
Am 1. Oktober war Gloria-Sophie Burkandt (27), Model und Doktorandin - und die älteste Tochter von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, anlässlich der Vorstellung ihres Buchs „Generation KI - Menschlich bleiben in der neuen Welt“ zu Gast in der Buchhandlung Thalia in Nürnberg. Im Mittelpunkt des Buchs steht die Frage, was künstliche Intelligenz mit dem Denken, den Beziehungen und dem Selbstbild einer ganzen Generation macht. Den Anstoß dazu gab laut Burkandt ein Vortrag des KI-Pioniers Yann LeCun beim Weltwirtschaftsforum in Davos - ein Moment, den sie im Gespräch mit nordbayern.de als ihren persönlichen „Aufwachmoment“ beschreibt.
Für eine Biografie, sagt sie, habe sie noch zu wenig erlebt. Stattdessen schreibt sie über das, was sie in den Kreisen erlebt hat, in denen sie sich bewegt - bei Entscheidungsträgern, die KI mitverantworten, und in Gesprächen mit jungen Menschen, die sie für ihre Doktorarbeit führt. Deren Thema: Führungsmodelle für die Generation Alpha. Die alten Modelle, so ihre These, seien längst überholt.
Das liegt auch einfach an den modernen Zeiten, wie sie nordbayern.de erklärt: Goethe hatte keinen Zugang zu TikTok und permanenter Beschallung. Er musste mit seinen Gedanken allein sein und hat dabei Werke geschaffen, die Jahrhunderte überdauern. „Wir kommen gar nicht mehr runter“, sagt Burkandt. „Wir sind ständig unter Stress, sind wir erreichbar, sind wir nicht erreichbar. Was geht Neues in der Welt?“ Gleichzeitig, so ihre Überzeugung, brauche es aber genau diese Ruhe, um auf Ideen zu kommen, die langfristig etwas bringen. Deshalb plädiert sie dafür, mehr auf Social Skills zu setzen, Kompetenzen aufzubauen und wieder mehr in Präsenz miteinander zu sein - also gewissermaßen weniger Handy, mehr Mensch.
„Den Jungen verzeihen, wenn sie nicht alles wissen“
Dass sie selbst nicht frei von den Widersprüchen ist, über die sie schreibt, gibt sie offen zu. Ihr Allgemeinwissen sei nicht das beste, räumt sie ein - und verweist dabei auf ihren berühmten Auftritt in der Quizshow „Deutschlands dümmster Promi“, bei dem sie weder Helmut Kohl noch Konrad Adenauer erkannte. Das liege auch daran, dass es nicht ihre Zeit gewesen sei - außerdem „muss man den Jungen auch verzeihen, wenn sie dann doch nicht alles wissen“, so die 27-Jährige. Darüber hinaus müsse sich das Bildungssystem an sich verändern und nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Kompetenzen.
Und was sagt ihr Vater Markus Söder zu dem Buch? „Er findet die endgültige Fassung sehr gut“, sagt Burkandt. Und fügt hinzu: „Ich glaube aber, er hat es auch nicht bis zum Ende gelesen. Das liegt natürlich an den Umständen der Politik.“