Nürnberg - An der Züricher Straße, in Thon und Krottenbach soll es neue Wohnungen geben. Doch bei allen Vorhaben sind noch Fragen offen. Eine echte Entlastung für den angespannten Nürnberger Wohnungsmarkt sind die Pläne noch nicht.

Nürnberg braucht dringend mehr Wohnungen. Nach der aktuellen Wohnungsmarktbeobachtung der Stadt werden bis 2033 rund 14.700 zusätzliche Wohnungen benötigt. Im vergangenen Jahr wurden in Nürnberg jedoch nur knapp 1.500 Wohnungen fertiggestellt. Nun hat der Stadtplanungsausschuss drei Vorhaben auf den Weg gebracht. Sie sollen zusätzlichen Wohnraum schaffen - auf bislang unbebauten Flächen, durch die Umwandlung eines Bürogebäudes und am Ortsrand von Krottenbach. Konkrete Baugenehmigungen gibt es allerdings noch nicht.

Neue Wohnungen an der Züricher Straße Nürnberg

An der Züricher Straße soll das Quartier rund um den U-Bahnhof Großreuth bei Schweinau weiter wachsen. Die wbg Nürnberg GmbH plant dort zusätzliche Mehrfamilien- und Reihenhäuser. Möglich sind auch Gebäude mit bis zu fünf Geschossen.

Dadurch könnte die Geschossfläche gegenüber der bisherigen Planung um rund sieben Prozent steigen. Eine konkrete Zahl der zusätzlichen Wohnungen nennt die Stadt bislang nicht. Das Quartier soll seinen bisherigen Charakter mit einer Mischung aus Mehrfamilienhäusern und Reihenhäusern behalten. Vorgesehen sind außerdem begrünte Dächer, zusätzliche Bäume und versickerungsfähige Flächen. Neue Wege und Grünanlagen sollen sich am bestehenden Züricher Park orientieren. Der Autoverkehr soll weitgehend aus dem Quartier herausgehalten werden. Stellplätze für die Mehrfamilienhäuser sind in einer Tiefgarage geplant, für die Reihenhäuser soll es einen zentralen Garagenhof geben.

Der Stadtplanungsausschuss hat mit seinem Beschluss zunächst die städtebauliche Grundlage geschaffen. Eine Baugenehmigung und ein verbindlicher Zeitplan liegen noch nicht vor. Für das Vorhaben sollen möglicherweise Regelungen des sogenannten „Bau-Turbos“ genutzt werden. Dafür sind unter anderem ein städtebaulicher Vertrag und gegebenenfalls Vereinbarungen über notwendige Infrastrukturmaßnahmen erforderlich.

Bürogebäude in Thon soll zu Wohnhaus werden

In Thon könnten 48 neue Wohnungen mit insgesamt rund 3680 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. Dafür soll das frühere Müller-Verlagsgebäude in der Pretzfelder Straße teilweise umgebaut und aufgestockt werden. Geplant ist ein gemischt genutztes Gebäude: Im Erdgeschoss sollen Büros, ein Café sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsräume bleiben. Ab dem ersten Obergeschoss sind Wohnungen vorgesehen. Ein weiteres Gebäude auf dem Grundstück soll weiterhin gewerblich genutzt werden.

Die Stadt sieht in dem Projekt ein Beispiel dafür, wie zusätzlicher Wohnraum durch die Umnutzung bestehender Gebäude entstehen kann. Freie Grundstücke sind in Nürnberg knapp und zugleich teuer. Deshalb gewinnt die Umwandlung nicht mehr benötigter Büro- oder Gewerbeflächen an Bedeutung.

Auch in diesem Fall ist der Weg zur tatsächlichen Umsetzung aber noch nicht abgeschlossen. Der geltende Bebauungsplan sieht für das Grundstück derzeit eine gewerbliche Nutzung vor. Die Stadt will deshalb die weiteren planungsrechtlichen und vertraglichen Schritte vorbereiten. Der Stadtplanungsausschuss muss unter anderem noch über einen städtebaulichen Vertrag entscheiden. Vorgesehen sind außerdem private Grünflächen und ein Spielplatz.

