Nürnberg - Binnen weniger Monate hat Piet Scobel eine eindrucksvolle Entwicklung hingelegt. Der treffsichere Angreifer ist aus der Nürnberger Startelf mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

Nach dem dramatischen 4:4 gegen Wolfsburg überwog für Stürmer Piet Scobel „ganz klar“ die Enttäuschung über den verpassten Heimdreier. Zwar hätte auch der 21-Jährige den Punktgewinn nach dem verkorksten ersten Durchgang unterschrieben, letztlich aber „muss man das Ding über die Zeit bringen“, haderte Scobel mit dem abermaligen Ausgleichstreffer. „Durch die Intensität, die wir in der zweiten Halbzeit hereingebracht haben, waren wir die deutlich bessere Mannschaft und haben uns die Führung schon verdient.“

In typischer Scobel-Manier

Dass sich der Club überhaupt in der Position wiederfand, auf alle drei Zähler schielen zu dürfen, war nicht unwesentlich mit dem 1,91-Meter-Hünen verknüpft. Sein erster Streich fiel dabei schon fast in die Kategorie „typisches Scobel-Tor“. Nicht zum ersten Mal demonstrierte der gebürtige Norddeutsche seine Robustheit im direkten Duell. Gegenspieler und Ex-Nürnberger Kilian Fischer ließ Scobel unbeeindruckt abperlen, ehe er das Leder wuchtig ins kurze Eck donnerte. Schon seine beiden Treffer gegen Holstein Kiel und zuvor im Pokal bei Viktoria Köln waren ähnlich angelegt. Statt überhastet abzuschließen, orientierte sich Scobel zunächst am Verteidiger, wobei er seinen Körper geschickt einsetzte, um sich den nötigen Platz zu verschaffen. Danach klingelte es in schöner Regelmäßigkeit.

Vor wenigen Monaten noch war dies alles andere als selbstverständlich. Der Senkrechtstarter mit dem ungewöhnlichen Werdegang kickte bis Januar 2025 für den fünftklassigen Eimsbütteler TV in der Hamburger Oberliga. Es folgte der Wechsel zum Club, wo Scobel zunächst in der Regionalliga für Furore sorgte. Am 17. Januar dieses Jahres feierte der Blondschopf dann eine märchenhafte Startelf-Premiere im Unterhaus. Gegen Elversberg war der Mittelstürmer absoluter Aktivposten im Nürnberger Angriffsspiel und gab unglaubliche zwölf Abschlüsse ab, von denen immerhin zwei ins Schwarze trafen. Scobel, der zur Lösung für die fränkische Sturmflaute hochstilisiert wurde, war vorerst gesetzt, konnte an seinen Bilderbucheinstand jedoch nicht weiter anknüpfen.

Auf den Spuren von Tzimas?

Von Tag eins der diesjährigen Sommervorbereitung an wirkte der Mittelstürmer dann wie ausgewechselt. Während die Rufe nach einem neuen Neuner anhielten, spielte sich Scobel mehr und mehr ins Rampenlicht. Zugang Sigurd Haugen musste sich jedenfalls hinter dem Durchstarter einreihen.

Spätestens seit Scobels Doppelpack im Frankenderby am zweiten Spieltag bestehen kaum noch Zweifel daran, wer der Platzhirsch im Nürnberger Angriffszentrum ist. Sechs Pflichtspieltreffer in acht Einsätzen unterfüttern die bemerkenswerte Entwicklung, die hinter Scobel liegt. Einen Löwenanteil an dieser hat nicht zuletzt Miroslav Klose, der mit dem Stürmer akribisch an jedem kleinsten Detail seines Spiels feilt. Die steile Lernkurve des ehrgeizigen Torjägers erinnert mindestens ein wenig an Vor-Vorgänger Stefanos Tzimas, wenngleich beide über verschiedene Profile verfügen.

Ein weiterer Unterschied: Zumindest die mittelfristige Zukunft Scobels dürfte in Nürnberg liegen. Immerhin hat der Club das Arbeitspapier mit dem Zielspieler erst im Mai weiter ausgedehnt. Einstweilen also kann die Anhängerschaft weiteren Treffern entgegenfiebern - und Scobel auf ähnlich leichte Übungen hoffen wie bei seinem 2:2-Ausgleich gegen Wolfsburg. „Dann muss ich nur noch den Ball reinschieben“, verweist der Knipser auf die feine Vorarbeit von Rayan Ghrieb. Die nächste Gelegenheit, seinen Torriecher unter Beweis zu stellen, erhält Scobel am Freitagabend in Cottbus. Energie stellt aktuell die schwächste Defensive in Liga zwei - gute Vorzeichen also, um die Enttäuschung schnell vergessen zu machen.