
Ein Zug nähert sich, zwei Männer steigen aus ihrem Auto und spannen rot-weißes Flatterband über die Straße. Ist die Regionalbahn durchgefahren, räumen sie die Absperrung wieder weg. Was nach einer ungewöhnlichen Notlösung klingt, ist am Bahnübergang an der B2 in Igensdorf im Landkreis Forchheim seit Wochen Alltag.
Die Situation sorgt bei Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern für Verwunderung. Seit dem 10. September ist die Lichtzeichenanlage an dem Bahnübergang außer Betrieb. Statt einer automatischen Sicherung übernehmen Mitarbeiter der Deutschen Bahn die Aufgabe von Hand – und das im Schichtbetrieb von frühmorgens bis Mitternacht.
Bahnmitarbeiter sichern Bahnübergang in Franken seit Wochen mit Absperrband
Wie RTL berichtet, sind die beiden Mitarbeiter etwa zweimal pro Stunde gefordert. Nähert sich ein Zug, müssen sie die Straße mit Flatterband und Warnschildern sichern. Erst wenn die Bahn den Übergang passiert hat, können sie die Absperrung wieder entfernen. Dazwischen warten die Männer im Auto auf die nächste Durchfahrt.
Der Grund für das Provisorium ist nach Angaben der Deutschen Bahn ein technisches Problem: Die benötigten Ersatzteile für die verbaute Anlage seien nicht mehr auf dem Markt erhältlich, heißt es in einem Statement gegenüber Focus online. Eine einfache Reparatur scheidet deshalb vorerst aus.
Eric Schöne, Experte für Bahnübergangssicherheit, erklärte gegenüber RTL, warum sich daraus ein größeres Problem ergeben kann: „Diese Ersatzteilbeschaffung funktioniert nicht so gut. Dann muss man natürlich das Ding komplett neu bauen.“
Und so ein Austausch der gesamten Technik kann deutlich aufwendiger sein als der bloße Wechsel eines defekten Bauteils. Laut Schöne muss in solchen Fällen in der Regel auch der gesamte Kreuzungsbereich umgebaut werden.
Das sagt die Deutsche Bahn zum ungewöhnlichen Provisorium
Die DB arbeite mit Hochdruck an einer Lösung, teilte das Unternehmen laut Focus online weiter mit. Derzeit werde ein Abstimmungstermin zwischen der Deutschen Bahn und den zuständigen Behörden vorbereitet. Dabei solle die künftige Ausgestaltung des Bahnübergangs erörtert werden. Wann die endgültige Lösung umgesetzt werden kann, ist bislang offen.
Das ungewöhnliche Vorgehen sorgt vor Ort für unterschiedliche Reaktionen. Gegenüber RTL äußerten Passanten Unverständnis darüber, dass ein Bahnübergang über Wochen auf diese Weise gesichert werden muss. Andere zeigten Mitgefühl mit den Mitarbeitern, die bei jeder Zugdurchfahrt aussteigen und die Absperrung auf- und wieder abbauen müssen.
Die Deutsche Bahn verweist darauf, dass eine vorübergehende Sicherung durch Personal bei defekter Bahnübergangstechnik auch andernorts vorkommt. Gegenüber RTL erklärte das Unternehmen, eine solche Lösung sei bundesweit in Einzelfällen üblich.
Bis die technische Lösung für Igensdorf gefunden und umgesetzt ist, bleibt es bei der manuellen Sicherung. Für die Bahnmitarbeiter heißt das weiterhin: warten, aussteigen, absperren – und nach der Zugdurchfahrt wieder von vorn beginnen.
Eine ähnlich kreative Notlösung wurde auch im vergangenen Jahr auf dem Augsburger Weihnachtsmarkt gefunden: Hier mussten 350-Kilo schwere Poller per Hand aus dem Weg geräumt werden.