Planungen für 35 Wohnungen in Krottenbach

Am südlichen Ortsrand von Krottenbach beginnt ein neues Bebauungsplanverfahren. Auf einer rund 1,4 Hektar großen, bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche westlich der Dietersdorfer Straße könnten nach aktuellem Stand etwa 35 Wohneinheiten entstehen. Geplant sind vor allem zweigeschossige Hausgruppen und Doppelhäuser mit Satteldächern. Zum westlichen Ortsrand hin soll eine großzügige Eingrünung entstehen. Die Fläche ist im Flächennutzungsplan bereits als Baufläche vorgesehen.

Der Beschluss des Stadtplanungsausschusses bedeutet allerdings noch keine Entscheidung für das konkrete Wohngebiet. In dem ergebnisoffenen Verfahren sollen zunächst die Auswirkungen auf Verkehr, Fußwege, Kanalisation, Entwässerung und den öffentlichen Nahverkehr untersucht werden. Auch die soziale Infrastruktur, die bauliche Dichte, die Spielplatzversorgung und mögliche Schall- und Geruchseinwirkungen durch die Landwirtschaft werden geprüft.

Für die notwendige Ertüchtigung der Dietersdorfer Straße soll auch ein Gehweg untersucht werden. Zudem sind Maßnahmen zum Umgang mit Regenwasser und ein begrünter Ortsrand vorgesehen. Die Vorgaben des Nürnberger Baulandbeschlusses, darunter der geförderte Wohnungsbau, sollen berücksichtigt werden. Zusätzlich zu den möglichen 35 Wohnungen kommen in Krottenbach 13 bereits genehmigte Wohnungen an der Krottenbacher Straße 86. Sie befinden sich nach Angaben der Stadt derzeit im Bau. Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit ist voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 geplant.

Nur ein kleiner Schritt gegen die Wohnungsnot in Nürnberg

Zusammen könnten die Vorhaben in Thon und Krottenbach rund 83 neue beziehungsweise geplante Wohnungen bringen. Hinzu kommen die noch nicht bezifferten zusätzlichen Wohnungen an der Züricher Straße. Für einen Wohnungsmarkt, auf dem bis 2033 rund 14.700 Wohnungen fehlen könnten, ist das jedoch zunächst nur ein kleiner Schritt.

Zumal die Pläne nicht sofort Entlastung bringen werden. In Nürnberg stocken viele Bauprojekte wegen hoher Bau- und Finanzierungskosten sowie der wirtschaftlichen Unsicherheit. Nach Angaben der Stadt gibt es zwar rechnerische Potenziale für rund 25.700 Wohnungen bis 2033. Ein großer Teil davon befindet sich allerdings erst in der Planung oder in konkreten Investitionsvorhaben.

Auch die Art der Wohnungen ist entscheidend. Besonders gefragt sind familiengerechte, bezahlbare und barrierearme Wohnungen sowie kleinere Wohnungen für Studierende und Auszubildende. Die Angebotsmieten liegen laut Wohnungsmarktbeobachtung bei Bestandswohnungen im Durchschnitt bei etwa 11,60 Euro pro Quadratmeter. Für neu gebaute Wohnungen werden im Schnitt rund 15 Euro verlangt.

Gleichzeitig liegt die Leerstandsquote in Nürnberg nur bei etwa 1,6 Prozent. Damit gibt es deutlich weniger freie Wohnungen, als für einen funktionierenden Wohnungsmarkt normalerweise nötig wären. Für Wohnungssuchende bleibt die Lage deshalb angespannt - auch wenn die Stadt nun an mehreren Stellen neue Projekte vorbereitet.