen kann, ist fraglich - die Rolle des FCN dagegen nicht. Gegen den Bundesligisten kann der „Ruhmreiche“ als Underdog psychologisch nur gewinnen, ein Einzug in Runde drei wäre zwar überraschend, aber auch ein neuer Wendepunkt für die verletzungsgeplagte Truppe.

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