Nürnberg - Neue Umfrage: Jeder dritte Gast geht mindestens einmal pro Woche aus. Wer zum Essen geht, gibt häufig auch anderswo Geld aus. Für die Branche bleibt die Lage dennoch angespannt – auch in Franken.

Ein Abendessen mit Freunden, das Stammlokal um die Ecke, die Geburtstagsfeier der Familie: Für viele Menschen in Deutschland gehört der Restaurantbesuch zum Alltag. Das zeigt eine Umfrage, die der Reservierungsanbieter OpenTable im Sommer 2026 unter Gästen und Beschäftigten der Gastronomie durchführen ließ und nun ausgewertet und veröffentlicht hat.

Demnach besucht rund ein Drittel der Befragten (33 Prozent) mindestens einmal pro Woche ein Restaurant, eine Kneipe, eine Bar oder ein Café in der Nähe. 99 Prozent halten solche Betriebe für unverzichtbar für ihre Gemeinschaft. Die Zahlen gelten bundesweit, konkrete Auswertungen für Franken oder Bayern liegen nicht vor.

Besuch in der Gastronomie lässt auch Geld an anderer Stelle fließen

Ein Restaurantbesuch bleibt laut Umfrage oft nicht ohne Folgen für die Umgebung: 56 Prozent der Befragten geben vor oder nach dem Essen auch bei anderen Betrieben Geld aus, etwa beim Einkaufen, im Kino oder in der Bar. Im Schnitt sind das 119 Euro. Bei der Generation Z liegt dieser Wert bei 150 Euro, bei den Millennials bei 122 Euro.

Nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga arbeiten rund 2,2 Millionen Menschen im deutschen Gastgewerbe. 83 Prozent der befragten Betreiber sagen, dass ihr Lokal für die örtliche Wirtschaft wichtig sei. „Restaurants sind eine treibende Kraft für Innenstädte und bieten weit mehr als Essen und Trinken. Die Gastronomie schafft Arbeitsplätze, kurbelt die lokale Wirtschaft an und prägt das Gemeinschaftsleben und die Lebensqualität. Wer die Gastronomie stärkt, stärkt damit auch die lokale Wirtschaft und das gesellschaftliche Miteinander“, betont in diesem Zusammenhang Marilena Körner, Head of Policy and Communications beim Bundesverband der Systemgastronomie e. V. „Das ist wie eine Kettenreaktion, die Restaurants für die Gemeinschaften in ihrer Umgebung so wertvoll macht“, ergänzt Thomas Bergmann, Director of Restaurant Sales & Services bei OpenTable Deutschland.

Gastronomie ist nicht nur Treffpunkt, sondern auch Stimmungsaufheller

88 Prozent der Befragten meinen, dass lokale Gasthäuser oder Restaurants und Cafés das Gemeinschaftsgefühl stärken. 40 Prozent nutzen sie, um Freunde und Familie zu treffen, 30 Prozent feiern dort wichtige Anlässe. 85 Prozent sagen, ein Besuch steigere ihr persönliches und soziales Wohlbefinden. Für 72 Prozent macht gutes Essen ein Lokal zum Favoriten, für 70 Prozent freundliches Personal. Auch Restaurants investieren darin, ihre Gäste kennenzulernen. 70 Prozent der befragten Restaurantmanagerinnen und Restaurantmanager sagen, dass ihre Mitarbeitenden die übliche Bestellung ihrer Stammgäste kennen und 61 Prozent von ihnen ihre Stammgäste mit Namen begrüßen.

Die Kehrseite: No-Show-Gebühren gegen leere Tische

Zugleich bleibt das Problem der sogenannten No-Shows: 78 Prozent der Befragten wissen, dass nicht abgesagte Reservierungen Wirten erheblich schaden können. Trotzdem gibt mehr als jeder Vierte (26 Prozent) an, im vergangenen Jahr mindestens einmal ohne Absage nicht erschienen zu sein. Überhaupt hoffen die Gastronominnen und Gastronomen, dass Gäste Reservierungen bei geänderten Plänen anpassen oder stornieren, damit der Tisch neu vergeben werden kann. Einige Betriebe verlangen inzwischen eine No-Show-Gebühr von Gästen, die nicht auftauchen.

Die Gastronomie-Branche steht unter Druck

Die Umfrage fällt in eine schwierige Zeit für die Gastronomie. Laut Statistischem Bundesamt lag der reale Umsatz im Gastgewerbe im ersten Quartal 2026 um 5,1 Prozent unter dem Vorjahr, nominal gab es ein Plus von 2,1 Prozent. Der Dehoga Bayern verweist auf gestiegene Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten und auf preissensiblere Gäste. Viele Betriebe arbeiteten „betriebswirtschaftlich am Limit“.

Laut Bayerischem Landesamt für Statistik stellt sich in Bayern die Lage beim Wirtshaussterben besonders dramatisch dar. Zwar galt der Freistaat lange Zeit als verhältnismäßig stabil im Bundesvergleich, doch die Pleitewelle hat die bayerische Gastronomie seit 2024 mit voller Wucht erfasst, so die Statistiker. Laut deren aktuellen Daten stieg die Zahl der Insolvenzverfahren im bayerischen Gastgewerbe von 2024 auf 2025 um astronomische 47,7 Prozent. Die nackten Zahlen für den Freistaat: Während es 2024 noch 262 eröffnete Insolvenzverfahren waren, ergibt sich für 2025 mit 387 eröffneten Insolvenzverfahren ein Plus von fast der Hälfte. Auch im ersten Halbjahr 2026 bricht dieser Trend nicht ab: Mit bereits 202 Verfahren in den ersten sechs Monaten machen Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe aktuell 11,4 Prozent aller bayerischen Firmenpleiten aus.

OpenTable selbst meldet für die über seine Plattform reservierenden Gäste in Deutschland ein Plus von neun Prozent im Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 gegenüber dem Vorjahr. Das betrifft allerdings nur Online-Reservierungen bei den Partnerbetrieben des Anbieters und lässt keinen Rückschluss auf die gesamte Branche zu.

Zur Umfrage: Ripple Research befragte im Auftrag von OpenTable vom 28. Juli bis 4. August 2026 online 1.511 Gäste und 307 Beschäftigte der Gastronomie in Deutschland (Fehlermarge ±2,52 Prozentpunkte).