Nürnberg - Im Nürnberger Norden kämpfen Anwohner gegen Flughafenparker. Die Initiative fordert das „Memminger Modell“. Doch die Stadt warnt vor einer Verlagerung des Problems – und will mit dem Flughafen nach Alternativen suchen.

Es ist ein immer wiederkehrendes Problem für die Anwohnerinnen und Anwohner rund um den Nürnberger Flughafen: Ein Auto mit auswärtigem Kennzeichen wird in der Wohnstraße abgestellt. Koffer werden ausgeladen, anschließend geht es zu Fuß zur U-Bahn oder mit dem Fahrdienst weiter zum Flughafen. Das Auto bleibt zurück – für eine Woche, zwei Wochen oder sogar noch länger. Für viele Anwohnerinnen und Anwohner wird die Parkplatzsuche dadurch zum abendlichen Frustprogramm. Doch nicht nur der Parkdruck und nächtlicher Lärm sorgen für Ärger. Die Initiative „Stopp-Flughafenparker Nürnberg-Nord“, die nun auch eine Online-Petition gestartet hat, berichtet auf Anfrage unserer Redaktion zunehmend von Müll: „Immer häufiger bleiben Verpackungen, Becher oder leere Flaschen am Straßenrand oder in Vorgärten liegen.“

Nach Angaben der Initiative habe sich dieses Phänomen in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt. „Mittlerweile haben wir von März bis Oktober in unseren Straßen Schwierigkeiten, freie Parkplätze zu finden“, teilt die Initiative auf Anfrage mit.

Vom Flughafenparkplatz in die Wohnstraße: Hier in Nürnberg ist das Problem am deutlichsten

Besonders betroffen seien nach Beobachtung der Initiative die Stadtteile Almoshof und Lohe, die aufgrund ihrer Nähe zum Flughafen attraktiv für Parker seien. Auch rund um die U2-Stationen Ziegelstein und Herrnhütte würden Fahrzeuge abgestellt. Inzwischen weite sich das Problem nach Angaben der Initiative weiter aus – etwa entlang von Busverbindungen in Schnepfenreuth, Buch und Höfles.

Die Initiative spricht dabei von einem „Wasserbett-Effekt“: Werden einzelne Straßen stärker kontrolliert oder werden dort Parkmöglichkeiten knapper, weichen die Parker in andere Wohngebiete aus.

Wochenlang zugeparktes Wohngebiet: Foren und KI verstärken Parkplatz-Problem

Aber warum parken die Menschen überhaupt in den Wohnstraßen? Eine Antwort liegt auf der Hand: im Preis. Wer sein Auto für eine oder zwei Wochen am Flughafen abstellt, zahlt schnell einen dreistelligen Betrag. Die Stadt nennt für das Flughafenparken etwa 130 bis 180 Euro pro Woche. Der kostenlose Stellplatz in einer Wohnstraße ist dagegen unschlagbar günstig - selbst dann, wenn ein Bußgeld einkalkuliert wird.

Hinweise in Reiseforen und Bewertungsportalen, in denen die Wohnstraßen als kostenlose Parkalternative genannt werden, würden das Problem zusätzlich verstärken. „Fragt man die normale KI auf dem Handy, wo es kostenlose Flughafenparkplätze gibt, werden unsere Wohngebiete empfohlen“, so ein Sprecher der Initiative.

Flugreisende blockieren Parkplätze: Warum die Stadt das „Memminger Modell“ kritisch sieht

Die Initiative „Stopp-Flughafenparker Nürnberg-Nord“ will das Dauerparken mit einer klaren zeitlichen Begrenzung unterbinden, Vorreiter soll das „Memminger Modell“ sein. Konkret geht es dabei um eine großflächige Haltverbotszone in den betroffenen Wohngebieten mit Parkscheibenpflicht. Mit Parkscheibe dürfe demnach bis zu zehn Stunden geparkt werden. So könnten Pendler, Handwerker und Besucher die Parkplätze weiterhin nutzen. Anwohner sollen eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Mehrtägige und wochenlange Standzeiten von Urlaubern wären damit nicht mehr möglich. „Wir fordern kein klassisches Bewohnerparken!“, entgegnet die Initiative. Das Memminger Modell bleibe „der praxistauglichste Weg“.

