
Großalarm am Albrecht-Dürer-Airport: Ein Ferienflieger auf dem Weg von der griechischen Insel Korfu nach Nürnberg hatte während des Fluges den Code „7500“ gesendet. Dieser wird im Luftverkehr bei einer möglichen Entführung oder widerrechtlichen Übernahme eines Flugzeugs verwendet. Nach ersten Erkenntnissen sollte die Maschine planmäßig gegen 12.20 Uhr in Nürnberg landen. Etwa auf halber Strecke setzte der Pilot jedoch den Alarmcode ab. Anschließend konnte die Maschine zunächst nicht von den zuständigen Behörden erreicht werden - die Verantwortlichen leiteten das standardmäßige Notfallprozedere ein.
Die Alarmrotte des „Taktischen Luftwaffengeschwaders 74“ aus Neuburg an der Donau startete nach Angaben der Behörden umgehend. Zwei Eurofighter begleiteten den Ferienflieger im deutschen Luftraum. Nach derzeit unbestätigten Informationen hoben offenbar auch italienische Kampfjets ab. Entscheidend war, welche Maschinen das betroffene Flugzeug schneller erreichen konnten. Ein Polizeisprecher schilderte die Lage so: „Wir hatten auf etwa Hälfte der Strecke gegen kurz nach 11 Uhr einen Code direkt aus dem Cockpit, der auf eine Geiselnahme schließen ließ“. Und weiter: „Da wir daraufhin das Cockpit nicht mehr erreichen konnten, beziehungsweise der Tower das Cockpit nicht mehr erreichen konnte, mussten wir eben vom Schlimmsten ausgehen, eben dass es sich tatsächlich um eine Geiselnahme handeln könnte.“
Parallel zur Lage in der Luft löste die Polizei also am Nürnberger Flughafen Großalarm aus. Es rückten Spezialkräfte des SEK und des Unterstützungskommandos (USK), mehrere Einsatzhundertschaften sowie ein Großaufgebot von Polizei, Berufsfeuerwehr und Rettungsdienst an.
Die Marienbergstraße und die Flughafenstraße wurden zwischenzeitlich vollständig für den Verkehr gesperrt, um den Einsatzkräften freie Zufahrt zu ermöglichen. Auch mehrere Drohnen sollen zur Unterstützung eingesetzt worden sein. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte die Polizei dazu zunächst keine weiteren Angaben machen.
Nach der Landung blieb die Maschine zunächst auf dem Vorfeld. Die Passagiere wurden anschließend in separate Bereiche des Flughafens gebracht, dort befragt und von Einsatzkräften, dem Rettungsdienst und Notfallseelsorgern betreut. Nach Angaben der Polizei bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Menschen an Bord. Den Passagieren und der Crew gehe es gut, heißt es.
Alarm vermutlich durch technischen Defekt ausgelöst
Nachdem auch vom Boden aus Kontakt zum Piloten hergestellt worden war, gaben die Einsatzkräfte Entwarnung. Nach aktuellem Stand wird der Vorfall als technischer Defekt behandelt. Warum der Pilot dennoch den Code „7500“ und nicht den entsprechenden Hinweis auf eine technische Notlage gesendet hatte, ist ebenso Gegenstand der Ermittlungen wie die Frage, weshalb die Funkverbindung zeitweise abbrach.
Der Flugbetrieb am Nürnberger Flughafen konnte kurz nach 13.30 Uhr wieder aufgenommen werden. Während des Einsatzes wurden nach ersten Erkenntnissen mehrere Maschinen umgeleitet. Das genaue Ausmaß der Beeinträchtigungen war zunächst noch unklar.
Bereits in der Nacht mögliche Drohne gesichtet
Unabhängig von dem Entführungsalarm war der Flugverkehr am Nürnberger Flughafen bereits in der Nacht beeinträchtigt worden. Drei Piloten hatten beim Start oder bei der Landung unabhängig voneinander ein Objekt gemeldet, bei dem es sich möglicherweise um eine Drohne gehandelt haben könnte.
Die Grenzpolizeiinspektion Nürnberg-Flughafen leitete daraufhin gemeinsam mit dem Flughafen und der Deutschen Flugsicherung Such- und Detektionsmaßnahmen ein. Auch ein Polizeihubschrauber kam zum Einsatz. Eine Drohne konnte jedoch nicht gefunden werden. Nach Angaben des Flughafens waren dadurch sechs Flüge verspätet. Zwei ankommende Maschinen mussten zunächst nach Köln und Prag ausweichen. Ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen besteht, ist derzeit nicht bekannt.
