Nürnberg - Mehr Tradition geht nicht: Zuhause gegen den FCK steht für den Club schon das nächste Flutlichtduell an. Das Defensivbollwerk der Pfälzer zu knacken, könnte sich ohne den verletzten Zoma als echte Mammutaufgabe erweisen.

Fußball ist ein komisches Spiel. Im Vergleich zur vergangenen Saison hat FCK-Trainer Torsten Lieberknecht nämlich gar nicht allzu viel verändert. Auch die Pfälzer Startelf dürfte gegen den Club immerhin acht Akteure aufweisen, die nicht erst seit Sommer für die Roten Teufel kicken. Für die mitunter biederen Darbietungen seiner Mannschaft musste Lieberknecht, dessen Zielvorgabe mit der intern anvisierten Bundesliga-Rückkehr recht klar gesteckt war, reichlich Kritik einstecken. Letztlich sprang ein gerade so annehmbarer sechster Tabellenplatz heraus. Nicht weniger, aber schon gar nicht mehr, nachdem man sich frühzeitig aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet hatte.

Inzwischen weht ein anderer Wind in Kaiserslautern, ein erfolgreicherer. Immerhin rangiert der Traditionsverein derzeit auf Platz vier, nur drei Zähler hinter dem mittelfränkischen Pendant. Beim Quervergleich mit dem Club sind einige Parallelen zudem schwer von der Hand zu weisen. Statt eines erneuten Umbruchs entschieden sich die Verantwortlichen an beiden Standorten für Kontinuität auf der Trainerbank und hielten die Anzahl an Transferbewegungen relativ gering. Der Kern also ist weitgehend derselbe wie noch im Vorjahr.

FCK: Plötzlich Defensivbollwerk

Auch das taktische Fundament hat sich nicht grundlegend verändert. Der FCK agiert nach wie vor aus einer defensiven Dreierkette heraus, vor der sich zwei Achter in Stellung bringen. Eine Neuerung ist indessen, dass man sich für eine höhere Positionierung der beiden Schienenspieler entschied, wie Lieberknecht im Podcast FROM COACH TO COACH preisgab. Vorne setzt Kaiserslautern auf zwei dribbelstarke Kreativspieler, die sich primär in den Halbspuren aufhalten sollen. Eine klassische Neun komplettiert das Pfälzer 3-4-3 bzw. 3-4-2-1 oder auch 3-Box-3.

Gemessen daran, dass Lieberknecht nur drei offensive Startelfmandate vergibt, verfügt der Trainer-Routinier über zahlreiche Kaderoptionen. Für Kapitän und Leitwolf Marlon Ritter etwa war zuletzt kein Platz mehr in der Anfangself. Nun drängt mit dem wieder genesenen Mittelstürmer Ivan Prtajin ein weiterer Akteur auf den Platz. „Ich habe noch kein System gefunden, in dem ich sie alle gleichzeitig spielen lassen kann. Selbst wenn ich Tage und Nächte an der Taktiktafel verbringe, um das zu lösen - ich werde keines finden“, scherzte Lieberknecht daher gegenüber der Bild-Zeitung.

Dennoch: Vorne drückt der Schuh bislang, wie magere acht Törchen unterstreichen. Einzig die Kellerkinder aus Bochum und Kiel unterbieten diesen Wert noch. Das Prunkstück ist hingegen die Defensive. Nur vier Gegentore mussten die Roten Teufel bisher hinnehmen - einsamer Bestwert in Liga zwei. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei Maxwell Gyamfi als zentraler Innenverteidiger in der Dreierkette ein. Mit seinem herausragenden Speed sichert der 26-Jährige die Tiefe ab und erstickt die Konterbewegungen des Kontrahenten oftmals schon im Keim. Ob ihm das auch gegen Flügelflitzer Mohamed Ali Zoma gelungen wäre? Ohne den blitzschnellen wie dribbelstarken Torjäger ist die Hürde Kaiserslautern jedenfalls ein gutes Stück höher geworden.

Pragmatisch und intensiv

Im Allgemeinen sind Pragmatismus und Intensität die beiden Zauberworte hinter dem Aufwärtstrend der Betze-Buben. Trainer Lieberknecht ist sich nicht zu fein, den eigenen Matchplan massiv an den Stärken des Gegners auszurichten, was auch dem Club blühen dürfte. Sehr wohl könnte daher ein Aufeinandertreffen geprägt von intensiven Eins-gegen-eins-Duellen und wenigen Torraumszenen bevorstehen. „Das alles Entscheidende in diesem Spiel wird Intensität sein“, prognostizierte Lieberknecht im Vorfeld der Begegnung.

Aus Nürnberger Sicht ergeben sich daraus mindestens zwei Erkenntnisse: Zum einen muss der technisch versierte FCN in Sachen Einsatzwille und Leidenschaft dagegenhalten. Fast noch wichtiger aber wird es sein, den hochmotivierten Pfälzern mit feinen Passstafetten immer wieder den Stecker zu ziehen, um ein zähes Geduldsspiel zu vermeiden.