
Millionen Euro Schaden, gefakte Gewinnverläufe und Opfer, die am Ende nicht nur ihr Geld verloren haben – sondern gar selbst ins Visier der Ermittler geraten können: Cybertrading-Betrug ist in Franken längst kein Randphänomen mehr. Allein in Oberfranken beläuft sich der Schaden elf Wochen vor Weihnachten in diesem Jahr auf mehrere Millionen Euro. Das Polizeipräsidium Oberfranken nahm dies zum Anlass, vor perfiden Betrugsmaschen zu warnen, und gewährte einen Einblick in Betrugsfälle, die sich direkt in der Region ereignet haben.
Klein anfangen, groß absahnen – so funktioniert der Betrug
Die Betrugsmasche folgt laut Polizei einem immer ähnlichen Muster. Alles beginnt mit einer Werbeanzeige – oft auf bekannten Plattformen, häufig mit dem Gesicht prominenter Persönlichkeiten. Beliebt sind Verweise auf Sendungen wie „Die Höhle der Löwen“, die seriöses Investment suggerieren sollen. Wer auf den Link klickt und seine Kontaktdaten hinterlässt, wird kurz darauf über WhatsApp, Telegram oder andere Messenger kontaktiert – von angeblichen Brokern, die das große Geld versprechen.
Der Einstieg ist bewusst niedrigschwellig: 250 Euro Startkapital, dazu eine App, auf der man die angebliche Kursentwicklung live verfolgen kann. Die angezeigten Gewinne sind jedoch gefälscht. Mit steigenden Zahlen auf dem Bildschirm werden Betroffene dazu gebracht, immer mehr Geld zu überweisen. Wer sein Guthaben auszahlen lassen will, stößt auf neue Hindernisse: angebliche Gebühren, Versicherungen, Freischaltkosten. Das Geld fließt nur in eine Richtung, denn zurück kommt keines.
200.000 Euro weg: Ein erschütternder Fall aus dem Landkreis Bayreuth
Wie verheerend die Folgen sein können, zeigt ein Fall aus dem Landkreis Bayreuth. Anfang 2025 wurde ein Mann über eine Internetwerbung auf eine vermeintlich lukrative Krypto-Investitionsplattform aufmerksam. Bekannte Persönlichkeiten warben darin damit, mit geringem Startkapital angeblich schnell hohe Gewinne erzielt zu haben. Der Mann klickte und hinterließ seine Daten. Kurz darauf meldete sich eine angebliche Brokerin per WhatsApp.
Sie erklärte ihm die Vorgehensweise, bat ihn, 250 Euro zu überweisen und eine App zu installieren. Dort konnte er beobachten, wie seine „Gewinne“ stetig wuchsen. Was er nicht wusste: Die Zahlen waren nicht real. Mit der Aussicht auf hohe Renditen überwies er immer größere Summen. Als er auszahlen wollte, folgten weitere Forderungen. Schließlich entstand ihm ein Schaden von rund 160.000 Euro. Nach etwa fünf Monaten brach der Kontakt zu den Betrügern ab.
Die Geschichte endete damit jedoch nicht. Etwa vier Monate später meldeten sich Unbekannte erneut – diesmal als angebliche Juristen, spezialisiert auf die Rückholung eingefrorener Gelder. Gegen eine Vorauszahlung von 40.000 Euro. Der Mann überwies. Auch dieses Geld war weg. Insgesamt verlor er rund 200.000 Euro.
Betrug in Franken: Weitere Fälle aus Lichtenfels, Bamberg und Hof
Im Landkreis Lichtenfels fiel im August 2026 ein älterer Mann auf eine unseriöse Webseite für Investitionsprodukte herein. Die Betreiber täuschten ihm mithilfe gefälschter Charts vor, aus einem Investment von 10.000 Euro seien 153.000 Euro geworden. Zur Auszahlung sollte er 25.000 Euro überweisen. Glücklicherweise erkannte der Mann den Betrug rechtzeitig und erstattete Anzeige bei der Polizei. Die Ermittlungen übernahm die Kripo Coburg.
Einem Anfang 20-jährigen Bamberger erging es zum Jahreswechsel 2024/2025 anders: Er registrierte sich auf einer Plattform, die angeblich mithilfe Künstlicher Intelligenz hohe Gewinne erwirtschaften sollte. Nachdem er sich mit seinem Ausweis verifiziert hatte, schlossen die Betrüger in seinem Namen bei verschiedenen Banken Kredite in Höhe von insgesamt 50.000 Euro ab.
Aus dem Landkreis Hof ist der Fall eines Mitte 50-Jährigen bekannt, der Ende 2023 mit dem Versprechen geworben wurde, „durch KI Geld im Schlaf zu verdienen“. Nach einer anfänglichen Überweisung von 250 Euro wurde er dazu gebracht, an Identifikationsmaßnahmen mitzuwirken – woraufhin die Betrüger mehrere Kreditverträge auf seinen Namen abschlossen und Geld von seinem Privatkonto ins Ausland transferierten. Der Mann wurde stutzig und wandte sich an die Polizei.
Warnung der Polizei: Wer Geld erhält, kann selbst zum Beschuldigten werden
Das Polizeipräsidium Oberfranken warnt ausdrücklich vor sogenannten „Recovery-Angeboten“: Wer bereits Opfer eines Anlagebetrugs geworden ist, sollte keinesfalls auf Versprechen eingehen, das verlorene Geld gegen eine Vorauszahlung zurückzuholen. Hinter solchen Angeboten stecken häufig dieselben oder ähnliche Tätergruppen – getarnt als Bankmitarbeiter oder Rechtsanwälte.
Besondere Vorsicht gilt auch, wenn Betroffene tatsächlich Geldbeträge auf ihr Konto erhalten und gebeten werden, diese weiterzuleiten. Wer das tut, macht sich schnell selbst strafbar – wegen Geldwäsche. Aus einem Betrugsopfer kann so ein Beschuldigter im Strafverfahren werden.
Die Polizei empfiehlt: Verdächtige Anlageangebote sorgfältig prüfen, keine Zahlungen aufgrund telefonischer oder per Messenger übermittelter Anweisungen vornehmen und sich bei Unsicherheit frühzeitig an die Polizei wenden. Das Fazit der Ermittler ist eindeutig: „Wenn es sich zu gut anhört, ist es meistens Fake.“
Hier geht es zu allen aktuellen Polizeimeldungen.


