
Es läuft rund beim 1. FC Nürnberg. So rund, dass sich im Wissen um die jüngere Vereinsgeschichte manch einer fragen wird, ob alles mit rechten Dingen zugeht am Valznerweiher. Miroslav Klose jedenfalls tut das nicht. Der wurde auf der Pressekonferenz nach dem 1:0-Sieg in Karlsruhe gefragt, ob er sich angesichts der überzeugenden Darbietungen seiner Mannschaft manchmal kneifen müsse. „Kneifen muss ich mich nicht“, verneinte Klose.
Vielmehr kam er auf die nicht für Jedermann ersichtlichen Gründe für den Erfolg zu sprechen. „Da steckt viel Arbeit von meinem Trainerteam dahinter, auch von den Spielern auf dem Trainingsplatz.“ Der Chefcoach habe das Gefühl, dass die Spieler sich immer verbessern wollen. Doch nicht nur das, auch zwischenmenschlich scheint es zwischen seinen Schützlingen zu passen: „Die Chemie in der Mannschaft, das habe ich schon öfter angesprochen, das ist fantastisch.“
Schon während der Saisonvorbereitung habe Klose „so ein Gefühl gehabt, dass es zusammenpasst. Dass sie (die Mannschaft, d. Red.) sehr gut eingespielt sind.“ Was offensichtlich nicht nur für die erste Elf gilt, die Klose Woche für Woche fast unverändert auf den Platz schickt (lediglich Kristian Mandic sprang am dritten Spieltag für den verletzten Fynn Otto ein), sondern auch für den Rest des Kaders: „Wir haben fantastische Spieler auf der Bank, bei denen ich mich tatsächlich freue, sie reinzubringen. So wie sie trainieren haben sie es sich absolut verdient. Ich warte nur auf den Moment.“
Trotz Traumstart: Demut geboten
Die große Frage lautet natürlich: Wie weit kann die Reise gehen mit der vom Trainer beschworenen Mischung aus Ehrgeiz und Teamgeist? Nach dem Derbysieg am 2. Spieltag sagte Klose, dass man nach fünf bis sieben Spieltagen „ein bisschen was sagen“ könne über den weiteren Saisonverlauf. Mittlerweile sind sechs Spiele absolviert, der FCN hat 16 Punkte gesammelt, hat den bis dato besten Saisonstart der Vereinsgeschichte eingestellt und steht auf einem direkten Aufstiegsplatz. Sind die Vorzeichen also eindeutig?
Ein Blick in die jüngere Vergangenheit mahnt bei aller Euphorie zur Demut, denn nicht jeder Traumstart garantiert den großen Wurf am Ende der Spielzeit. Seit der Jahrtausendwende gab es sechs weitere Mannschaften, die nach den ersten sechs Spieltagen dieselbe Punkteausbeute auf dem Konto hatten wie der FCN in dieser Saison. Tatsächlich stieg nur die Hälfte dieser Mannschaften am Ende in die Bundesliga auf. Was den Anhängern des 1. FC Nürnberg Mut machen dürfte: Der FCN stellte eines der Teams, die den Aufstieg am Ende packten; am Ende der Spielzeit 2000/2001, jener Spielzeit, in der dem Verein sein vormals bester Zweitliga-Saisonstart gelang.
