Nürnberg - Unter dem Motto „Rechte latschen gegen rechte Latschen“ wurden am Montag in Nürnberg Spenden gesammelt. Der „unfreiwillige“ Spendenlauf ist kein neues Konzept der Gegendemonstration.

Die allmontaglichen Demonstrationen in Nürnberg haben gestern eine Wendung genommen: In der Innenstadt kam es zu einem etwas anderen, besser gesagt unfreiwilligen Spendenlauf. Unter dem Motto „Rechte latschen gegen rechte Latschen“ wurden Spenden für die gemeinnützige Anlaufstelle B.U.D e.V. gesammelt, einer Organisation für Betroffene rechter Gewalt.

Der Spendenlauf richtete sich gegen das „Team Menschenrechte“, das jede Woche durch die Nürnberger Innenstadt läuft, um zu demonstrieren. Seit vergangenem Jahr wird die Gruppierung vom Verfassungsschutz beobachtet. Für jeden gelaufenen Meter des „Team Menschenrechte“-Aufmarschs sollte ein Spendenbeitrag an die B.U.D. gehen. Organisiert wurde die Aktion unter anderem vom Bündnis Nazistopp. Auf der Veranstaltungsseite werden außerdem das Bündnis „Rechte Latschen gegen rechte Latschen“, Grantifa, VerLINKung Nürnberg, Alerta Parade, sowie weitere Helfer und Spender genannt.

Unterstützer konnten entscheiden, ob sie einen Betrag pro gelaufenen Meter oder eine feste Summe spenden wollten. Wie die Veranstalter und verschiedene Medien berichten, sollen rund 23.000 Euro gespendet worden sein. Vor Ort gab es auch Live-Musik. So unter anderem von Max Malve oder A-Jey. Der Komiker Matthias Egersdörfer hielt eine Rede. Teilnehmen konnte jeder, Firmen, Organisationen und Privatpersonen. Medienberichten zufolge nahmen rund 300 Personen am Protest gegen das „Team Menschenrechte“ teil.

„Rechts gegen Rechts“ - Konzept kommt in Franken wieder zum Einsatz

Die Idee, rechte Aufmärsche in einen Spendenlauf für demokratische Projekte umzuwandeln, ist nicht in Nürnberg entstanden. Entwickelt wurde das Konzept „Rechts gegen Rechts“ von der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gemeinsam mit Werbeagenturen.

Erstmals umgesetzt wurde die Aktion im November 2014 in Wunsiedel, Oberfranken. Dort veranstalteten Neonazis über Jahre einen sogenannten „Trauermarsch“. Die Organisatoren des Gegenprotests änderten die Spielregeln: Für jeden Meter, den die Teilnehmer des rechtsextremen Aufmarschs zurücklegten, wurde ein festgelegter Betrag an EXIT-Deutschland gespendet, ein Ausstiegsprogramm für Neonazis. Am Ende kamen nach Angaben des Zentrums Demokratische Kultur rund 10.000 Euro zusammen.

Die Aktion in Wunsiedel setzte dabei nicht auf eine klassische Blockade, sondern auf eine öffentliche Umdeutung des Aufmarschs. Satirische Banner, auf die Straße gesprühte Zwischenstände und ein Empfang mit Urkunden und Konfetti machten sichtbar, dass die Strecke der Neonazis nun an einen Zweck ging, der ihrer eigenen politischen Ausrichtung widersprach. Ziel war es, die demokratische Zivilgesellschaft zu mobilisieren, Frustration bei den Teilnehmern zu erzeugen und die Arbeit gegen Rechtsextremismus zu unterstützen.

In der Folge wurde das Modell „Rechts gegen Rechts“ nach Angaben des Zentrums Demokratische Kultur in mehreren deutschen Städten von lokalen Akteuren übernommen und auch international adaptiert. In Nürnberg wurde das Grundprinzip nun auf die regelmäßigen Aufmärsche des „Team Menschenrechte“ übertragen – zugunsten der Beratung und Unterstützung von Betroffenen rechter Gewalt.