Nürnberg - Dunkler Körper, gelb-orangefarbenes Band am Hinterleib, auffällig gelbe Beine: Die Asiatische Hornisse breitet sich im Herbst in Bayern weiter aus. Wie man die invasive Art erkennt und was bei einem Nestfund zu tun ist.

Wer im Garten eine ungewöhnlich dunkle Hornisse entdeckt, sollte zunächst Ruhe bewahren. Es könnte sich um die Asiatische Hornisse handeln, eine ursprünglich aus Südostasien stammende Art, die sich in Europa ausbreitet. Für Imker kann sie zur Belastung werden, weil sie unter anderem Honigbienen jagt.

Ein verdächtiges Tier sollte man weder fangen noch berühren. Wer eine mögliche Asiatische Hornisse oder ein Nest entdeckt, sollte Abstand halten, wenn möglich ein Foto aus sicherer Entfernung machen und den Fund melden. Ein Nest selbst zu entfernen, ist keine gute Idee.

Asiatische Hornisse erkennen: Diese Merkmale sind typisch

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) unterscheidet sich laut Umweltbundesamt und Naturschutzbund Deutschland (NABU) optisch von der heimischen Europäischen Hornisse (Vespa crabro). Sie ist insgesamt dunkler gefärbt. Auffällig sind der überwiegend dunkelbraune bis schwarze Brustbereich, ein dunkler Hinterleib mit einem breiten gelb-orangen Band und die gelben Enden der Beine.

Die Europäische Hornisse ist dagegen deutlich rotbraun und gelb gezeichnet. Die Asiatische Hornisse ist außerdem nicht mit der Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia) zu verwechseln.

Aber Achtung: Ein einzelnes Tier lässt sich nicht immer sicher bestimmen. Wer eine mögliche Asiatische Hornisse entdeckt, sollte das Tier nicht fangen oder berühren.

Wo baut die Asiatische Hornisse ihre Nester?

Im Frühjahr bauen überwinterte Jungköniginnen neue Nester. Diese sogenannten Primärnester befinden sich häufig an geschützten Stellen, etwa in Schuppen, Garagen oder unter Dachvorsprüngen.

Im weiteren Jahresverlauf können größere Sekundärnester entstehen. Diese liegen oft hoch in Baumkronen, sind aber auch an Gebäuden möglich. Nach dem Laubfall können zuvor verdeckte Nester besser sichtbar werden.

Dass Nester auch an Gebäuden liegen können, zeigt ein Fund in München: Mitte Oktober 2026 spürten Fachleute ein Nest im Dach eines Hauses nahe der Theresienwiese auf. Zuvor hatten mehrere Sichtungen einzelner Tiere Hinweise auf den Standort geliefert. Zum Zeitpunkt der Meldung sollte die Hausverwaltung die fachgerechte Entfernung organisieren.

Asiatische Hornisse: Was Gartenbesitzer bei einer Sichtung tun sollten

Wer eine verdächtige Hornisse oder ein mögliches Nest entdeckt, sollte vor allem Abstand halten. Das gilt besonders für Nester, in deren unmittelbarer Nähe sich Tiere aufhalten. Diese Schritte sind sinnvoll:

  • Abstand halten: Weder das Nest berühren noch den Flugverkehr durch Schütteln, Schneiden oder andere Eingriffe stören.
  • Foto aus sicherer Entfernung machen: Wenn dies gefahrlos möglich ist, kann eine Aufnahme bei der Bestimmung helfen.
  • Standort notieren: Möglichst genaue Angaben zum Fundort erleichtern die Überprüfung.
  • Sichtung melden: In Bayern können verdächtige Tiere und Nester über das offizielle Portal „BeeWarned“.
  • Fachleute entscheiden lassen: Ein Nest sollte keinesfalls auf eigene Faust entfernt werden.

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) prüft die eingehenden Meldungen. Bei bestätigten Funden können qualifizierte Nestentferner einbezogen werden. Die Behörde warnt vor eigenständigen Entfernungsversuchen: In Nestnähe können die Tiere ihr Nest verteidigen und mehrere Hornissen gleichzeitig angreifen. Eine sichere Bestimmung sollte Fachleuten überlassen werden.

Wie gefährlich ist die Asiatische Hornisse für Menschen?

Die Asiatische Hornisse gilt nicht pauschal als gefährlicher als andere Hornissen- oder Wespenarten. Entscheidend ist die Situation: Besonders vorsichtig sollte man in der Nähe eines Nestes sein, wenn sich die Tiere gestört fühlen und ihr Nest verteidigen.

Wie bei anderen stechenden Insekten sind Stiche schmerzhaft. Bei Menschen mit einer Insektengiftallergie kann es zu schweren allergischen Reaktionen kommen. Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder anderen Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.

