
Wer durch Nürnberg schlendert, stellt schnell fest: Der Duft von Majoran, Buchenholzrauch und frisch gebrühtem Fleischkäse ist hier quasi ein Grundnahrungsmittel. Und das ist jetzt sogar fast amtlich verbrieft: Eine aktuelle Statistik des Datenportals Listflix hat erwiesen, dass die Frankenmetropole ein echtes Paradies für Fleischgourmets ist. In der Bundesliga der deutschen Großstädte über 300.000 Einwohnern holt Nürnberg nämlich einen zweiten Platz bei der Metzgerei-Dichte. Mit 6,61 Betrieben pro 100.000 Einwohner mussten sich die Nürnberger nur hauchdünn dem Spitzenreiter Bochum geschlagen geben.
Rechnet man diese Quote auf die Stadtbevölkerung hoch, kommt Nürnberg auf gut 35 bis 40 eigenständige Traditionsmetzgereien. Nimmt man all die Filialen und Verkaufsstellen dazu, summiert sich das Ganze im Stadtgebiet sogar auf weit über 50 Anlaufstellen für die tägliche Wurst-Dosis. Während im Rest der Republik das große „Metzgersterben“ umgeht und der Supermarkt-Plastikpackung weicht, hält Nürnberg noch wacker die Stellung. Aber warum ist das so?
Der wichtigste Grund trägt einen weltberühmten Namen und ist kaum größer als ein Daumen: die Original Nürnberger Bratwurst. Weil sie seit über zwanzig Jahren als geografisch geschützte Spezialität nur im Stadtgebiet und nach strengem Reinheitsgebot gewurstet werden darf, haben die lokalen Metzger ein echtes Monopol in der Pfanne oder auf dem Grill. Dazu kommt die sprichwörtliche fränkische Gemütlichkeit. Nürnberg liegt mitten in der „Genussregion“, wo man Handwerk oft noch zu schätzen weiß. Der Franke geht eben für seine Stadtwurst, sein Schäufele oder seine Grillsteaks lieber zum Metzger seines Vertrauens, statt anonym an der Kühltheke zu greifen.
Dass die Dichte so hoch bleibt, liegt aber auch an den Metzgern selbst. Statt zu jammern, erfinden sich Betriebe wie Freyberger, Wolf oder Meyer einfach immer wieder neu: mit Dry-Aged-Beef aus der Region, hippen Online-Shops oder Bratwurst-Erlebnis-Events. Nürnberg beweist damit, dass jahrhundertealte Zunfttradition und moderner Zeitgeist gut zusammengehen.
So hoch ist die Metzgereien-Dichte in anderen Städten Deutschlands
Die Pro-Kopf-Spitzenreiter (Höchste Dichte)
Betrachtet man das Ranking aller deutschen Großstädte unabhängig von der Einwohnerklasse, führen kleinere und mittlere Großstädte die Pro-Kopf-Dichte an:
- Aachen: 8,38 Metzgereien pro 100.000 Einwohner (insgesamt 22 Betriebe)
- Bochum: 6,69 Metzgereien pro 100.000 Einwohner (insgesamt 24 Betriebe)
Die absoluten Spitzenreiter (Meiste Betriebe insgesamt)
Große Metropolen haben aufgrund ihrer enormen Einwohnerzahl die meisten Metzgereihauptsitze, fallen dadurch in der Pro-Kopf-Quote aber meist deutlich zurück:
- Berlin: 125 Metzgereien absolut (führt die Bundesrepublik in der Gesamtmenge an)
- Essen: 24 Metzgereien absolut (entspricht einer Quote von 4,18 pro 100.000 Einwohner)
- Bremen: 23 Metzgereien absolut (entspricht einer Quote von 3,92 pro 100.000 Einwohner)
Listflix zählt keine Filialen oder unselbstständige Verkaufsstellen mit. Große Filialisten in anderen Städten (die dort Dutzende Verkaufsstände betreiben) tauchen in der Statistik nur ein einziges Mal an ihrem Hauptsitz auf. Nürnberg hat im Vergleich zu anderen Regionen eine ungewöhnlich hohe Anzahl an eigenständigen Handwerksbetrieben, die jeweils als autarkes Unternehmen registriert sind.
Übrigens: Nürnberg ist auch eine absolute Hochburg für Hähnchen-Gerichte, hat Lieferdienst Uber eats ermittelt. Außerdem ist Nürnberg ein Fast-Food-Mekka in Deutschland, wie Listflix ebenfalls in diesem Jahr ermittelt hat.