Die Stadt hält eine Begrenzung der Höchstparkdauer grundsätzlich für möglich, sieht darin aber mehrere Nachteile. Die Regelung würde für alle gelten. Wer länger parken möchte – etwa Anwohner, deren Besuch, oder soziale Dienste – müsste eine gebührenpflichtige Ausnahmegenehmigung beantragen. „Der bürokratische Aufwand wäre sehr hoch“, erklärt dazu Frank Jülich, Verkehrsplaner der Stadt Nürnberg.

Außerdem könnten die Urlauber in andere Wohngebiete ausweichen. „Das Problem könnte daher verlagert, aber nicht behoben werden“, warnt die Stadt. Ein Beispiel für die Wirkung einer Parkregelung nennt sie selbst: Seit 2019 gilt im Umfeld der Otto-Lilienthal-Straße auf einer Fahrbahnseite ein Parkverbot für die Straßenreinigung. Dort sei der Anteil auswärtiger Fahrzeuge deutlich geringer als im benachbarten Gebiet. Die Regelung betrifft allerdings nur einzelne Straßen.

Die Stadt betont zudem, dass in den von ihr untersuchten Gebieten mit kurzen Fußwegen freie Stellplätze zu finden seien. Einen Anspruch auf einen Parkplatz im öffentlichen Raum oder direkt vor der eigenen Haustür gebe es nicht, so Jülich.

Flughafenparker: Gibt es in Zukunft günstigere Möglichkeiten? Stadt Nürnberg will Gespräche mit Flughafen

Statt einer Parkscheibenpflicht will die Stadt Nürnberg deshalb mit dem Flughafen über günstigere Tarife auf den flughafeneigenen Flächen und Shuttle-Angebote von weiter entfernten Parkplätzen sprechen. Zudem sei ein gemeinsames Kommunikationskonzept denkbar, das über „Tarife, Services und Vorteile des Parkens am Flughafen“ informiert, betont Jülich. Wenn das legale Parken am Flughafen deutlich attraktiver wird, könne der Anreiz sinken, das Auto irgendwo in Ziegelstein oder anderen Stadtteilen abzustellen.

Antrag der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen - Volt

Die Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen - Volt hat nun diesbezüglich einen Antrag gestellt. Darin kritisieren sie den Modellversuch rund um die Otto-Lilienthal-Straße. Das während der Straßenreinigung zeitlich begrenzte Haltverbot sei demnach kaum wirksam, denn es sei festgestellt worden, dass die Verwarnungsgelder im Verhältnis zu den Flughafenparkgebühren nicht ausreichend abschreckend wirken. Zudem wurden Verlagerungseffekte in angrenzende Gebiete festgestellt.

In dem Antrag fordert die Fraktion daher eine erneute Evaluation, die vor allem Schwächen herausarbeiten und Erkenntnisse für ein wirksameres weitergehendes System liefern soll. Im Mittelpunkt sollen dabei „Kontrolldichte, die Feststellung langandauernder Verstöße, Versetz- und Abschleppmaßnahmen sowie mögliche Verlagerungseffekte stehen“, heißt es.

In dem Antrag spricht sich die Stadtratsfraktion zudem für das Modell der Stadt Memmingen in Nürnberg aus, entscheidend jedoch auch der konsequente Vollzug: „Gerade diese Kombination aus klaren Regeln, Kontrollen und spürbaren Konsequenzen schafft eine wirksame Abschreckung.“ Um den zusätzlichen Verwaltungsaufwand gering und gleichmäßig zu halten, solle zunächst ein kleines, besonders stark vom Parkproblem betroffenes Gebiet einbezogen werden. Ausnahmegenehmigungen sollten möglichst digital und automatisiert erteilt und die entstehenden Verwaltungskosten durch kostendeckend bemessene jährliche Gebühren finanziert werden. Sofern erfolgreich, könne man das System auf weitere Gebiete ausweiten.

Entscheidung im Herbst erwartet

Die Stadt will dem Verkehrsausschuss des Nürnberger Stadtrats voraussichtlich im Oktober 2026 einen Vorschlag für das weitere Vorgehen vorlegen. Der Ausschuss könnte dann konkrete Maßnahmen beschließen, so Verkehrsplanungsamtsleiter Frank Jülich.

Anmerkung aus der Redaktion: Der Antrag der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen - Volt wurde uns erst am Donnerstag (10. September 2026) gegen 10 Uhr zugesandt. Wir haben diesen im Nachhinein ergänzt.