Warum die Asiatische Hornisse für Imker zum Problem werden kann

Die Asiatische Hornisse jagt verschiedene Insekten, darunter Honigbienen. Besonders auffällig kann das Jagdverhalten vor den Fluglöchern eines Bienenstocks sein: Die Hornissen warten dort auf heimkehrende Bienen und fangen sie ab.

Bei starkem Jagddruck kann sich das Verhalten der Honigbienen verändern. Völker können ihren Flugbetrieb reduzieren. Das kann die Versorgung mit Nahrung beeinträchtigen und die Bienenvölker zusätzlich belasten.

Die LWG weist darauf hin, dass in Gebieten, in denen sich die Asiatische Hornisse ungehindert ausbreiten konnte, erhebliche Beeinträchtigungen an Bienenvölkern beobachtet wurden. Die Art erbeutet allerdings nicht ausschließlich Honigbienen, sondern auch zahlreiche andere Insekten.

Für Imker ist es deshalb wichtig, auffällige Beobachtungen zu dokumentieren: Wie häufig treten Hornissen am Bienenstand auf? Jagen sie wiederholt vor den Fluglöchern? Verändert sich das Ausflugverhalten der Bienen?

Wie aufwendig eine gezielte Suche sein kann, zeigte sich in München: Fachleute lockten Hornissen mit einer süßlichen Flüssigkeit an, fingen zwei Tiere und statteten sie mit winzigen Telemetrie-Sendern aus. Anhand ihrer Flugbewegungen konnten sie den Rückweg zum Nest verfolgen. Das Nest befand sich im Dach eines Hauses. Rund 20 Fachleute und ehrenamtliche Imkerinnen und Imker waren an der Suche beteiligt.

Die LWG koordiniert in Bayern die Dokumentation der Ausbreitung und die Bekämpfung. Sie bietet außerdem Schulungen für Personen an, die Nester fachgerecht entfernen sollen.

Auch Schutzmaßnahmen am Bienenstand sollten mit Fachleuten abgestimmt werden. Welche Vorrichtungen geeignet sind, hängt unter anderem von den örtlichen Bedingungen und der jeweiligen Bienenhaltung ab. Pauschale Empfehlungen für selbst gebaute Fallen oder Barrieren sind ohne fachliche Prüfung nicht sinnvoll.

Warum der Herbst bei der Bekämpfung wichtig ist

Im Herbst entwickeln sich in den Nestern Jungköniginnen. Nach der Begattung überwintern sie und können im kommenden Frühjahr neue Völker gründen. Ein voll entwickeltes Nest kann laut dpa-Informationen rund 350 Jungköniginnen hervorbringen. Allerdings überlebt nur ein Teil davon und gründet tatsächlich ein neues Volk.

Deshalb kann es für die Eindämmung der Ausbreitung wichtig sein, Nester rechtzeitig zu entdecken und fachgerecht entfernen zu lassen. Christian Altenburger von der Fachberatung für Imkerei des Bezirks Oberbayern betonte gegenüber der dpa, dass jedes rechtzeitig entdeckte und entfernte Nest helfen könne, die weitere Ausbreitung zu bremsen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Nest automatisch Hunderte neue Völker hervorbringt. Die Zahl der Jungköniginnen und der Anteil der Tiere, die tatsächlich überleben und im Frühjahr ein Volk gründen, können variieren.

Wie weit hat sich die Asiatische Hornisse in Bayern ausgebreitet?

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass die Art in Bayern zunehmend nachgewiesen wird. Nach Angaben des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums wurden 2023 fünf Nester entdeckt und entfernt, 2024 waren es 19 und 2025 insgesamt 33. Auch 2026 wurden weitere Nester gefunden und beseitigt. Eine aktuelle Gesamtzahl für 2026 nannte das Ministerium in seiner Mitteilung allerdings nicht.

Mitte Oktober 2026 wurde zudem das erste Nest der Asiatischen Hornisse in Oberbayern entdeckt – im Dach eines Hauses nahe der Münchner Theresienwiese. Einzelne Exemplare waren in Oberbayern bereits im Herbst 2025 in Schrobenhausen gesichtet worden.

Auch Franken ist betroffen: Im Juli 2026 wurde ein Nest in Langenzenn im Landkreis Fürth bestätigt, wie die Nürnberger Nachrichten berichten. Für Gartenbesitzer und Imker gilt: Nicht jedes verdächtige Tier ist eine Asiatische Hornisse. Eine möglichst genaue Meldung, ein Foto aus sicherer Entfernung und der Verzicht auf eigenständige Bekämpfungsversuche sind die sinnvollsten Schritte.