
Als Neil Armstrong 1969 die ersten Schritte auf dem Mond machte, waren Millionen Menschen vor den Fernsehern dabei. Was viele damals nicht wussten: Auch eine Frau am Computer hatte entscheidenden Anteil daran, dass die historische Mission nicht kurz vor der Landung abgebrochen werden musste.
Nun ist die US-Computerwissenschaftlerin Margaret Hamilton tot. Sie starb am 30. September im Alter von 90 Jahren, wie ihr ehemaliger Arbeitgeber, das Massachusetts Institute of Technology (MIT), mitteilte.
Hamilton leitete am MIT das Team, das die Bordsoftware für die Apollo-Missionen entwickelte. Mehr als 400 Menschen arbeiteten an den Programmen für die Mondflüge. Damals war „Software Engineering“ noch kein etabliertes Berufsfeld. Hamilton gehörte zu denjenigen, die es prägten – und den Begriff „Software Engineering“ bekannt machten.
Apollo-11-Mission: Sie war die Frau hinter der ersten Mondlandung
Ihre wohl bekannteste Bewährungsprobe kam während Apollo 11. Kurz bevor die Mondlandefähre „Eagle“ auf der Mondoberfläche aufsetzen sollte, meldete der Bordcomputer einen sogenannten 1202-Alarm. Der Rechner war überlastet.
Für die Astronauten hätte das ein ernstes Problem sein können. Doch Hamilton und ihr Team hatten die Software so entwickelt, dass wichtige Aufgaben Vorrang bekamen. Nicht unbedingt notwendige Prozesse konnten zurückgestellt werden, während die für die Landung entscheidenden Berechnungen weiterliefen.
Die Software funktionierte. Die Landung konnte fortgesetzt werden – Armstrong und Buzz Aldrin erreichten die Mondoberfläche.
Hamilton hatte schon zuvor darauf gesetzt, dass Software nicht nur Befehle ausführen, sondern auch mit Fehlern umgehen können muss. Ein Vorfall mit ihrer damals vierjährigen Tochter Lauren lieferte dafür ein eindrückliches Beispiel: Das Mädchen hatte in einem Simulator versehentlich ein Programm gestartet, das eigentlich nur vor dem Start ausgeführt werden sollte. Der Simulator stürzte ab.
Hamilton wollte deshalb verhindern, dass ein solcher Fehler während einer echten Mission passieren konnte. Zunächst wurde ihr Einwand zurückgewiesen. Während Apollo 8 trat das Problem tatsächlich auf. Anschließend wurden ihre Änderungen in die Software übernommen.
Hamilton war 1936 im US-Bundesstaat Indiana geboren. Nach ihrem Mathematikstudium kam sie Ende der 1950er Jahre ans MIT. Zunächst beschäftigte sie sich mit Programmen zur Wettervorhersage, später arbeitete sie an dem ersten US-Luftverteidigungssystem.
1965 wechselte sie zum Instrumentation Laboratory des MIT und wurde die erste Programmiererin des Apollo-Projekts. Sie arbeitete zunächst an unbemannten Missionen und übernahm später die Leitung der Softwareentwicklung für die bemannten Flüge.
Ausgezeichnete Softwarepionierin
Nach ihrer Zeit am MIT gründete Hamilton eigene Softwareunternehmen und arbeitete weiter an zuverlässigen Computersystemen. Sie veröffentlichte mehr als 130 Publikationen und setzte sich dafür ein, Softwareentwicklung als eigenständige Disziplin anzuerkennen.
2016 erhielt sie dafür eine der höchsten Auszeichnungen der USA: US-Präsident Barack Obama verlieh ihr die „Presidential Medal of Freedom“. Berühmt wurde Hamilton auch durch ein Foto aus dem Jahr 1969. Darauf steht sie neben einem riesigen Stapel Papier – dem ausgedruckten Code ihres Apollo-Teams. Das Bild wurde Jahrzehnte später zu einem Symbol für die oft unterschätzte Arbeit hinter dem Raumfahrtprogramm.
Hamilton selbst sah ihre Arbeit nüchterner. Beim Apollo-Programm, sagte sie rückblickend, habe es keine zweite Chance gegeben. Man habe einen Weg finden müssen – und ihn gefunden.


