Nürnberg - Am Tatort in der Nürnberger Liegnitzer Straße erinnern die Kinder von Enver Şimşek, Hinterbliebene und verschiedene Bündnisse an den vor 26 Jahren ermordeten Blumenhändler.

Am Jahrestag des Mordes an Enver Şimşek findet am Mittwoch, 9. September, eine Gedenkveranstaltung am Tatort in der Liegnitzer Straße in Nürnberg statt. Beginn ist um 18.30 Uhr. Das teilte die Stadt Nürnberg in einer Pressemitteilung mit. Şimşeks Kinder Semiya und Abdulkerim Şimşek wollen gemeinsam mit mehreren zivilgesellschaftlichen Bündnissen und weiteren Hinterbliebenen an das erste Mordopfer der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) erinnern. Geplant sind eine stille Kranzniederlegung und ein Grußwort des Zweiten Bürgermeisters Andreas Krieglstein.

„Mit dem Mord an Enver Şimşek begann eine Serie rechtsterroristischer Morde, der insgesamt zehn Menschen zum Opfer fielen“, wird Krieglstein in einer Mitteilung der Stadt Nürnberg zitiert. In Nürnberg wurden neben Şimşek auch Abdurrahim Özüdoğru und İsmail Yaşar ermordet. Bereits 1999 war Serkan Yildirim bei einem Sprengstoffanschlag schwer verletzt worden.

„Als Stadt des Friedens und der Menschenrechte stehen wir an der Seite der Opfer rechter und rassistischer Gewalt und zeigen, dass aus Erinnerung Verantwortung erwachsen ist“, so Krieglstein weiter.

Enver Şimşek wurde am Blumenstand erschossen

Enver Şimşek wurde am 9. September 2000 an seinem Blumenverkaufsstand auf dem Parkplatz an der Liegnitzer Straße von NSU-Terroristen angegriffen. Der am 4. Dezember 1961 in Salur in der türkischen Provinz Isparta geborene Şimşek kam im Alter von 24 Jahren nach Deutschland. Er lebte mit seiner Frau und den beiden Kindern im hessischen Schlüchtern und betrieb mehrere mobile Blumenverkaufsstände – darunter auch in Nürnberg. Als Şimşek in seinem Lieferwagen Blumen sortierte, wurde er von acht Schüssen aus zwei Pistolen getroffen. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen und starb am 11. September 2000 im Klinikum Nürnberg-Süd.

Weitere Hintergrundinformationen

Vor 26 Jahren ermordete die rechtsextreme Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) den Blumenhändler Enver Şimşek in Nürnberg. Der 38-jährige Familienvater war ihr erstes von insgesamt zehn Opfern.

Die Ermittlungen verliefen zunächst ergebnislos. Die Polizei verdächtigte sogar die Familie des Opfers. Erst nach dem Auffliegen des NSU wurde bekannt, dass Şimşek Opfer eines rassistisch motivierten Mordes geworden war. Unter anderem seine Tochter Semiya Şimşek setzt sich seither für die Aufarbeitung und das Gedenken an die Opfer ein.

In Nürnberg erinnert heute der Enver-Şimşek-Platz an das erste Mordopfer des NSU. Trotz der Aufklärung der Mordserie bleiben Fragen zur Rolle der Behörden offen. Die Hinterbliebenen fordern eine vollständige Aufarbeitung. Am Jahrestag findet eine jährliche Gedenkveranstaltung mit der Familie statt.