Nürnberg - Um den Galaauftritt nach der Pause herauszukitzeln, musste Miroslav Klose seine Elf erst zurechtweisen. Im Anschluss aber agierte der FCN wie aus einem Guss und unterstrich: Mit diesem Club ist zu rechnen.

Die beste Halbzeit seiner Amtszeit hatte Miroslav Klose gesehen, wie der Club-Coach nach dem Nürnberger 2:1-Erfolg über Hannover verkündete. Gemeint war der zweite Durchgang, als sein drückend überlegener FCN die Gäste in der eigenen Hälfte einschnürte und Abschluss an Abschluss reihte. Beachtliche 15 Schüsse gaben die Franken nach dem Seitenwechsel ab - Bestwert in der angelaufenen Saison. Einzig die Effizienz ließ am Freitagabend zu wünschen übrig. Dem umtriebigen Piet Scobel blieb sein Treffer diesmal verwehrt. Letztlich entschied das fünfte Saisontor von Mohamed Ali Zoma die Partie zugunsten der Hausherren.

Klose-Ansage als Initialzündung

Der Galavorstellung nach der Pause war eine erste Hälfte vorausgegangen, die alles andere als schlecht war. Nach den turbulenten Anfangsminuten begegneten sich beide Seiten ungefähr auf Augenhöhe. Mit zunehmender Spieldauer übernahm der Club wieder das Kommando und hätte mit etwas mehr Präzision schon zur Halbzeit in Führung liegen können. Cheftrainer Klose missfiel dennoch, wie sich seine Elf präsentierte - insbesondere in puncto Zweikampfführung. In der Kabine forderte der Weltmeister von 2014 daher mehr Klarheit in den Aktionen. „Das musste man ihnen aufzeigen, weil ich das Gefühl hatte, dass das Spiel in dem Moment noch kippen konnte“, erklärte Klose sein Vorgehen, „aber wie sie es in der zweiten Halbzeit angenommen haben - Hut ab!“

Im Stile einer Spitzentruppe dominierte der Club einen Gegner, der eigentlich selbst den Anspruch hat, eine solche zu sein. „Die Mannschaft glaubt an sich“, bestätigte der Übungsleiter den positiven Eindruck der vergangenen Wochen. Zwar gelang es seinem Team nicht in jedem Pflichtspiel, so überzeugend aufzutreten wie gegen Hannover. Eine neu gewonnene Qualität der Mittelfranken ist es aber, nahezu permanent Torgefahr auszustrahlen. In allen Ligapartien hat die Klose-Elf, die zugleich die beste Offensive im Unterhaus stellt, mindestens zweimal ins Schwarze getroffen. Obendrauf kam gegen die Niedersachsen ein in weiten Teilen couragierter Defensivauftritt mit nur einem Schönheitsfehler verursacht durch Javi Fernández.

Im Stile eines Spitzenreiters

Unter dem Strich ergibt sich dadurch ein eindeutiges Bild: In dieser Form zählt der Club zu den heißesten Anwärtern auf die Spitzenplätze. Dass der FCN über eine Vielzahl an technisch versierten Akteuren verfügt, ist kein Geheimnis. Inzwischen aber wirkt es, als könne die Mannschaft ihren Spielwitz auch mit der nötigen Entschlossenheit und Abgebrühtheit kombinieren. Der einzige Haken: Die Saison ist noch jung. „Ganz, ganz feine Antennen“ habe Klose deshalb, um voreiligen Höhenflügen innerhalb der Gruppe zuvorzukommen. Aus seinen Ambitionen macht jedoch auch der 48-Jährige keinen Hehl: „Unser Ziel ist es, auch Richtung Winter vorne dabei zu sein. Bis dahin warten noch genug Brocken auf uns.“

In der Schlussphase der Begegnung zeigte sich zudem, dass die Nürnberger schon dazugelernt haben. Anders als in der Vergangenheit verfiel der Club nach dem Führungstreffer nicht in Passivität. Stattdessen gelang es, das Spielgeschehen weiterhin zu kontrollieren und fernab vom eigenen Tor zu halten. „Man hat gemerkt, dass wir aufs Dritte gehen wollten“, bekräftigte Klose. „Mir ist das viel lieber, weil ich möchte, dass die Mannschaften uns hinterherlaufen.“ Bis auf Weiteres läuft die gesamte Liga dem Club hinterher. Dieser nämlich grüßt zumindest einmal bis Sonntag von der Tabellenspitze.